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Wurzen Sonnige Idee: Brandis will auch mit Solarbaum ein Vorreiter sein
Region Wurzen Sonnige Idee: Brandis will auch mit Solarbaum ein Vorreiter sein
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09:00 26.06.2016
So könnte der Brandiser Solarbaum aussehen. Dieses Exempar steht in der kanadischen Stadt London, Provinz Ontario. Es hat eine Leistung von 8,6 Kilowatt und entlastet die Umwelt von zehn Tonnen Kohlendioxid im Jahr, die bei einer herkömllichen Energieproduktion anfallen würden.
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Brandis

Nicht viele Orte können von sich behaupten, Erwähnung in einem Baedeker-Reiseführer zu finden. Brandis hat es geschafft: Dank des einst weltgrößten Solarparks, der sich über eine Fläche von mehr als 200 Fußballfeldern erstreckt, wurde der Ort in den Reiseführer „Deutschland – erneuerbare Energien entdecken“ aufgenommen. Es sind nicht Berge, Seen und Burgen, von denen der Autor schwärmt. Fachjournalist Martin Frey rät in seinem besonderen Reiseatlas vielmehr dazu, sich landauf, landab von ökologischen Vorzeigeobjekten zu überzeugen. Neben Cafés mit Sonnenkollektoren und Hotels mit Windrädern, solarbetriebenen Booten im Berliner Regierungsviertel sowie Sonnen-Carports hat es auch die Brandiser Unternehmung in das Öko-Kompendium geschafft. Dass die Stadt als sächsisches Miami gilt, ist vor allem den Aktivitäten des Projektentwicklers Juwi und dem Engagement der Stadtväter zu verdanken.

Die Firma Juwi zapft seit mehreren Jahren auf dem ehemaligen Flugplatz Brandis-Waldpolenz die Sonne an. Eine Solaranlage mit einer Leistung von 52 Megawatt wurde installiert – bei ihrer Eröffnung galt sie als größte weltweit. Wo früher russische Jagdflugzeuge gestartet waren, hob der Branchenführer aus Hessen zum Höhenflug ab. Bei dem ehemaligen Militärflughafen handelte es sich zeitweise um die bekannteste Baustelle der Region. Das Prädikat vom damals größten Solarkraftwerk der Welt zog Journalisten in Scharen an. BBC, Euro-News, France II... – zig Fernsehstationen waren da. Selbst Schauspieler-Legende Larry Hagman („Dallas“) schlenderte an den Solarmodulen entlang. Über mehrere Kilometer reihen sich Stahlskelette aneinander, schwarz glänzende Module fangen die Kraft der Sonne ein. Bei Besichtigungen für Besucher galten anfangs Busfahrten als probates Mittel, die Dimension der Anlage zu erfassen.

Auch eine Biogasanlage, die direkt ins Erdgasnetz einspeist und die in der Region ihresgleichen sucht, wurde von dem rheinland-pfälzischen Unternehmen in unmittelbarer Nachbarschaft errichtet. Wo früher alte Militärbauten standen und der Boden mit Kerosin verseucht war, wuchsen riesige Fermenter in die Höhe, in denen Bakterien inzwischen ganze Arbeit leisten. Juwi eröffnete sogar eine Niederlassung am Rande der ehemaligen Rollbahn – zu einer Zeit, als das Unternehmen noch von Rekord zu Rekord eilte, die Umsätze in schwindelerregende Höhen stiegen und Brandis als Speerspitze für die Expansion in den neuen Bundesländern ausgebaut werden sollte.

Mit Gesetzesänderungen schlitterte dann aber auch Juwi in die Krise. Der Aufschwung wurde jäh ausgebremst. Arbeitsplatzabbau, Umstrukturierungen und eine Konzentration aufs Kerngeschäft, wie es branchenüblich hieß, waren die Folge. Juwi-Gründer Matthias Willenbacher, selbst mehrfach in Brandis vor Ort, veranlasste das damals sogar, unter die Buchautoren zu gehen. Sein Werk „Ein unmoralisches Angebot“ richtete sich an die Bundeskanzlerin. Schafft es Angela Merkel, die Stromversorgung bis zum Jahr 2020 komplett auf erneuerbare Energien umzustellen, wollte Willenbacher seine Unternehmensanteile verschenken. Damals wurde der Wert der in Aussicht gestellten Summe auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Profitieren sollten Energiegenossenschaften, in denen Bürger gemeinsam Wind- oder Solaranlagen betreiben. Von einigen Kritikern als PR-Gag abgetan, unterstellten andere dem früheren Juwi-Eigner durchaus ernste Absichten.

