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Seelsorgerin Sabine Lauer hat ihren lilafarbenen Trösteteddy immer im Gepäck

Hausfrau und Mutter hilft Menschen in Notsituationen Seelsorgerin Sabine Lauer hat ihren lilafarbenen Trösteteddy immer im Gepäck

Notfallseelsorger müssen mit Stress umgehen können, belastbar sein sowie Einfühlungsvermögen, Fingerspitzengefühl, Organisationsfähigkeit und ein feines Gespür für Menschen und ihre Bedürfnisse mitbringen. Ein ausgeprägtes Kommunikationsverhalten ist außerdem wichtig. Sabine Lauer ist eine von ihnen.

Sabine Lauer fühlt sich wohl bei ihrer Aufgabe als Seelsorgerin.

Quelle: Thomas Kube

Brandis/Waldsteinberg. Es ist oft nur ein kleiner Augenblick, der das Leben für immer verändert: Wann immer Menschen den plötzlichen Tod des Partners, eines Familienangehörigen oder Freundes verkraften müssen, stehen Notfallseelsorger des Kriseninterventionsteams bereit. „Wir sind rund um die Uhr verfügbar und werden von der Rettungsleitstelle beziehungsweise.den Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr und Notarzt alarmiert. Wir begleiten Betroffene in Ausnahmesituationen, mit denen sie oft allein überfordert wären“, sagt Sabine Lauer. Sie gehört seit fast sechs Jahren zu dem Team der ehrenamtlich tätigen Notfallseelsorger des Landkreises Leipzig. Damals suchte die Hausfrau und Mutter nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit und fand diese bei der Diakonie. Erst kürzlich war sie bei der Gasexplosion in einem Wurzener Wohnhaus vor Ort, als ein 30-jähriger Mann tot geborgen wurde. „Menschen, die den plötzlichen Tod eines nahen Angehörigen verkraften müssen, sind oft fassungslos und aufgrund des Verlustes hilflos. Sie stellen sich Fragen wie: Was ist gerade passiert? Wie konnte das passieren?“, sagt die Notfallseelsorgerin. Deshalb sei es wichtig, dass ihnen jemand bei der Überbringung der Nachricht durch die Polizei zur Seite steht und sie nicht über das Internet oder den Telefonhörer vom Tod eines nahen Angehörigen erfahren. Ihr Job ist es dann, den Betroffenen Fragen zu beantworten, die Trauernden zu unterstützen und psychosoziale Begleitung anzubieten, wenn die Arbeit von Polizei und Rettungsdienst vor Ort beendet ist. Dabei arbeiten alle Einsatzkräfte und auch die Notfallseelsorge eng zusammen. Sabine Lauer ist durchschnittlich ein- bis zweimal pro Woche für jeweils 12 Stunden in Rufbereitschaft und teilt sich damit den Dienst mit anderen Ehrenamtlichen im Landkreis Leipzig. „Das Schlimmste ist, wenn es sich um Kinder oder Jugendliche handelt, aber genauso wenn Ehepaare ihren geliebten Partner verlieren, mit dem sie vielleicht seit 60 Jahren verheiratet sind“, sagt sie. „Manchmal ist schweigen die beste Hilfe in dem Moment, wo aber auch uns manchmal die Worte fehlen. Und obwohl dieses Leid sicher in vollem Umfang niemals nachzuvollziehen ist, versuchen wir, die Betroffenen so gut wie möglich zu unterstützen, zuzuhören und wieder handlungsfähig zu machen“, erzählt sie. In schwierigen Situationen oder bei größeren Unfällen haben wir auch die Möglichkeit über unseren Hintergrunddienst weitere Notfallseelsorger anzufordern, wir sprechen dies mit den Betroffenen ab und fragen, ob dies für sie in Ordnung ist “, sagt die 46-Jährige, die in Leipzig geboren wurde und jetzt in Waldsteinberg lebt.

