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Seifenblasen-Protest

Seifenblasen-Protest

Sylt kennt das Thema seit Juni 2009. 5000 junge Menschen trafen sich damals in Westerland zu einer so genannten Flashmob-Party, zu der ein 26-Jähriger im Internet aufgerufen hatte.

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Stiller Protest auf dem Wurzener Marktplatz.

Quelle: Andreas Röse

Muldental. Gestern wurde auch in Grimma und Wurzen sowie in anderen sächsischen Städten zu einem Flashmob aufgerufen. Rund 250 Menschen kamen im Muldental zusammen, allerdings nicht zur Party sondern zum friedlichen Protest gegen die Kürzung der Jugendhilfe durch die Staatsregierung.

Folgeschäden wie in Sylt waren im Muldental nicht zu befürchten, alles ging ausgesprochen friedlich und gesittet zu. Folgen allerdings sollen nicht ausbleiben. Denn Ziel der beiden Aktionen war es, in die Diskussion um die Jugendhilfe noch einmal Bewegung zu bringen. Die heftigen Kürzungen der Landesregierung (LVZ berichtete) hatten den Protest ausgelöst. Und die thematisierte Martina Abresch, Leiterin des Kinder- und Jugendhauses Wurzen, sehr deutlich. „Um genau 16.16 Uhr lassen wir unsere Seifenblasen steigen“, appellierte sie an die mehr als 100 Teilnehmer der Veranstaltung, die auch aus der ganzen Umgebung auf den Wurzener Markt gekommen waren. „So wie die platzen, so platzen auch unsere Träume, wenn die Mittel für die Jugendarbeit in Dresden gestrichen werden.“ Thomas Graul, Ute Kühn, Klaus Niesler und Daniel Heinze vom Jugendklub Schweizergarten präsentierten dazu ein Plakat, das Jugendliche hergestellt hatten. „Gegen den Rotstift der Landesregierung“ war darauf zu lesen. „Wir hoffen natürlich, damit noch für ein Umdenken in Dresden sorgen zu können“, erklärte Graul. Zum Abschluss stimmte Stefan Winkelmann, Gemeindepädagoge der evangelischen Kirchgemeinde Wurzen, das Lied vom besten Freund an, der gegen das Unrecht der Welt kämpft.

In Grimma freute sich die städtische Jugendpflegerin Elke Sauer über gut 100 Teilnehmer, die auf dem Marktplatz schillernde Seifenblasen in den feinen Nieselregen aufsteigen ließen. „Nicht nur der Himmel weint und der Wind tobt, sondern wir machen es auch langsam“, sagte die Kreistagsabgeordnete Ute Kniesche, Mitglied des Jugendhilfeausschusses, den Versammelten angesichts der Sparpläne der sächsischen Landesregierung. Tobias Burdukat vom Förderverein für Jugendkultur und Zwischenmenschlichkeit verteilte derweil fleißig Seifenblasenröhrchen an Neuankömmlinge. Darunter waren auch Imke und Luise aus Döben: „Ich bin hier, weil wir das blöd finden, dass die das Geld kürzen“, sagt Imke. Und Luise ergänzt: „Ich finde gut, dass man etwas dagegen tut. Das mit den Seifenblasen ist eine gute Idee.“ Dass angesichts der Sparpläne einige Jugendklubs schließen müssen, befürchtet Matthias Buchold. Der neue Leiter des Kinder- und Jugendhauses am Nicolaiplatz hatte gestern seinen ersten Arbeitstag und malte mit Jugendlichen gleich ein großes Transparent. „Wer die Axt an den Stamm legt, muss sich nicht wundern, dass der Baum fällt“, stand darauf. Buchold selbst formulierte es noch drastischer: Wer über Amokläufe an Schulen in Deutschland verunsichert ist, der dürfe nicht der Jugendarbeit das Geld kürzen.

Heinrich Lillie/ Andre Neumann

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