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Wurzen Teilen statt Tonne: Wurzen macht mit beim Foodsharing
Region Wurzen Teilen statt Tonne: Wurzen macht mit beim Foodsharing
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00:21 27.10.2017
In Deutschland werden jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, obwohl ein Großteil davon noch genießbar ist. Quelle: Facebook Screenshot
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Wurzen

„Sharing“ – englisch für „teilen“ – liegt im Trend. Hinter Begriffen wie Carsharing, Bikesharing oder Booksharing steckt ein simples Prinzip: die gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen, um deren Verbrauch zu reduzieren und den eigenen Geldbeutel zu entlasten. Auch auf Lebensmittel lässt sich dieses Konzept übertragen. „Foodsharing“ nennt sich die noch junge Bewegung, die Nahrungsmittelverschwendung entgegen treten will. Denn in Deutschland landen jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Täglich sind das knapp 50 000 Kilogramm, ein Großteil davon noch genießbar.

Dank Rainer Kühn ist nun auch Wurzen Teil der Foodsharing-Gemeinschaft. Der Erlebnispädagoge und leidenschaftliche Gärtner hat vor einigen Wochen im sozialen Netzwerk Facebook die Gruppe „Foodsharing Wurzen“ ins Leben gerufen. Wer Lebensmittel abgeben möchte – beispielsweise weil die Gartenernte zu üppig ausgefallen ist oder der Kühlschrank vor einem längeren Urlaub leergeräumt werden muss – stellt einfach ein Angebot auf die Seite. Interessenten können dann Kontakt aufnehmen und die Ware abholen. Gesuche können ebenfalls aufgegeben werden.

Der Ursprung: Foodsharing.de

2012 entstand die Initiative „Foodsharing“, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, verzehrbare Lebensmittel, die im Müll landen würden, zu sammeln und zu verteilen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind inzwischen mehr als 200 000 Nutzer registriert, 25 000 davon sind aktiv und ehrenamtlich als sogenannte Foodsaver tätig. Die Initiative arbeitet laut eigenen Angaben inzwischen mit mehr als 3 000 Betrieben zusammen. So seien bisher 7,8 Millionen Kilogramm Lebensmittel vor der Verschwendung bewahrt worden.

In erster Linie will Foodsharing für das Thema sensibilisieren. „Ziel ist, auf persönlicher Ebene Aufklärung, Umdenken und verantwortliches Handeln anzustoßen“, heißt auf der Internetseite www.foodsharing.de. Dort können sich interessierte Nutzer registrieren, auf einer interaktiven Karten nach Angeboten anderer Foodsharer suchen oder sich Tipps zur Reduzierung von Lebensmittelmüll einholen. Viele Städte und Gemeinden haben zudem eigene Facebook-Gruppen, in denen der Austausch organisiert wird. Es gelten strenge Regeln hinsichtlich Hygiene und Kühlung.

Die Gruppe „Foodsharing Wurzen“ ist trotz ihres Namens ein von Foodsharing.de unabhängiges Projekt.

Im Supermarkt erworbene Produkte seien zwar auch gestattet. „Ich wünsche mir aber vor allem, dass unsere Gruppe eine Plattform für selbst angebaute und geerntete Lebensmittel wird“, erklärt Kühn. Er selbst schloss den ersten erfolgreichen Tausch innerhalb der Gruppe ab: Er bekam Süßkartoffeln von einer örtlichen Gärtnerin und gab dafür Äpfel aus eigenem Anbau ab.

Eine der wichtigsten Regeln lautet allerdings: Es besteht kein Anrecht auf einen Tausch oder eine Gegenleistung. Denn Foodsharing versteht sich nicht als Tauschbörse, sondern als gemeinnütziges Unterfangen mit dem Ziel, Lebensmittel lieber zu verschenken anstatt sie verkommen zu lassen oder wegzuwerfen. „Wir möchten eine regionale, ökologische und nachbarschaftliche Wirtschaft fördern.“

75 Mitglieder hat die noch junge Facebook-Gruppe bisher, darunter auch Wurzens Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD): „Ich fand die Idee einfach klasse. Wir werfen viel zu viele Lebensmittel weg, ob nun im Privathaushalt oder im Supermarkt. Und wenn sich jemand findet, der etwas dagegen unternehmen möchte, dann bin ich dabei.“

Die Foodsharing-Gemeinschaft in Wurzen ist nicht nur im Internet aktiv, sondern kommt auch regelmäßig – aktuell zwei mal monatlich – in der Kantstraße 20/22 zusammen. Am morgigen Donnerstag findet dort das zweite Treffen der Lebensmittelretter, wie sie sich selbst nennen, statt. Auch interessierte Nicht-Mitglieder sind willkommen. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Kooperationen mit lokalen Betrieben und Unternehmen sowie die Einrichtung eines sogenannten „Fairteilers“: öffentliche Boxen, in denen Lebensmittel für andere abgelegt werden können.

Derartiges gebe es schon längere Zeit in Leipzig und diversen anderen Städten und funktioniere dort bestens, sagt Rainer Kühn. Auch Röglin ist der Idee eines Fairteilers nicht abgeneigt: „Ich bin immer für verrückte Ideen zu haben – so etwas macht unsere Stadt nur lebenswerter.“

Von Christian Neffe

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