s gehört sehr viel Einfühlungsvermögen dazu, um Familien in so einer Situation beizustehen. In den ersten Stunden nach dem Unglück sei es immer wichtig, zu schauen, was in der jeweiligen Situation vorrangig zu tun ist – etwa, welche weiteren Angehörigen, Freunde, aber auch Institutionen wie Arbeitgeber verständigt werden müssen und welche Schritte als Nächstes erfolgen müssen. „Die Normalität ist nach einem schlimmen Ereignis zunächst einmal weg.“ So traurig, wie die Nachrichten sind, die Polizisten den Betroffenen in ihrem Beisein verkünden müssen, so habe sie doch auch schon ergreifende Situationen erlebt. „Der Vater von zwei minderjährigen Kindern war ums Leben gekommen. Die Mutter hatte mich gebeten, dass ich den Kindern erkläre, dass ihr Vater künftig nicht mehr für sie da sein kann“, erzählt sie. Daraufhin hätte ein Kind vom Vater den Rucksack geholt, Bilder ausgepackt und Spielzeug gebracht, mit dem es zuletzt mit ihm spielte. „Wir haben es in einen Kreis gestellt, eine Kerze angezündet und die Kinder haben Geschichten erzählt“, erinnert sich die Seelsorgerin. „Es ist wichtig, dass Kinder nicht belogen werden. Ansonsten können gerade bei Kindern schnell Schuldgefühle auftreten, dass sie einen Anteil am Tod der Eltern haben“, sagt sie. In Ausnahmefällen werden Kinder bei der Abschiednahme begleitet. So war sie auch bei einer Beerdigung gefragt. „Ich hatte eine Rose dabei, gab sie dem Kind, das seinen aufgebahrten Vater noch einmal sehen wollte. Als es mich fragte, was es damit soll, sagte ich, dass es das selbst entscheiden darf “, erzählt die Neu-Waldsteinbergerin. Das Kind habe sie erst neben seinen Vater gelegt, dann aber beim nochmaligen Betreten des Andachtsraumes dem Vater vorsichtig unter die gefaltete Hand gelegt. „Das sind Momente, die einen auch selbst sehr berühren.“ Deshalb sei es wichtig, dass sich ein Notfallseelsorger nicht selbst in einer problematischen Lebenssituation befindet oder Theater auf der Arbeit hat. Auch könne nur schwerlich jemand ausrücken, der selbst den Verlust eines geliebten Menschen zu bewältigen hat.

Neuerdings hat sie auch bei Einsätzen, in denen Kinder betroffen sind, einen Teddybären mit im Gepäck. Sie wurden nach einem Aufruf zahlreich gespendet. „Dafür möchten wir uns alle aus dem Team herzlich bedanken. Der Teddy mit der lilafarbenen Jacke tröstet die Kleinen ein bisschen über ihren Schmerz und gibt ihnen Halt in solchen Momenten“, weiß die geschulte Seelsorgerin.

Es versteht sich, dass Sabine Lauer nach Einsätzen auch erst einmal wieder zu sich selbst finden muss. „Ich habe mir angewöhnt, zu Hause gleich meine Einsatzjacke abzulegen und ein heißes Bad zu nehmen und sich selbst etwas Gutes zu tun“, erzählt sie.

Die Arbeit wäre fordernd. Der Rückhalt meiner Familie und untereinander im Team, sowie Abstand und Distanz nach der Arbeit seien daher wichtig. Als Problem sieht Sabine Lauer die Belastung aber nicht. „Dieser Aspekt gehört dazu“, sagt sie und verweist auf die positiven Seiten. „Wir üben eine sinnvolle Tätigkeit aus und können anderen Menschen in schweren Situationen helfen. Ich werde oft gefragt, warum ich diese Arbeit mache, darauf gibt es nur eine Antwort: „Es geschieht soviel Leid in dieser Welt, ich kann es leider nicht rückgängig machen, und ich kann es nicht ändern, wenn so was passiert, stehen wir ohnmächtig daneben. Ich kann nur helfen, für die Betroffenen, die Situation etwas erträglicher zu machen.“ Außerdem erde einen diese Arbeit. Sämtliche Alltagsprobleme relativieren sich angesichts von tödlichen Unfällen und anderen Tragödien. Es sei ein gutes Gefühl, Gutes getan zu haben. „Jeder hat einmal private Probleme. Ich verabschiede mich immer liebevoll und lasse meinen Mann nicht mit Wut wegfahren“, sagt sie. „Auch mit meinem Sohn, der sich in der Pubertät befindet, rede ich über alles. Es macht mich stolz, so eine Familie zu haben und das es ihnen gut geht“, sagt die Notfallseelsorgerin..

Von Cornelia Braun

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