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Wurzen Streit um Steinbruch Böhlitz geht weiter
Region Wurzen Streit um Steinbruch Böhlitz geht weiter
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10:00 29.11.2018
Günter Winkler ist Kopf der Bürgerinitiative Holzberg in Böhlitz und stellt den Laubfrosch als ein Sinnbild für eine intakte Natur dar, für die er bereit ist, sehr emotional zu kämpfen. Quelle: Frank Schmidt
Thallwitz/Böhlitz

Der Steinbruch am Holzberg in Böhlitz, Gemeinde Thallwitz, ist weiterhin in aller Munde. Das etwa drei Hektar große Areal wurde von der Erdbaufirma Kafril mit Sitz in Großzschepa Anfang des Jahres erworben, um es mit Abbruchmaterial aus der Baubranche zu verschütten. Dabei beruft sich die Firma auf eine gesetzliche Vorgabe, die in einem Sonderbetriebsplan das Verfüllen des stillgelegten Steinbruchs vorschreibt.

Dagegen aber legt eine neu formierte Bürgerinitiative (BI) im 700-Seelen-Dorf Böhlitz ihr Veto ein und wendet sich in einer Petition an den Ministerpräsidenten des Freistaates. Er möge helfen, das in den letzten Jahrzehnten entstandene Flachwasserbiotop zu retten, statt es mit einer „Überprägung“ zu vernichten.

//Petition Der Holzberg, ein Nachbar des Gaudlitzberges, ist in Gefahr mit Schutt und Abraum aufgefüllt zu werden! Neben...

Gepostet von bergfilmnacht.de am Donnerstag, 22. November 2018

Alpinisten wollen Kletterparadies erhalten

Um sich zum Für und Wider der Überprägung des Steinbruchs zu positionieren, luden Kafril und Günther Winkler als Kopf der BI in dieser Woche zu getrennten Informationsveranstaltungen ein. Um es vorwegzunehmen: Auf beiden Seiten herrscht ein grundsätzliches Verständnis für die jeweils gegenteilige Ansicht. Allerdings erhebt mit Alpinisten eine dritte Interessengruppe ihre Stimme.

Dieser vor Jahrzehnten geschlossen Steinbruch am Holzberg in Böhlitz soll verfüllt werden, was jetzt in der Kritik steht. Während sich eine Bürgerinitiative um die Flora und Fauna sorgt, muss der Eigentümer einer gesetzlichen Auflage nachkommen. Quelle: Frank Schmidt

„Ich möchte daran erinnern, dass es nicht nur das Bergrecht gibt, sondern auch das Naturschutzrecht. Demnach sind verschiedene Landschaftselemente zu erhalten, zum Beispiel auch Felsenbildungen“, sagte Matthias Ladusch vom Sächsischen Landesverband des Deutschen Alpenvereins (DAV). Deshalb auch bekräftigte Kafril-Geschäftsführer Jens Karnahl seine bereits gemachte Zusage, den Alpinisten ihr „Kletterparadies Holzberg“ auch künftig zuzugestehen.

Soll der Steinbruch in Böhlitz verfüllt werden?

Der Steinbruch am Holzberg in Böhlitz soll mit Abraum verfüllt werden. Eine Bürgerinitiative wehrt sich dagegen.

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Bürgerinitiative kritisiert mangelnde Transparenz

Unbeeindruckt davon weicht die BI von ihren Forderungen nicht ab. Mehr noch moniert sie eine mangelnde Transparenz. „Wann wären wir denn informiert worden, wenn wir uns nicht als BI gegründet hätten“, stellte Winkler sichtlich erregt die Frage in den Raum. Und mit dieser Art der Emotionen fiel er immer wieder durch Zwischenrufe auf, was nicht allen im Saal der „Königslinde“ gefiel und weshalb Winkler von Moderator Peter-Hugo Schulz mehrfach zur Sachlichkeit ermahnt wurde.

Kafril-Geschäftsführer Jens Karnahl (stehend) stellt sich den Fragen der Bürgerinitiative, muss aber feststellen, auf wenig Verständnis zu stoßen. Quelle: Frank Schmidt

Diese wieder hergestellt, wollte die BI wissen, ob Kafril den Steinbruch gekauft hätte, wenn von Beginn an klar gewesen wäre, dass eine Verfüllung nicht möglich wäre. „Definitiv nicht“, antwortete Firmenprokuristin Katrin Weist. Aber auch sie wollte sich die Butter nicht vom Brot nehmen lassen. „Natürlich sind wir ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das hier und nicht irgendwo im Westen fest verwurzelt ist.

Zudem beweisen wir in und für die Region viel soziales Engagement und schaffen hier Arbeitsplätze. Gerade deshalb betreiben wir die Verschüttung nach dem derzeitigen Genehmigungsstand. Und wir führen umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung der Natur durch“, betonte sie.

Erhalt von Umwelt und Natur am Holzberg in Böhlitz

Darüber hinaus konnte sich Weist die Kritik nicht verkneifen, von der Bürgerinitiative erst aus der Presse erfahren zu haben. „Warum sind Sie nicht persönlich auf uns zu gekommen, wie die Alpinisten, die ihre Interessen angemeldet haben?“

Deutlich versöhnlicher Töne schlug dann Winkler an, indem er sich am Ende im vollen Saal für seine Zwischenrufe entschuldigte. Im gleichen Kontext stellte er klar, dass die BI bereit sei, andere Meinungen zu akzeptieren. „Wer nicht für uns stimmt, muss noch lange nicht gegen den Erhalt von Umwelt und Natur am Holzberg sein.“

Von Frank Schmidt

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