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Wurzen Straßen zu eng für Müllautos in Grimma und Wurzen
Region Wurzen Straßen zu eng für Müllautos in Grimma und Wurzen
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09:00 08.11.2018
Präzisionsarbeit, die nur mit einem Einweiser erlaubt ist: So eng wie in der Geithainer Röhrgasse geht es auch andernorts zu. Für Fahrer Mario Zenker und Einweiser Mike Willow bedeutet das höchste Konzentration. Quelle: Jens Paul Taubert
Grimma/Wurzen

Dass die Männer hinterm Steuer der dunkelgrünen Müllfahrzeuge ihr Handwerk verstehen, daran zweifelt Christoph Loeber nicht. Dass sie nicht durch jede Gasse kommen, ist für den Bereichsleiter der Kommunalentsorgung Leipziger Land (Kell) kein Widerspruch. Häufig sind es Autos, die die schmalen Durchfahrten unpassierbar machen.

Im Winter verschärfen oft Schneebarrieren an den Straßenrändern das Problem. An mehr als 350 Stellen im Landkreis Leipzig müssen die Müll-Laster zudem rückwärts rangieren, um an die Tonnen zu kommen. Um hier das Unfall-Risiko zu minimieren, werden zurzeit spezielle Handlungsanweisungen erarbeitet. Dutzende Straßen und ganze Siedlungen nicht mehr anzusteuern – ein Thema, das in Leipzig hohe Wellen schlägt –, ist bei der Kell nicht geplant.

Blick in die Spiegel und Blick zum Einweiser Mike Willow: Fahrer Mario Zenker setzt den Mülllaster in Geithain behutsam zurück. Quelle: Jens Paul Taubert

Der Fahrer entscheidet

„Die letzte Entscheidung trifft der Fahrer. Wenn er sagt, das ist mir zu heikel, dann ist das so“, meint Christoph Loeber. Gehe etwas schief, trage der Fahrer die Konsequenzen, ein Bußgeld zum Beispiel. 3,50 Meter Durchfahrt-Breite fordert die Berufsgenossenschaft. Bei einem 2,50 Meter breiten Müllauto blieben dann beidseits 50 Zentimeter. „Würden wir das konsequent durchsetzen, blieben in manchen Städten viele Tonnen stehen.“ In Grimma und Wurzen, Markkleeberg und Borna gebe es etliche Straßen, in denen es eng zugehe – verschärft durch Autos, die beiderseits und auch in den Kreuzungsbereichen abgestellt würden. Was Loeber besonders ärgert: „Auch in manchen neu gebauten Wohngebieten haben wir diese Probleme.“

Manche Passanten sind rücksichtslos

Der Pflicht zur Leerung der Tonnen stehen Regelwerke und eine steigende Zahl an tödlichen Unfällen in der Branche gegenüber. „Der Fahrer hat zwar sieben Spiegel, aber nur zwei Augen“, sagt Loeber. Den Verkehrsraum und das Kippen, das ein Kollege draußen vornimmt, zu überwachen, fordere höchste Aufmerksamkeit. Umso mehr, da mancher nicht bereit ist, ein paar Augenblicke zu warten. Radfahrer, die sich zwischen Müllauto und Hecke durchquetschen, Fußgänger, die hinter rückwärts manövrierenden Lastern auf die Straße treten, kennen Loeber und Kollegen zur Genüge. Schwerere Unfälle habe es im Landkreis glücklicherweise bisher nicht gegeben.

Abbiege-Assistenzen im Test

Keinesfalls neu sei die Forderung, Abbiege-Assistenten in die Fahrzeuge einzubauen, so der Bereichsleiter: „Die nächsten zwei Fahrzeuge, die wir jetzt ausschreiben, werden darüber verfügen.“ Kostenpunkt 2500 bis 5000 Euro pro Stück. Zwei Lkw werde man zudem probehalber nachrüsten, um zu testen, ob das praktikabel ist“.

Mehr Sicherheit bringen soll zudem eine Überprüfung sämtlicher Rückwärtsfahr-Strecken. Ein Einweiser sei ohnehin Pflicht, „aber es gibt einige wenige Stellen, wo wir das trotzdem nicht mehr zulassen können“, so Loeber. Die Röhrgasse in Geithain etwa steuere man seit 2017 nicht mehr auf ganzer Länge an. Die Tonnen würden ein paar Meter entfernt bereitgestellt. Das funktioniere. An ein paar anderen Orten – weniger als ein Dutzend im Landkreis – werde man wohl auch bald so verfahren. „Wir stimmen uns mit den Kommunen ab, aber wir finden nicht immer den nötigen Widerhall“ - etwa wenn man um temporäre Parkverbote am Leerungstag bitte.

Schnee und Eis verschärfen Probleme

Bei Schnee und Eis verstärke sich die Problemlage noch, meint Loeber. Auf dem Land sei das Verständnis höher, da würden Tonnen auch mal ein paar Meter nach vorn an eine größere Straße bugsiert. „Mit den Städten verständigen wir uns, wo neuralgische Stellen sind, sprechen Ausweich-Stellplätze ab.“

Verhindere der Winter einmal die Leerung, würden in den Tagen darauf auch mal Sonderschichten gefahren. Insgesamt sehe man sich bei der Kell gut gerüstet: 18 Lkw rollen, um Abfall und das Papier aus den blauen Tonnen einzusammeln. Zwei Fahrzeuge stehen in Reserve. „Im Winter sind die zusätzlich im Einsatz, um Spitzen abzudecken.“

Von Ekkehard Schulreich

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