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Wurzen Täter droht mehrjährige Haftstrafe – Kosten im sechsstelligen Bereich
Region Wurzen Täter droht mehrjährige Haftstrafe – Kosten im sechsstelligen Bereich
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00:22 20.10.2017
In der Seniorenresidenz Polenzer Schloss ging am Mittag die siebente Bombendrohung gegen Heime im Kreis Leipzig ein. Quelle: Frank Schmidt
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Landkreis Leipzig



Ermittlungen: Die Polizeidirektion Leipzig konzentrierte sich am Dienstag auf die Vernehmung derjenigen Personen, die die Anrufe des weiterhin unbekannten Täters entgegengenommen haben. In allen Fällen soll es sich um einen Mann gehandelt haben, der von einem Anschluss mit unterdrückter Nummer die Bombendrohungen gegen die Einrichtungen in Groitzsch, Grimma, Markranstädt, Wurzen und Geithain gerichtet hatte. Polizeisprecher Uwe Voigt: „Ein Zusammenhang liegt hier auf der Hand. Überall war der Anrufer männlich, der kurze Drohungen aussprach. Ohne eine Reaktion abzuwarten, legte der Täter wieder auf.“

Die Staatsanwaltschaft Leipzig leitet das Ermittlungsverfahren. Sprecherin Jana Friedrich: „Die Ermittlungen werden in enger Abstimmung zwischen uns und der Kriminalaußenstelle Grimma geführt. Ein Tatverdächtiger konnte bislang nicht ermittelt werden, weshalb sich die Ermittlungen derzeit gegen Unbekannt richten.“ Wird ein Täter gefasst, drohen ihm bei einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe sowie die Kosten der Einsätze. Eine heiße Spur gebe es bislang nicht.

Nach Groitzsch in der Nacht zu Montag sind am Montag auch Altenheime in Grimma, Wurzen, Geithain und Markranstädt bedroht worden und mussten größtenteils evakuiert werden.

Kosten: Bei den insgesamt sieben Einsätzen seit Sonntag waren rund 100 Beamte der Polizeidirektion Leipzig und 30 Beamte der Bereitschaftspolizei sowie die Sprengstoffsuchhunde im Einsatz. Hinzu kommen die Rettungskräfte und Feuerwehren der jeweiligen Orte. Zum Teil waren die Wehren (Grimma) an mehreren Einsätzen beteiligt. Die Kosten, die im Fall seiner Ergreifung auf den Täter zukommen, liegen im sechsstelligen Bereich.

Bezug zu anderen Fällen: In den vergangenen Jahren – zuletzt Anfang August dieses Jahres in Borna – hat es immer wieder Bombendrohungen gegen Altenheime gegeben. In den Ermittlungen früherer Fälle konnte nie ein Täter ermittelt werden. Uwe Voigt: „Wir beziehen zurückliegende Taten in die aktuellen Recherchen natürlich mit ein. Einen Zusammenhang herzustellen dürfte aber schwierig werden und ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.“ 2009 und 2010 wurden jeweils ein Strafverfahren gegen Unbekannt wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten eingeleitet.

Betreuung



Bombendrohungen gegen Altenpflegeheime im Landkreis Leipzig

16./17. Oktober 2017: Nach einer Drohung gegen das Groitzscher Seniorenheim „Katharina von Bora“ am Sonntagabend gegen 21.30 Uhr, folgen am Montagmorgen weitere Drohanrufe gegen das Grimmaer Caritas-Heim „Claudine Thévenet“ (8.03 Uhr), das Markranstädter Heim „Am Park“ (8.09 Uhr) sowie gegen eine Einrichtung der Altenheimgesellschaft Muldental in Wurzen (15.40 Uhr) und das Geithainer Seniorenheim Am Stadtpark (15.50 Uhr).

7. August 2017: Nach einer anonymen Bombendrohung gegen das Seniorenpflegeheim Borna-West in der Bergmannstraße mussten alle Bewohner der Einrichtung in Sicherheit gebracht werden. Mehrere Dutzend Feuerwehrleute und vor allem Kräfte des Rettungsdienstes und des Katastrophenschutzes sorgten dafür, dass die älteren und zum Teil bettlägerigen Menschen vorübergehend in einem Ausweichquartier unterkamen.

13. März 2010: Das Bornaer Altenpflegeheim Carl-Heinrich-Haus in der Lausicker Straße erhält eine anonyme Bombendrohung. Alle 83 Heimbewohner mussten in Sicherheit gebracht werden. Die Bombendrohung hatte einen Großeinsatz von mehr als 100 Helfern von Feuerwehr, Polizei und medizinischem Personal ausgelöst.

14. Januar 2010: Das Seniorenheim „Am Stadtpark“ in Geithain muss nach einer Bombendrohung evakuiert werden. Etwa 150 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

27. September 2009: Ein männlicher Anrufer droht dem Seniorenheim „Am Schwarzholz“ in Kitzscher: „In einer Stunde wird eine Bombe hochgehen.“ 67 Bewohner werden in Sicherheit gebracht.

18. Mai 2000: Im Markranstädter Awo-Seniorenheim „Am See“ geht der Drohanruf am Vormittag ein. Eine weibliche Stimme drohte damals: „Halb vier geht eine Bombe hoch, die Alten müssen weg“.

Von Thomas Lieb

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