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Wurzen Strenger Geruch und weiße Flüssigkeit im Abwasserschacht ärgern Nemter
Region Wurzen Strenger Geruch und weiße Flüssigkeit im Abwasserschacht ärgern Nemter
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00:28 13.03.2018
Landgut Nemt: Wenn bei Kälte die Bakterien im Filter der Biogasanlage nicht arbeiten, kann es zu Geruchsbelästigungen kommen. Quelle: Foto: Frank Schmidt
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Wurzen/Nemt

Die Hand voll Bürger, die zur Beratung gekommen waren, bestätigten zeitweise Geruchsbelästigungen. Als Quellen wurden die Abwasserschächte des Milchgutes , die Biogasanlage, – hier besonders ärgerlich, wenn es am Wochenende stinkt – und die Düngung der Felder ausgemacht.

Ortschaftsrätin Dana Zschernack meinte zwar, mit Letzterem könne sie umgehen – „wir leben auf dem Dorf“ –, aber nicht in Ordnung sei, dass durch den Schacht vor ihrem Hof eine „weiße Flüssigkeit“ fließt. Nähere Untersuchungen dazu gibt es allerdings nicht, Wasserproben wurden (noch) nicht genommen. Auch hier im Visier: das Landgut. Auf Aufklärung hoffend, hatte Ortschaftsratsvorsitzender Enrico Thiel deshalb Landgut-Geschäftsführer René Döbelt eingeladen.

Döbelt stellte zunächst einmal klar: „Wir leiten keine Abwässer in den Bach.“ Das sei „üble Nachrede“. Was auf dem Landgut anfalle, werde vom Abwasserzweckverband (AZV) Muldenaue weggeleitet.

Und was die weiße Flüssigkeit angeht, konnte er nur vermuten, dass dafür eventuell die Molkerei als Verursacher in Frage kommt. „Wenn die Mist macht, kann das schon mal passieren.“ Da aber Vermutungen nicht weiterhelfen, soll es demnächst einen Vor-Ort-Termin mit Ortsrat und Landgut geben. Auch der AZV wird dazu eingeladen. Denn besagte Leitung wurde noch von der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft gelegt und später vom Eigenbetrieb Abwasserentsorgung Wurzen übernommen. „Wir wissen nicht, wer da noch alles dran hängt“, so Döbelt.

Auf dem eigenen Hof habe man zum Geruch schon mal nach Ursachen geforscht. „Denn unser Ziel ist, dass niemand über das notwendige Maß hinaus belästigt wird“, betonte er. Laut Döbelt fallen im Betrieb drei Abwasserklassen an.

Zum einen Regenwasser von den Dächern, das teils auf dem Grundstück verbleibe, teils über den Kanal abgeleitet werde. „Dafür zahlen wir, wie jeder andere Grundstückseigentümer, mehrere Tausend Euro.“

Die zweite Klasse sei Gülle und Sickersaft. „Diese Stoffe werden von uns durch entsprechende Vorrichtungen unter Stall und Silos komplett aufgefangen und in der Biogasanlage verwertet oder in den 20 000 Kubikmeter fassenden Flüssigtanks vergoren, denn das sind wertvolle Pflanzennährstoffe.“

Die dritte Kategorie, Wasser von Verkehrsflächen, könnte nach Döbelts Einschätzung durchaus an Gerüchen aus den Abwasserschächten Schuld sein: Denn Schmutz aus Traktorreifen, vom Hänger gefallenes Futter oder mal ein Fladen von über den Hof getriebenen Tieren laufe mit dem Regen in die Kanalisation. „Diese Wässer wurden in Baugenehmigungen der 1970er-Jahre nicht betrachtet. Wir haben hier Bestandsschutz, wissen aber, dass das ein Thema für die Zukunft ist“, sagte Döbelt. Allerdings habe man nach den Bürgerhinweisen den Frühjahrsputz vorgezogen. „Und tatsächlich haben wir einen verstopften Gully gefunden. Also wenn etwas in den Bach gelangt ist, könnte das von uns gewesen sein.“

Grundlegende Änderungen könnten aber nur durch Baumaßnahmen erfolgen. „Und die brauchen etwas Zeit“, warb Döbelt um Verständnis. Er nutzte die Gelegenheit, die nächsten Vorhaben vorzustellen. Während der Stallneubau zurückgestellt sei, soll am Kornhainer Weg dieses Jahr ein Behälter neu errichtet werden. „Die Silos haben wir saniert, aber das Wasser daraus können wir noch nicht lange genug lagern“, erklärte er.

Außerdem wurde gerade der Bau zweier weiterer Behälter zur Lagerung von Gärresten beantragt. Hintergrund ist die neue Düngeverordnung, wonach die Felder erst im Frühjahr berieselt werden dürfen. Noch bis Ende April müsse deshalb auch noch mit Geruch gerechnet werden. Der entstehe vor allem, wenn die Masse im Gärbecken aufgerührt und so die geruchsbindende Schwimmschicht aus unvergorenen Pflanzenresten zerstört wird. „Wir wollen es technisch so hinkriegen, dass nicht jeder, der den Dünger fährt, rührt“, versprach Döbelt. Mit steigenden Temperaturen werde im Übrigen auch der dreistufige Filter der Biogasanlage wieder wirksam. „Die Bakterien darin arbeiten bei Kälte nicht.“

Von Ines Alekowa

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