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Wurzen Seniorenfasching in Beucha: Gegen die Einsamkeit im Alter
Region Wurzen Seniorenfasching in Beucha: Gegen die Einsamkeit im Alter
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00:30 25.02.2018
Für sein soziales Engagement bekannt: Günter Vogel mit seiner Frau Renate beim Fasching in Beucha. Quelle: Foto: Maria Sandig
Brandis/Beucha

Während ein Bauchredner sein Programm ankündigt, hören die Gäste gespannt zu. Als er das Mikrofon ablegt, erhöht sich die Lautstärke in der Gaststätte. Es wird munter geredet und gelacht. Der Fasching in Beucha war auch am Dienstag gut besucht. Alte Freunde und Bekannte trafen sich, um gemeinsam zu feiern.

Ausfahrten und Feiern

Die Ortsgruppe Beucha der Volkssolidarität organisiert jährlich mehrere Ausfahrten und Feiern. Vor allem trifft der Verein damit den Nerv der älteren Generation. Günter Vogel (76) aus Beucha leitet die Ortsgruppe schon über zehn Jahre. Im Januar wurde er beim Neujahrsempfang in Brandis mit der Ehrennadel der Stadt für sein soziales Engagement geehrt. Ob Gartenfest oder Fasching: Die Veranstaltungen sind bei den Gästen beliebt. Für Günter Vogel ist Engagement wichtig: „Als ich angefangen habe, wollte ich meine neugewonnene freie Zeit als Rentner sinnvoll gestalten. Ich bin gern unter Leuten, das hat sich einfach angeboten“, sagt der 76-Jährige. Mit Komiteemütze und Glitzerfliege ist der Leiter der Ortsgruppe nicht der Einzige mit typischer Faschingsverkleidung. Fast alle Gäste tragen passende Hüte und Outfits. Der Rentner wirkt leicht aufgeregt, in ein paar Minuten beginnt das Programm.

Für seine Gruppe setzt sich der engagierte Beuchaer gern ein, doch die sinkenden Mitgliederzahlen machen auch ihm zu schaffen. „Früher waren wir mal 130 Leute bei derartigen Veranstaltungen. Es werden immer weniger. Mittlerweile sind wir nicht einmal mehr die Hälfte“, bedauert er. Das Problem, neue und jüngere Mitglieder zu finden, betrifft viele Vereine – gerade in ländlichen Regionen. „Das Durchschnittsalter unserer Mitglieder liegt bei über 80 Jahren – unser ältestes Mitglied ist 98 Jahre.“ Doch der Beuchaer gibt sein Bestes. Ab und zu traut er sich und spricht ein paar Menschen an und macht auf die Ortsgruppe aufmerksam. Charlotte Lehmann (84) ist seit 17 Jahren dabei und über den Mitgliederschwund ähnlich enttäuscht: „Es werden krankheitsbedingt immer weniger Leute. Vielleicht sollte das Angebot für die jüngere Generation ausgebaut werden“, schlägt sie vor.

Unterhaltung und Geselligkeit

Für die kommenden Monate haben Günter Vogel und seine Unterstützer schon einiges geplant. Im April wird ein Künstler sein Programm in sächsischer Mundart vorstellen. Ab und zu wird es Tanztreffen geben. „Wir bemühen uns jedoch darum, dass auch andere Veranstaltungen geboten werden. Die Füße machen leider nicht mehr ganz so mit, wie wir es gerne hätten“, sagt Günter Vogel und lacht. Neben den Veranstaltungen in Beucha geht es jeden Monat in ein Wellnessbad nach Bad Schlema im Erzgebirge. Jutta Ludwig (78) aus Beucha besucht seit einem knappen Jahr die Treffen der Ortsgruppe. Sie schätzt die Unterhaltungen und die gesellige Stimmung. „Im Wellnessbad war ich auch schon einmal mit. Das hat mir gut gefallen. Auf dem Rückweg gibt es immer Kaffee und Kuchen“, erinnert sich die 78-Jährige.

Fasching der Ortsgruppe Beucha – da darf es auch mal ein kleiner Hut sein. Quelle: Maria Sandig

Der Höhepunkt eines jeden Jahres ist für den Ortsgruppenleiter Günter Vogel die Weihnachtsfeier: „Da passt einfach alles. Die besinnliche Stimmung, die Geschenke, kleine Überraschungen. Das gefällt mir sehr“, gibt er zu. Für den Beuchaer ist es wichtig, dass die Menschen aus dem Ort Spaß haben und die Möglichkeit bekommen, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Die Besucher sollen auf andere Gedanken kommen. „Unsere Mitglieder sind überwiegend weiblich, zum Teil auch alleinstehend. Sie nutzen unsere Veranstaltungen, um sich vom Alltag abzulenken und auch mal etwas anderes zu sehen“, erklärt er. Der Rentner legt viel Wert auf die gegenseitige Anteilnahme, diese komme oft zu kurz. Einsamkeit im Alter sei ein großes Problem, das angepackt werden müsse. „Auch für mich ist die Gesellschaft wertvoll, ich profitiere davon. Im eigenen Saft schmoren sollten wir nicht“, sagt er schmunzelnd, als der Bauchredner mit seinem Programm beginnt.

Von Maria Sandig

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