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Seifenkistenrennen in Aktion und spannende Historie in Ausstellungen

Jubiläum in Borsdorf und Panitzsch Seifenkistenrennen in Aktion und spannende Historie in Ausstellungen

Zum 750. Jubiläum in Borsdorf und Panitzsch ging es historisch und sportlich zu. Während Väter ihre Steppkes in selbst gebauten Seifenkisten um die Wette schoben, gab es auch einen Spaziergang in die Vergangenheit zu längst vergessenen Kneipen und einem einst großen Betrieb in Zweenfurth.

Mit selbst gebauten Seifenkisten haben Steppkes und auch Väter jede Menge Spaß..

Quelle: Bert Endruszeit

Borsdorf/Panitzsch. Vor 750 Jahren wurden Panitzsch und Borsdorf erstmals urkundlich erwähnt. Anlass genug nicht nur für Partystimmung auf dem Gelände der Trabrennbahn, sondern auch für zwei aufwendig gestaltete Ausstellungen. „Dieses Projekt beschäftigt mich schon seit geraumer Zeit“, verriet Heimatforscher Gerhard Otto mit Blick auf seine Ausstellung zur Gastronomiegeschichte von Borsdorf und Panitzsch.

Recherchiert hat er dafür nicht nur im Leipziger Staatsarchiv, wo sich zahlreiche Gaststätten-Akten von den Anfängen bis in die 50er Jahre finden ließen. „Ich kenne viele Pappnasen persönlich“, sagte er lächelnd. „Da konnte ich so manchen Zeitzeugen befragen.“ Tatkräftige Hilfe für die auf großen Schautafeln präsentierte Ausstellung erhielt er von Peter Reinicke und Tilo Melzer.

Gerhard Otto (l) freut sich mit dem „Zweenfurther Gemeindediener“ Matthias Schütze über das bis heute erhalten gebliebene Schild vom Panitz

Gerhard Otto (l.) freut sich mit dem „Zweenfurther Gemeindediener“ Matthias Schütze über das bis heute erhalten gebliebene Schild vom Panitzscher „Hirsch“

Quelle: Bert Endruszeit

So manche Kneipenstory lässt sich lückenlos erzählen, bei anderen gebe es noch Fragezeichen. Die Besucher der Ausstellung waren des Lobes voll. „Ich hätte nie gedacht, dass es hier früher so viele Gaststätten gab. Jeder kennt ja meist nur sein Stammlokal so richtig“, sagte der frühere Borsdorfer und jetzige Althener Reinhold Schipp. Gerhard Otto wusste das sofort mit Zahlen zu untermauern. „Im Jahr 1883 hatte Borsdorf 500 Einwohner und drei Gaststätten. Heute haben wir 3800 Einwohner und eine einzige Gaststätte.“

In der Gastronomiehistorie gebe es auch manch kuriose Geschichte. So sei das jetzige Pfarrhaus von 1900 bis 1925 eine Gaststätte gewesen. Gibt es die in der Ausstellung gezeigten Fakten auch irgendwann mal als Buch? „Schön wäre es schon, aber dafür ist noch sehr viel Arbeit nötig.“ Etwas zum Mitnehmen hatte Otto aber vorbereitet. „Ich bin in die Fußstapfen meines Großvaters getreten. Der hatte einst einen Schreibwarenladen und gab Ansichtskarten heraus. Deshalb habe ich nun zehn Karten mit alten und neuen Aufnahmen aus Borsdorf, Panitzsch, Cunnersdorf und Zweenfurth herausgegeben.“

Viel Arbeit hat auch Rolf Kohlmann in seine Ausstellung gesteckt. Der heute 82-Jährige arbeitete von 1949 bis 1993 in der Zweenfurther Kunstlederherstellung. „Ich war dort wirklich alles, vom Lehrling bis zum Direktor.“ Rund 20 Jahre lang habe er unzählige Dokumente zur bis auf das Jahr 1852 zurückreichenden Firmengeschichte gesammelt und mit vielen einstigen Kollegen gesprochen. „Es ist genug Material da, der Bürgermeister hat mir noch einen zusätzlichen Raum angeboten.“ Kein Wunder, dass die Schau viel Publikum anzog, arbeiteten in der Kunstlederproduktion doch im Jahre 1989 immerhin 315 Leute. „Leider wurde das Firmenarchiv nach der Schließung der Firma 1996 komplett vernichtet“, so Kohlmann. Um so erstaunlicher sei es, dass trotzdem eine solch kleine aber lehrreiche Schau entstehen konnte.

Klein aber schnell waren draußen auf dem Rennbahngelände die Seifenkisten unterwegs. Die selbstgebauten Wagen lieferten sich auf einer eigens angelegten Strecke spannende Rennen. Die beiden Fünfjährigen Eduard und Dora wagten sich in einem von ihrem Opa Hannes gebauten Renner auf die Bahn, angeschoben von Doras Vater Axel Heilmann. „Es war nicht schwer, die Kinder für das Rennen zu begeistern. Viel schwerer war es zu entscheiden, wer vorn sitzen wird.“ Mächtig ins Zeug legte sich Lothar Gierich, der seinen achtjährigen Sohn Tim über die Bahn schob. „Das hat uns beiden großen Spaß gemacht. Extra trainiert habe ich nicht, aber ich bin heute früh zehn Kilometer gelaufen.“

Der von Stephan Löffler präsentierte Motor aus dem Jahre 1925 trieb einst eine Mühle an

Der von Stephan Löffler präsentierte Motor aus dem Jahre 1925 trieb einst eine Mühle an. Bei der Oldtimerschau zieht die Maschine viele Blicke auf sich.

Quelle: Bert Endruszeit

Von Bert Endruszeit

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