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Wurzen Stilles Örtchen, lauter Probleme – auch im Landkreis Leipzig
Region Wurzen Stilles Örtchen, lauter Probleme – auch im Landkreis Leipzig
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08:13 19.11.2015
Ein Herz fürs stille Örtchen: 2013 erklärten die Vereinten Nationen den 19. November zum Welttoiletten-Tag. Quelle: Thomas Kube
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Leipzig

Toilette, Klosett, WC – auf sie werden Lieder gesungen. Es gibt Gedichte übers Klo. Es sind die lyrischen Ausnahmen. Im Allgemeinen wird der Toilette wenig Prosa zuteil. Sie ist der selbstverständlichste Ort, den man sich vorstellen kann und man widmet ihr nur dann gesteigerte Aufmerksamkeit, wenn sie sich im (dringenden) Bedarfsfall gerade nicht in der Nähe befindet. Die Toilette leidet – nicht nur unter einem hohen Druck. Ihr Image ist sozusagen im Arsch. Das erkannte auch die Generalversammlung der Vereinten Nationen, die sich am 24. Juli 2013 nach einem Vorschlag Singapurs einstimmig darauf verständigte, den 19. November zum Welttoiletten-Tag zu erklären.

Der Hintergrund ist ein ernster: Das Fehlen ausreichend hygienischer Sanitäreinrichtungen für mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung und dadurch bedingt verschmutztes Wasser sowie dafür ursächliche Krankheiten. Hierzulande haben die Abwasseranlagen einen technisch hohen Standard. Aber Probleme gibt es auch: Das Klo immer öfter als Mülleimer genutzt. Oftmals aus purer Bequemlichkeit. Aber mit verheerender Wirkung. Die Reste des Sonntagsbratens, Soßen, Suppen, die übrig gebliebenen Kartoffeln oder auch Mullbinden, Feuchttücher, Mikrofaserlappen – „drauf geschissen…“ es landet alles in der Kanalisation.

Bei den Kleinsten der Kita Zwergenland in Grimma-West Amelie, Erik, Ben und Leandra (v.l.) ist niemals besetzt. Quelle: Thomas Kube

Beim Betrieb der Abwasseranlagen bereitet das immer größere Probleme. Der Aufwand steigt – was sich am Ende auch auf die Preise auswirken kann, die etwa der Kunde des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain (VVGG) für sein Abwasser zahlt. „Speisereste“, sagt Detlef Bull, Bereichsleiter Trink- und Abwasser bei der Oewa in Grimma, „sind unser größtes Problem.“ Gerade in Neubaugebieten, wo es eine höhere Bevölkerungsdichte gibt und entsprechend mehr Abfall entsteht. „Wer Speisereste jeglicher Art über die Toilette entsorgt, füttert die Ratten in der Kanalisation und sorgt dafür, dass sich die Tiere rasant vermehren“, so Bull. Kartoffeln, Zwiebeln, Suppen – es wird fast alles über die Toilette entsorgt.

Ein großes Problem bei der Abwasserentsorgung stellen mittlerweile Feuchttücher dar. Die scheinen aus Sicht der Oewa bei den Bürgern immer beliebter zu werden. „Die Dinger zerreißen einfach nicht“, beklagt Bull (und könnte damit einen Grund für die Beliebtheit gefunden haben). Feuchttücher dürfen laut Verpackungshinweis sogar über die Toilette entsorgt werden – „was in Größenordnungen leider geschieht“, beklagt Bull. Dies bereite beim Betrieb der Abwasseranlagen enorme Schwierigkeiten. „Die Tücher lösen sich nicht auf. Sie wickeln sich um die Pumpenräder, die Pumpen fallen aus und das Abwasser kann nicht abgeleitet werden,“ schildert der Bereichsleiter. Der Aufwand, den Schaden zu beheben und die Pumpen wieder zum Laufen zu bringen, sei unverhältnismäßig. Die Pumpen müssten mit Spezialtechnik ausgebaut, von Hand gereinigt und wieder eingebaut werden. Deshalb wünschte er sich, dass  Feuchttücher – vor allem Mikrofasertücher – nicht einfach in die Toilette geworfen, sondern im Hausmüll entsorgt werden.

„Es gibt fast nichts, was es nicht schon gegeben hätte“, formuliert Detlef Bull augenzwinkernd. Die Toilette scheint für viele Menschen perfekt zu sein, ihren Müll loszuwerden. Sie sei der Mülleimer schlechthin – für Scheuerlappen, Hosen, Strumpfhosen und Kondome. Auch Hygieneartikel wie Damenbinden und Tampons landen oftmals in der Kanalisation und sorgen für Probleme, die vermeidbar wären. „Wir haben sogar schon Holzstücke in der Kanalisation gefunden und Bohrkerne.“ Egal wie die da hingekommen sind: „Man wundert sich einfach immer wieder“, so Detlef Bull.

Es muss ja nicht gleich ein Gedicht sein. Aber zur nächsten Sitzung am heutigen Welttoiletten-Tag sagen Sie doch mal was Nettes zu ihrem Klo. Oder drücken es mal…

Von Thomas Lieb

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