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Seit 65 Jahren im Hafen der Ehe: Dörings aus Wurzen feiern Jubiläum

Eiserne Hochzeit Seit 65 Jahren im Hafen der Ehe: Dörings aus Wurzen feiern Jubiläum

Mit der Kutsche zum Standesamt und ein Schaf für die Festtafel: Anni und Hansgeorg Döring aus Wurzen können sich noch ganz genau an den 9. August 1952 erinnern – ihrem Hochzeitstag. Kennengelernt haben sich beide durch Zufall auf der Straße. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, verrät die 90-Jährige.

Anni und Hansgeorg Döring aus Wurzen begehen ihre Eiserne Hochzeit.

Quelle: Kai-Uwe Brandt

Wurzen. „Es war Liebe auf den ersten Blick, als wir uns sahen“, erzählt Anni Döring. Sie erinnert sich noch gut an jenen Septembertag 1949. Damals ging sie die heutige Rudolf-Breitscheid-Straße entlang und traf an der Ecke zur Straße des Friedens in Höhe des Sanitätshauses Jeromin ihren Hansgeorg. „Schon am 26. September gingen wir dann heimlich aus“ – ins Kino Central-Theater in der Schweizergartenstraße. „Aber an den Film kann ich mich nicht so richtig erinnert“, unterbricht der 96-Jährige seine Frau und schmunzelt schelmisch. Knapp drei Jahre später – am 9. August 1952 – heirateten Anni und Hansgeorg.

„Eiserne Hochzeit! 65 Jahre mit ein und dem selben Mann. Wer hätte das gedacht.“ Anni schaut liebevoll zu Hansgeorg. Am 6. August wurde sie 90 Jahre alt. Eigentlich stammt sie aus Oelschütz, wo ihr Vater Bahnhofsvorsteher war. Hansgeorg dagegen ist Ur-Wurzener. Doch sein Geburtshaus am Gerhard-Hauptmann-Platz fiel dem Abrissbagger zum Opfer. Das Paar lebt jetzt in einer schmucken Wohnung in der Lüptitzer Straße. „Unser erstes Heim im Pfarrhaus Nitzschka bestand aus einem Raum, dem Schlafzimmer meiner Eltern, das sie für uns ausräumten.“ Später zogen sie zur Schwiegermutter über das Gemüsegeschäft Wilhelm im Deutschen Haus auf dem Marktplatz. Weil mancher vielleicht nicht weiß, welches Objekt gemeint ist, fügte Hansgeorg an – „jetzt Rossmann“.

Anni arbeitete als „Mädchen für alles“ im Porzellangeschäft Haupt in der Karl-Marx-Straße 17. „Mein Mann kam erst am 19. September 1949 aus vierjähriger russischer Gefangenschaft zurück.“ Anstellung fand der gelernte Elektriker bei Kurt Haupt, der im Hinterhof eine Elektrowerkstatt betrieb, während Hedwig Haupt vorn im Laden das feine Geschirr verkaufte. Selbst danach blieb das Paar beruflich unzertrennlich. Hansgeorg erhielt einen Job in der Lehrwerkstatt Mölkau des Volkseigenen Betriebes (VEB) Kombinat Textima; Anni bereitete dort die Speisen in der Betriebsküche zu. 1953 wurde ihr erstes Kind geboren – Tochter Brigitte. Zwei Söhne folgten, Dietmar 1959 und Uwe 1961. Mittlerweile haben Anni und Hansgeorg Döring fünf Enkel sowie sechs Urenkel und folglich ein Wandschrankregal voll mit Bildern. „Unser jüngstes Familienmitglied ist übrigens nur ein paar Wochen alt“, freut sich Anni. Mit 60 und nach 23 Jahren im VEB Nahrungsmittelkombinat „Albert Kuntz“ ging sie in Rente. Hansgeorg, der nach Mölkau als Betriebselektriker in der Schamotte Bennewitz die Strippen zog, genoss seinen Ruhestand ab 1986. Langeweile kannten beide auch im Anschluss nicht. Denn mit dem Frühjahr ging es sofort raus an die frische Luft – in den Garten, ihr grünes Paradies. Vor zwei Jahren mussten sie allerdings die Parzelle in der Anlage Sonnenblick schweren Herzens aufgeben, was Hansgeorg noch immer bedauert.

Anni vertreibt rasch die trüben Gedanken anlässlich des 65-jährigen Ehejubiläums und kommt lieber zurück auf den Hochzeitstag am 9. August 1952. Pfarrer Hahn traute sie seinerzeit in der Kirche Nitzschka und per Kutsche fuhr das Paar an jenem sonnigen Tag zum Standesamt nach Neichen. Zum Schluss gibt sie noch eine kleine Episode zum besten: „Weil wir damals nicht viel zu essen hatten, kaufte mein Vater ein Schaf und fütterte es extra für den Hochzeitstisch.“

Schaf landet sicherlich am morgigen Sonntag nicht auf der Gästetafel. „Wir feiern unser Eiserne Hochzeit mit circa zwanzig Personen im Kreis der Familie in der Gaststätte Waldhof zwischen Kühren und Luppa.“ Und was wünschen sich die Jubilare Anni und Hansgeorg Döring für die Zukunft: „Das wir noch eine Weile zusammen sind“, antwortet Anni, während Hansgeorg ergänzt: „Die 100 schaffen wir noch.“

Von Kai-Uwe Brandt

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