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Sechs Millimeter zuviel im Schritt! Altenbacher Martin Hamann wird disqualifiziert

Vierschanzentournee Sechs Millimeter zuviel im Schritt! Altenbacher Martin Hamann wird disqualifiziert

Mit 108 Metern in der Qualifikation sicherte sich der 20-jährige Altenbacher Martin Hamann dieser Tage auf der Oberstdorfer Schattenbergschanze den Platz unter den besten 50. Was für eine Leistung! Umso entsetzter waren Familie, Freunde und Fans, als Martin nur Sekunden vor seinem Wettkampfsprung zurück gepfiffen wurde.

Vierschanzentournee 2017/18 - Martin Hamann bei der Qualifikation in Oberstdorf.

Quelle: Screenshot: Frank Schmidt

Oberstdorf/Garmisch. Er glaubt weiter fest daran, irgendwann Olympiasieger und Skiflugweltmeister zu werden: Martin Hamann aus Altenbach bei Wurzen hatte schon immer Mut zum Träumen. Dabei ist er alles andere als ein Träumer: Er träumt sein Leben nicht, er lebt seinen Traum! Im Winterurlaub mit den Eltern, damals in Garmisch-Partenkirchen, stand für den siebenjährigen Flachlandtiroler fest: Ich werde Skispringer! Nur drei Monate später ging der Muldentaler in Eilenburg tatsächlich von der Schanze. Schon formulierte er sein nächstes Ziel: „Ich will zur Vierschanzentournee!“

Er machte das Wunder wahr, gab 2014 seine Premiere in Oberstdorf, scheiterte jedoch in der Qualifikation. Und das nur denkbar knapp. Ein Zehntelpunkt fehlte. Bei der Tournee 2017/18 klappte es – mit 108 Metern sicherte sich der 20-Jährige dieser Tage auf der Oberstdorfer Schattenbergschanze den Platz unter den besten 50. Was für eine Leistung! Umso entsetzter waren Familie, Freunde und Fans, als Martin nur Sekunden vor seinem Sprung zurück gepfiffen wurde: Disqualifiziert trotz Qualifikation! Diesmal entschieden sechs Millimeter.

Oben auf dem Turm musste er wie andere auch zur Routine-Vermessung in die kleine Holzkabine. „Ich stand also da, die Beine 40 Zentimeter gespreizt und dachte mir nichts dabei, als der Norweger Morten Solem den Messstab anlegte. Sechs Millimeter, sagte er auf Englisch, sechs Millimeter soll der Anzug im Schritt zu lang gewesen sein.“ In dem Moment brach für Hamann eine Welt zusammen. Vor allem: Nachdem er in der Qualifikation mit 1,6 Meter pro Sekunde Rückenwind die schlechtesten Bedingungen des gesamten Starterfeldes hatte, winkte diesmal leichter Aufwind: „Ach, das war echt Pech.“ So nutzte der Österreicher Stefan Kraft den 1-A-Wind. „Wer weiß“, sagt Martin Hamann, „hätte ich springen dürfen, wäre vielleicht sogar ein Platz im Finale denkbar gewesen!“ Vater Steffen äußerte sich angefressen: „Es ist schon verflixt und niemand kann so recht nachvollziehen, wie es zu solchen Disqualifikationen kommt. Martin war mit dem selben Anzug auch die Quali in Oberstdorf und Garmisch gesprungen – da war alles okay.“ Trotzdem habe sein Sohn erneut einen Schritt nach vorn gemacht und müsse sich nun auf den Continentalcup am Wochenende in Titisee konzentrieren.

Auch Martin nimmt vor allem das Positive mit: „Ich habe gezeigt, dass ich unter die weltbesten 50 springen kann. Bei einem Erfolgserlebnis im Wettkampf in Oberstdorf wäre wohl auch bei der Quali fürs Neujahrsspringen mehr möglich gewesen. So aber scheiterte ich in Garmisch. Dabei war ich am Tisch pünktlich und der Sprung technisch sauber.“

Martin sei auf jeden Fall auf einem guten Weg, attestiert B-Nationaltrainer Bernhard Metzler: „Er arbeitet immer besser, konsequenter, strukturierter. Natürlich haben wir bei der Tournee auch gesehen, dass es noch Luft nach oben gibt.“ Die Disqualifikation sei vor allem für Martin selbst bitter gewesen: „Wir bewegen uns im absoluten Spitzenbereich und damit am Limit, da ist jede Kleinigkeit entscheidend.“ Metzler vermutet, dass sein Schützling bei der Vermessung nicht optimal dastand. „Das gehört zum Lernprozess. Martin ist noch jung. Für ihn geht es jetzt erst einmal darum, im Conti-Cup in die Top Ten vorzustoßen. Die nächsten vier Jahre werden entscheidend sein.“ Entscheidend auch dafür, ob er tatsächlich das Zeug zum Olympiasieger und Skiflugweltmeister hat.

Von Haig Latchinian

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