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Wurzen Sprechender Wach-Container schlägt Diebe in die Flucht
Region Wurzen Sprechender Wach-Container schlägt Diebe in die Flucht
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Viele Einsatzmöglichkeiten: Der stille Wachmann kann Baustellen, Lagerplätze, Solarparks oder Pferdekoppeln im Auge behalten. Quelle: Wellner Kommunikation/Automatisierung GmbH
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Machern/Gerichtshain

Von außen sieht man dem blauen Metallgehäuse sein Können auch nicht an. Im Innern des Quaders versteckt sich allerdings jede Menge hochsensible Technik. "Herzstück", erläutert der 45-jährige Firmenchef, "ist eine selbstentwickelte Sensoreinheit. Diese befindet sich drei Meter über der Box und ist über ein Gestänge mit dem Container verbunden. In der Standardausführung arbeiten vier Bewegungsmelder, vier Infrarot-Scheinwerfer, zwei Lautsprecher und eine Highspeed-Dome-Kamera Hand in Hand."

Entwicklungsingenieur Tobias Röder (r.) und Geschäftsführer Jörg Wellner an ihrer Neuentwicklung: einem mobilen Container mit Sprecheinrichtung, der Diebe auf Distanz hält. Quelle: Thomas Kube

Selbst wenn die Sicht schlecht ist, entgeht dem unauffälligen Wächter nichts. Das Besondere beim Videocontainer made in Gerichshain: Er zeichnet Vorfälle nicht nur auf, sondern schlägt Diebe schon bei ihrem Beutezug in die Flucht. Erfassen die Sensoren verdächtige Gestalten, kann ein Wachschutz, auf den der Alarm aufgeschaltet ist, die Diebe direkt ansprechen. Die verdutzten Gesichter kann man sich vorstellen. Langfinger, die sich auf abgelegenen Baustellen unbeobachtet fühlen, werden wie aus dem Nichts aufgefordert, ihre Finger von der Beute zu lassen. "Die Ansprache verfehlt ihr Ziel nicht", weiß Wellner aus Praxistests. Diebe, die sich ertappt fühlen, verlassen in der Regel schnurstracks den Ereignisort. "Die Box hat mittlerweile zahlreiche Bewährungsproben bestanden", berichtet der Firmenchef. Professionelle Sicherheitsdienste greifen gern auf das unauffällige Equipment zurück. "Schließlich kostet ein Wachmann 5000 bis 8000 Euro im Monat. Durch unsere Technik lassen sich die Personalkosten deutlich senken."

Dafür, dass der Überwachungseinheit nicht der Saft ausgeht, sorgt ein Mix aus Hochleistungs-Akkus, Solarpanells und einer Brennstoffzelle. Denn der Container funktioniert komplett ohne externe Stromversorgung, weshalb man auch nicht meterweise Kabel ziehen muss. Die Sonne liefert die nötige Energie, um das System ein Jahr lang autark zu betreiben.

Die Einsatzmöglichkeiten für den Videocontainer seien vielfältig, sieht der Geschäftsführer durchaus auch internationale Vermarktungschancen. "Das ist interessant für Konzerne, die Großbaustellen überwachen müssen, oder auch für Firmen in abgelegenen Gewerbegebieten. Aktuell wird gerade ein im Bau befindliches Umspannwerk an der deutsch-holländischen Grenze von gleichzeitig vier Wellner-Boxen im Auge behalten." Auch für die Kontrolle von Park-und Lagerplätzen, Recyclinghöfen, Solar- und Windparks komme die Technik in Betracht. Wertvolle Nutzflächen oder Tierkoppeln mit edlen Pferden ließen sich ebenso kontrollieren.

Sieht alles: Bestückt ist der Container mit Infrarot-Scheinwerfern, Bewegungsmeldern, Lautsprechern und einer Highspeed-Dome-Kamera. Quelle: Wellner Kommunikation/Automatisierung GmbH

Der Vorteil für die Kunden ist auch ein zeitlicher: Wenn nichts wegkommt, müssen die Chefs auch kein neues Material ordern, nervige Lieferzeiten in Kauf nehmen und möglicherweise den vertraglich fixierten Übergabetermin eines wichtigen Projektes riskieren. Gut einsetzbar ist die blaue Box aber auch für temporäre Anlässe. Bei den Feldtagen in Bernburg wurde teure Agrartechnik, zum Beispiel Drohnen und Roboter, überwacht. Beim Landesturnfest 2014 in Bad Düben ließ der Veranstalter nachts das verwaiste Gelände observieren. Dass keine teuren Jagdflinten und Angelausrüstung abhanden kommen, behielt die Wellner-Box bei einer Messe auf dem Agra-Gelände im Auge.

Auch staatliche Ordnungshüter zeigen Interesse. "Mit unserer Entwicklung waren wir auf der General Police Equipment Exhibition, einer Spezialmesse für die Ausrüstung staatlicher Sicherheitsorgane in Leipzig. Für bestimmte Aufgaben, das haben Gespräche mit Vertretern von Kriminal- und Landespolizei gezeigt, kann unser Container eingesetzt werden." So wurde der stille Wachmann beim Tag der Sachsen auf der Blaulichtmeile gezeigt.

Von Simone Prenzel

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