Die Firma Juwi knüpfte ihr Schicksal an das Gelingen der Energiewende. Um so härter war das Unternehmen davon betroffen, dass sich die politische Großwetterlage ab 2012 änderte. Inzwischen würde es Willenbacher schwerfallen, seine Zusage gegenüber der Kanzlerin einzulösen. Denn der Verfechter der Energiewende wurde mächtig gebeutelt. Partner mussten ins Boot geholt werden, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen.

Um Türen in Richtung 100 Prozent Erneuerbare Energien aufzustoßen, hatte Juwi immer auch ein gutes Verhältnis zur Politik gepflegt. Ein Umstand, der insbesondere Willenbacher zwischenzeitlich zum Verhängnis wurde. Bei seinem steilen Höhenflug kam dem eloquenten Unternehmer ein Ermittlungsverfahren in die Quere. Willenbacher wurde angeklagt, den früheren Thüringer Innenminister Christian Köckert (CDU) bestochen zu haben. Der Solarpionier, der stets seine Unschuld beteuerte, kam aus den Negativschlagzeilen lange nicht heraus. Während Köckert höchstrichterlich verurteilt wurde, ging die Sache für Willenbacher gut aus. Nach 50 Monaten Nervenkrieg folgte die Rehabilitierung. Vorm selben Gericht, das schon gegen Köckert verhandelt hatte, kam es zum Befreiungsschlag für den Investor: Der prominente Angeklagte wurde freigesprochen. Mangels Beweisen. Seine Anwälte hatten nie einen Zweifel daran gelassen, dass sich ihr Mandant jederzeit korrekt verhalten habe. Köckerts Weste hingegen bleibt befleckt: Der ehemalige Thüringer Spitzenpolitiker bekam für seine Türöffnerdienste 15 Monate auf Bewährung und 200 Stunden gemeinnützige Arbeit aufgebrummt. Die Windräder, um die es bei der Auseinandersetzung ging, wurden übrigens bis heute nicht gebaut. Auch in Brandis reiften nicht alle Blütenträume. Ein hochmodernes Power-to-Gas-Kraftwerk, auf das die Stadtväter noch spekuliert hatten, blieb ein Wunschtraum.

Dafür gibt es jetzt einen aktuellen Vorstoß, auf dem Marktplatz der aufstrebenden Kleinstadt einen Solarbaum sprießen zu lassen. „Zumindest ist das eine Idee, die jetzt im Ortschaftsrat aufkam“, berichtet Alexander Busch, der für die CDU in dem Gremium sitzt. Das bewegliche Mini-Kraftwerk in Form eines Baumes wäre ein echter Hingucker. „Die stählernen Blütenblätter wären mit Solarmodulen bestückt und würden sich jedenfalls nach der Sonne ausrichten. So eine Anlage kann auch als Ladestation für Elektorautos und E-Bikes dienen“, schwärmt Busch. „Auch sein Smartphone könnte man aufladen.“ In Deutschland haben Solarbäume noch Seltenheitswert. „Länder wie Kanada und Israel sind da wesentlich weiter.“

Noch ist nicht raus, ob das Projekt Wirklichkeit wird. „Vieles muss noch geklärt werden“, gibt Bürgermeister Arno Jesse (SPD) zu bedenken. Fakt ist: Mit diesem sonnigen Plätzchen würde Brandis erneut Vorreiter sein. Die Aussicht jedenfalls, kaffeeschlürfend im Schatten eines Solarbaums zu sitzen, ist

Ein Solarbaum in Kanada. Quelle: web

angesichts der aktuellen Temperaturen nicht die schlechteste.

Von Simone Prenzel

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