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Wurzen Thallwitz: Blitzstart beim Haushalt – aber Folgen der Flut kosten Millionen
Region Wurzen Thallwitz: Blitzstart beim Haushalt – aber Folgen der Flut kosten Millionen
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00:27 20.01.2016
Thallwitz’ Bürgermeister Thomas Pöge. Quelle: Archivfoto
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Thallwitz

Nicht kleckern, sondern klotzen ist 2016 in Thallwitz angesagt. Was Investitionen angeht, hält sich die nördlichste Landkreis-Kommune nicht lange bei der Vorrede auf. „Als einzige Kommune in Westsachsen konnten wir bereits ab 1. Januar mit einem gültigen Haushalt starten“, hob Bürgermeister Thomas Pöge (parteilos) zum Neujahrsempfang hervor. Im Reußischen Hof hatten sich dazu Vertreter von Vereinen, lokaler Wirtschaft und kommunale Partner eingefunden.

Für 1,3 Millionen Euro wurde 2015 an den Folgen der Flut gearbeitet. „So konnten der Radweg von Kollau Richtung Eilenburg, die Verbindung für Pedalritter zwischen Canitz und Wasewitz, aber auch Arbeiten an Klärwerk und Reitplatz abgeschlossen werden.“ Auch 2016 wird das Thema Thallwitz weiter beschäftigen. „Wir haben noch Schäden von 1,6 Millionen Euro vor uns, was kein Pappenstiel ist.“ Apropos Schäden: Die Naturgewalten meinten es auch 2015 nicht gut mit der Kommune. Am Herrenhaus Röcknitz musste gleich zu Jahresbeginn ein Sturmschaden repariert, die komplette Westfassade neu gestrichen und beschädigte Fenster- und Dachteile erneuert werden. Im August brach schließlich das Sägemühlen-Wehr. „Hier war allerdings erst ein langes und zähes Genehmigungsverfahren nötig, bis wir grünes Licht zum Wiederaufbau erhielten.“ Um die Gemeinde zukunftsfähig aufzustellen, wurde unter anderem für das Freibad Böhlitz ein privater Betreiber gefunden.

Der Radweg am Kollauer Wehr wurde erst Ende 2015 fertiggestellt. Quelle: Archiv

Vor allem lag der Fokus auf der weiteren Kooperation im Wurzener Land. Neben der Erarbeitung eines Stadtumlandkonzeptes soll in diesem Jahr vor allem in Sachen Landwerke ein Durchbruch erzielt werden. „Die Kommunen des Wurzener Landes beschäftigen sich intensiv mit der Gründung eines gemeinsamen Unternehmens zur Bewältigung der energetischen Daseinsvorsorge. Es wird geprüft, dies mit einem strategischen Partner zu tun.“ Pöge hofft sehr, zum Neujahrsempfang 2017 die Gründung der Wurzener Landwerke in seiner Erfolgsbilanz verkünden zu können. Als aktuelle Gesprächspartner des Prozesses hatte der umtriebige Gemeindechef auch Vertreter von EnviaM, den Stadtwerken Leipzig sowie Energiedienstleister Veolia im Reußischen Hof begrüßen können.

Weiter vorankommen will Thallwitz am Geoportal in Röcknitz - als nächstes steht der Rastplatz Fred Porpyhrstein auf der Agenda. Nägel mit Köpfen sollen am ersten Multiplen Haus des Landkreises in Böhlitz gemacht werden. „Hier ist es uns gelungen, auf Grund des modellhaften Projektes 100.000 Euro Fördermittel bei einem Gesamtumfang von 115.000 Euro zu erhalten.“

Dank üppig sprudelnder Steuern hat die Gemeinde auch 2016 wieder die Ehre, kommunale Reichensteuer abzuführen. „Das bedeutet aber nur, dass wir mehr Steuern einnehmen, als wir nach Einschätzung des Freistaates für die Erfüllung unserer Aufgaben brauchen.“ Auch Landrat Henry Graichen (CDU), ebenfalls Gast des Neujahrsempfangs, weiß aus seiner Zeit als Bürgermeister, dass üppig sprudelnde Gewerbeeinnahmen Fluch und Segen zugleich sind. „Es ist sicher solidarisch, dass man in den großen Topf einzahlt. Aber das Maß der Reichensteuer ist zu hoch. Es schmälert die Bereitschaft der Kommunen, sich weiter zu engagieren.“ Deshalb lobte Pöge auch ausdrücklich die Vertreter der lokalen Wirtschaft: „Ich danke Ihnen für ihren Fleiß und Ihre Risikobereitschaft, täglich unternehmerisch tätig zu sein. Das ist die Basis für das Wohl unserer Gemeinde.“

Ein wichtiges Rückgrat seien aber auch die über 40 Vereine, die das dörfliche Leben zwischen Röcknitz und Nischwitz prägen. Zu den Erfolgsgaranten zählt der Chef aber auch die jederzeit agile Gemeindeverwaltung und die Abgeordneten, die im Notfall nur wenige Stunden brauchen, um wichtige Entscheidungen zu fällen. Zuletzt verwies Pöge auf das ehrgeizige Investitionspaket: „Vom Gesamthaushalt, der rund sieben Millionen umfasst, werden wir 2016 fast drei Millionen Euro investieren.“ Das betrifft im Wesentlichen Vorhaben, mit denen sich Thallwitz gegen den weiteren Einwohnerverlust stemmt. So werden mit dem Umbau der Röcknitzer Schule Konzepte für moderne Wohnformen verwirklicht. „Für die Jüngsten“, so Pöge, „sollen sich die Bedingungen mit der weiteren Sanierung der Grundschule und Vorhaben in den Kitas verbessern.“ Schließlich weiß der Ort auch, was er Touristen schuldig ist: Das historische Spritzenhaus in Thallwitz soll saniert und zu einem attraktiven Rastplatz umgebaut werden.

Von Simone Prenzel

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