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Wurzen Soll das Polymobil gegen Ringelnatzbilder getauscht werden? – Es gibt Für und Wider
Region Wurzen Soll das Polymobil gegen Ringelnatzbilder getauscht werden? – Es gibt Für und Wider
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00:21 13.11.2017
Quelle: Haig Latchinian
Wurzen

Soll das Polymobil – das wohl berühmteste Auto Wurzens – das Museum verlassen und im Tausch mehrerer Ringelnatzbilder in die Privatsammlung von Matthias Hühn übergeben? – daran scheiden sich die Geister. Das bestätigt auch eine kleine Umfrage der LVZ am Freitag. Das letzte Wort hat der Stadtrat am 6. Dezember.

Von einer positiven Gesamtentscheidung spricht Heinz Richerdt, SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat: „Der Deal ist ein Gewinn für die Stadt, ihre Bürger, das Museum und das Polymobil selber.“ Einerseits werde Wurzens Verbindung zu Ringelnatz gestärkt, das Museum könne durch die „nicht unbedeutenden Gemälde“ sein Profil schärfen. Andererseits, so hebt der Politiker weiter hervor, werde das beliebte, zurzeit aber unsanierte und defekte Fahrzeug fachgerecht restauriert und im Rahmen einer Ausstellung öffentlich zugänglich gemacht. „Die Schau wird ein Magnetpunkt.“ Richerdt ist zuversichtlich, dass der künftige Eigentümer Matthias Hühn das Polymobil zu gegebenen Anlässen in der Stadt zeigen und auf die Straße holen wird.

Gänzlich anderer Meinung ist Wulf Skaun. „Ein Museum darf nicht zu einer Tauschbörse verkommen“, findet der Autor des Buches „Lauter Leben – Geschichten aus dem Wurzener Land“. Das Kulturhistorische Museum müsse weiterhin einen Querschnitt abbilden und dürfe nicht verengt werden auf einen Ringelnatz, der gerade einmal drei Jahre in der Stadt gelebt hat. „Das Polymobil war stets eine der Attraktionen im Museum“, sagt Skaun, habe Auswärtige in die Stadt gelockt und gezeigt, dass Wurzen über eine großartige mittelständische Industrie verfügte und verfügt. „Ein so seltenes Exponat sollte kommunales Eigentum bleiben“, so der Buchautor, „damit es jederzeit für alle Interessierten einsehbar ist.“

Heimatforscher Rudolf Priemer, jahrelang Museumsleiter in Wurzen, findet den Tausch wiederum „nicht schlecht“. Das Polymobil sei ein interessantes Phänomen, sagt er, passe aber nur schwerlich in das städtische Profil. Er weist darauf hin, dass der Oldtimer seit 1969 nicht mehr gefahren ist und seitdem ein Schattendasein geführt habe. „Das Polymobil ist ein Fremdkörper in der Stadt“, meint Priemer, der in Grimma wohnt, das Geschehen in Wurzen aber mit Interesse verfolgt. Stadträtin Hannelore Dietzschold (CDU) freut sich, dass durch den Tausch die Wurzener Ringelnatz-Ausstellung sehr aufgewertet werden würde – „nicht zuletzt gegenüber den Cuxhavenern“. Auch betrachtet sie ihn ausdrücklich als Wertschätzung für die Arbeit des örtlichen Ringelnatzvereins und seiner Vorsitzenden Viola Heß. Zugleich plädiert Dietzschold dafür, dass das Polymobil Wurzen nach dem Ableben von Matthias Hühn erhalten bleibe. „Man müsste in einem Vertrag regeln, dass es nicht weiter verkauft werden darf.“

In unserer TED-Umfrage stimmte eine klare Mehrheit gegen den Verkauf – beim Online-Voting ist der Trend dagegen genau anders herum.

Von Matthias Klöppel

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