Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Stadt Brandis lehnt Tonabbau weiter ab
Region Wurzen Stadt Brandis lehnt Tonabbau weiter ab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:38 03.05.2017
Suedlich des Zeititzer Weges will die Tonwerk Brandis GmbH Quelle: Andreas Doering
Anzeige
Brandis

Nach Aussetzen des Raumordnungsverfahrens zum Tontagebau Brandis Nordfeld im Oktober 2016 hat sich der Antragsteller zu den bisher vorgebrachten Bedenken der Raumordnungsbehörde geäußert. Die Stadt Brandis wurde deshalb erneut zu einer Stellungnahme aufgefordert. Zur Erinnerung: Die Tonwerke Brandis GmbH beabsichtigt, südlich des Zeititzer Weges auf 28 Hektar vier Millionen Tonnen Ton abzubauen. Zur jüngsten Stadtratssitzung, zu der die Besucherstühle trotz des brisanten Themas weitgehend leer geblieben waren, informierte die Verwaltung zum Sachstand.

Der neue Antrag der Tonwerke sei mit sechs Seiten Umfang äußerst dürftig, kritisierte der von der Stadt hinzugezogene Landschaftsplaner Bernd Knoblich. „Dem Schreiben liegen keine neuen oder überarbeiteten Unterlagen bei, die die bisherigen qualifiziert hätten“, bestätigte Bürgermeister Arno Jesse (SPD). So fehlten beispielsweise nach wie vor Studien, die die Auswirkungen auf das Grundwasser untersuchen. „Es ergibt sich demnach kein neuer Erkenntnisstand, so dass der Antrag weiterhin abzulehnen ist“, bleibt Jesse dabei und ergänzte: „Wir stehen dem Vorhaben weiter äußerst kritisch gegenüber, da die Beeinträchtigungen für die Bevölkerung und von Boden, Natur und Landschaft als Voraussetzung für gesunde Wohn- und Lebensverhältnisse den wirtschaftlichen Nutzen eines einzelnen Unternehmens mit nur sechs Arbeitsplätzen bei Weitem überwiegen.“

Der Vorhabenträger argumentiere beispielsweise, dass der Tonabbau durch den Regionalplan (RP) gebilligt werde. „Dabei wird verkannt, dass die Rohstoffgewinnung gemäß Ziel 7.3 des RP so erfolgen soll, dass Eingriffe in Natur und Landschaft so gering wie möglich gehalten werden.“ Würde dem entsprochen,„müsste auf das Abbaufeld südlich der Waldstraße verzichtet werden, da hier wertvolle Biotope beseitigt werden und das Quellgebiet des Todgrabens vollständig künstlich verändert wird. Auch die geplante Grundwasserabsenkung in direkter Nachbarschaft zu gewachsenen Waldbeständen, die wegen ihres Wertes als europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen sind, berücksichtigt gerade nicht diesen Punkt“, betonte der Bürgermeister. Teilweise, so Knoblich, habe die Argumentation im Antrag sogar absurde Züge, „so wenn behauptet wird, die Verkippung schütze das Grundwasser“.

Ein zweites Beispiel: Die mit Transporten verbundene Belastung der Bevölkerung und des Straßennetzes soll durch Minimierung von Ortsdurchfahrten und Einsatz umweltschonender Transportmittel so gering wie möglich gehalten werden. „Auch dieses Thema ist planerisch nicht beachtet worden“, so Jesse. „Insbesondere die Transporte Richtung Westen führen vollständig durch die Stadt mit der daraus resultierenden erheblichen Belastung von Bevölkerung und Straßennetz.“ In Verbindung mit den aus Stadtsicht „widersprüchlichen beziehungsweise falschen Angaben“ zu Transporten sowie fehlenden Untersuchungen zur Eignung der Straßen und zu Lärm- und Staubbelastung liege auch hier ein Widerspruch zur RP vor. Das Fazit ist eindeutig: „Die Stadt lehnt die Erweiterung des Tontagebaus anhand der Unterlagen weiter ab. Das Schreiben des Vorhabenträgers führt aus unserer Sicht keinesfalls zur Klarstellung aufgeworfener Fragen, sondern wirft zusätzliche auf“, resümierte Jesse.

Die Stadträte sahen das ähnlich und legten Vorschläge auf den Tisch, wie den Absichten der Tonwerke Einhalt geboten werden könnte. Alexander Busch (CDU) erinnerte daran, dass die Bürger in der ersten Phase des Verfahrens sehr aktiv waren – über 400 Einwendungen gingen bei der Landesdirektion (LD) ein. „In solchen Fragen ist Öffentlichkeit sehr hilfreich“, bestätigte Knoblich, „auch Naturschutzverbände müssten sich darauf stürzen.“ Allerdings sei eine erneute Bürgerbeteiligung nicht angedacht, so die Fachbereichsleiterin Bau, Kerstin Quandt, laut LD seien nur die Träger öffentlicher Belange um Stellungnahme gebeten. Während Stadtrat Alexander Schmidt (Bündnis 90/Grüne) aus der Gefährdung von Biotopen und Grundwasser ein „gutes Klagerecht“ ableitete, sah Frank Mieszkalski (SPD) „die einzige Chance der Stadt darin, nachzuweisen, dass der Tonabbau in unsere Planungshoheit eingreift“. Das sei nur mit einer qualifizierten Bauplanung möglich, die zum Beispiel auf eine Erweiterung des Friedhofes abzielt oder eine Aktivierung der Waldstraße bis nach Waldpolenz. „Oder Umweltschützer und Kreis müssten sagen, wir wollen ein Landschaftsschutzgebiet, das Polenz- und Planitzwald verbindet.“

Von Ines Alekowa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Fichte, in der Forstwirtschaft auch als Brotbaum bezeichnet, ist der Baum des Jahres 2017. Einer Tradition folgend wurde er jetzt im Stadtwald Wurzen gepflanzt.

03.05.2017

Neue Konzepte für den Erhalt der Kulturlandschaft in der Parthenaue werden mit dem Forschungsvorhaben Stadt-Parthe-Land angestrebt. Die Projektpartner wollen ihr Anliegen jetzt offensiver kommunizieren. In diesem Jahr sind dazu vier Parthelandküchen geplant.

16.05.2017

Rund vier Millionen Euro stehen für die Förderung von Kita-Investitionen im Landkreis Leipzig bis zum Jahr 2020 zur Verfügung. Auf Grund der begrenzten Mittel müssen Prioritäten gesetzt werden.

06.05.2017
Anzeige