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Stasi-Ausstellung in Brandis: Bespitzeln im Namen der Sicherheit

Stasi-Ausstellung in Brandis: Bespitzeln im Namen der Sicherheit

Jeder Bürger ist ein potenzielles Sicherheitsrisiko/ Um sicher zu gehen, muss man alles wissen/ Sicherheit geht vor - Auszüge aus Unterlagen der einstigen DDR-Staatssicherheit verdeutlichen deren ideologisch verengtes Menschenbild.

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Gut besucht: Am ersten Ausstellungstag besichtigten zahlreiche Gäste die Schau über die Stasi-Vergangenheit in Brandis.

Quelle: Andreas Röse

Brandis. Was nicht dem sozialistischen Idealbild entsprach, schien verdächtig. Mit Dokumenten, Fotos, Akten und Exponaten erinnert die Ausstellung "Freiheit für meine Akte" an die politische Strafverfolgung, die Methoden, Arbeitsweise und Spionagetechnik der Stasi. Die Schau wird seit Montag im Brandiser Rathausfoyer gezeigt.

"Wenn man sich die Akten heute anschaut, lächelt man fast darüber, welche Banalitäten die Stasi angehäuft hat", sagt Besucherin Ina Exner aus Brandis. "Doch dann gefriert die innere Heiterkeit, wenn man sieht, wie man damit jemandem schaden konnte." Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) versuchte aus allen Lebensbereichen Informationen zu sammeln.

Die "Spitzelbehörde" überwachte Millionen von Bürgern, hörte Telefonate ab, machte geheime Filmaufnahmen und durchsuchte Wohnungen. Allein in der für Brandis und Umgebung zuständigen MfS-Kreisdienststelle in Wurzen sind 66 laufende Meter Akten überliefert. "Seit 1992 haben 700 Brandiser bereits einen Antrag auf Akteneinsicht gestellt", berichtet Regina Schild von der Leipziger Stasi-Unterlagenbehörde. "Mit der Schau wollen wir zum Nachdenken anregen und zeigen, wie wichtig es ist, sich einzumischen, aber auch unsere Arbeit vorstellen", sagt sie.

Die Wanderausstellung war bereits 2009 in Wurzen zu sehen. Die rund 30 Schautafeln wurden durch eine weitere ergänzt, die nun die Vorgänge in der Brandiser Region beleuchtet. So unterhielt das MfS in der Stadt unter anderem mehrere "konspirative Wohnungen", die für Treffen mit informellen Mitarbeitern dienten. Zum Einsatzgebiet der Staatssicherheit gehörte zudem der Flugplatz der sowjetischen Streitkräfte in Brandis. In Beucha war die Außenstelle des Instituts für technische Untersuchung Berlin mit rund 200 Mitarbeitern dem MfS unterstellt, obwohl der Großteil der Belegschaft nicht dem Ministerium angehörte.

"Es ist gut, dass so etwas veröffentlicht und nicht totgeschwiegen wird", sagt Joachim Kühnel, der die Schau gestern besuchte. Die Staatssicherheit sei ein schwieriges Thema, meint Bürgermeister Arno Jesse (SPD). "Ich selbst komme aus Westdeutschland und habe vieles so nicht miterlebt. Doch es ist erschreckend, welche perfiden Methoden die Stasi angewendet hat", so Jesse. "24 Jahre liegt die friedliche Revolution mittlerweile zurück. Viele Menschen waren damals involviert, vieles wird nun auch Geschichte und vergessen. Doch es gibt noch immer Aufklärungsbedarf", mahnt er an. Die Schau ist noch bis zum 8. Dezember geöffnet.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.11.2013
Benjamin Winkler

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