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Staatskanzleichef Fritz Jaeckel zu Besuch in Machern

Wirtschaftsförderungsverein Staatskanzleichef Fritz Jaeckel zu Besuch in Machern

Das Warten hat sich gelohnt. Obwohl sich Staatskanzleichef Fritz Jaeckel (CDU) anderthalb Stunden verspätete, harrten die Gäste des Wirtschaftsförderungsvereins Machern am Mittwoch Abend geduldig aus und erlebten eine intensive, aber auch nachdenkliche Diskussion über aktuelle Herausforderungen sächsischer Landespolitik.

Fritz Jaeckel (2.v.r.) bei einem früheren Pressetermin.

Quelle: Sven Bartsch (Archiv)

Machern. Der Mangel an Fachkräften, die ausufernde Regelungswut und das schlechte Image von Sachsen im Ausland waren Schwerpunkte der Diskussion mit Staatskanzleichef Fritz Jaeckel (CDU) am Mittwochabend im Schloss Machern. Auf Einladung des Wirtschaftsförderungsvereins sprach der Staatsminister vor rund 30 regionalen Vertretern aus Wirtschaft und Politik über aktuelle Herausforderungen der Landespolitik. Jaeckel kam direkt aus dem Bundeskanzleramt, wo es um die Vorbereitung des Treffens der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ging. Obwohl er sich anderthalb Stunden verspätete, harrten alle Zuhörer geduldig aus.

Denn es war nicht der übliche Politiker-Sprech, der geboten wurde. Ihm sei wichtig, einen ungefilterten Eindruck aus der Region mit an den Kabinettstisch zu nehmen, so Jaeckel. Vor allem das Thema Ausbildung brannte den Gästen auf den Nägeln. Bewährte Abläufe würden den Harmonisierungsbestrebungen der EU geopfert. Harsche Kritik wurde an den Bachelor-Studiengängen geübt. „Das ist doch nichts anderes als ein zertifizierter Studienabbruch, bekomme ich oft in unseren Mitgliedsfirmen zu hören“, redete Volker Lux, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig, Klartext. „Es gibt Bachelorabschlüsse, die braucht kein Mensch.“ Dennoch würden junge Menschen in dem Glauben gelassen, damit eine berufliche Laufbahn beginnen zu können. Jaeckel teilte den Eindruck, dass hier einiges schief läuft: „Wenn ich Bewerbungen auf den Tisch bekomme, frage ich mich auch oft, was sagen die Abschlüsse eigentlich über die Kompetenzen des Kandidaten aus?“ Allerdings könne die Regierung den Rektoren nicht vorschreiben, was zu lehren ist. Konsens in der Koalition sei es aber zum Beispiel, die Fachhochschulen und die Berufsakademie zu stärken. Davon verspreche man sich mehr Personal für die vielen Mittelständler und auch eine geringere Abbrecherquote. Sachsen, so Jaeckels Beschreibung, sei ein attraktiver Standort. Er selbst vermittelte gerade die Bitte einer Münchner Firma, die einen Wechsel nach Sachsen plant. „Hier gibt es attraktive Gewerbeimmobilien und Softwareingenieure ohne utopische Gehaltsvorstellungen, anders als in Bayern.“ Sachsen müsse auch stärker von der Brückenposition zwischen Ost und West profitieren.

Für den Ruf Sachsens im Ausland müsse die Staatsregierung ihrerseits aber auch dringend mehr tun. „Hier ist viel Schaden durch Pegida entstanden“, beklagte Eberhard Lüderitz, Chef der World Ressources Company in Wurzen. „Wir sind ein international agierendes Unternehmen, und die Mitarbeiter aus anderen Niederlassungen fragen mich inzwischen, ob es in Sachsen noch sicher ist“, schilderte Lüderitz. Auch Moderator Johannes Ditges sprach davon, dass Sachsen bei internationalen Fachkräften inzwischen als No-Go-Area gelte. Jaeckel verhehlte nicht, dass die islamkritischen Demonstrationen dem Ansehen des Freistaates schaden. „Teilweise haben sich die Medien aber auch auf Sachsen eingeschossen und unsere Bestrebungen, zum Beispiel die jüngste Demokratiekonferenz in Dresden, werden medial gar nicht wahrgenommen.“

Die überbordende Regelungswut war ein weiteres Ärgernis, das zum Beispiel der Macherner Unternehmer Tilo Pechan ansprach: „Wir kommen vor lauter Listenausfüllen gar nicht mehr zum Arbeiten.“ Selbst Bäcker stöhnen unter den Statistik-Pflichten. „Wir müssen regelmäßig melden, wie viele Kilowattstunden wir in der Backstube verbrauchen“, bestätigte der Macherner Konditor Detlef Keller. „Und mehrere Wochen später ruft dann sogar eine Dame aus Kamenz bei mir an, dass die Zahl, die ich eingetragen habe, nicht stimmen kann.“ Jaeckel konnte nicht anders, als über derlei überflüssige Erhebungen auch nur den Kopf zu schütteln. Er selbst ficht gerade eine Fehde mit seinem Schornsteinfegermeister aus. In diesem Streit ist der Chef der Staatskanzlei auch nur ein kleiner Bürger, der unter der deutschen Regelungswut leidet.

Von Simone Prenzel

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