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Wurzen Thallwitz: Fledermaus-Quartiere sorgen für Ärger
Region Wurzen Thallwitz: Fledermaus-Quartiere sorgen für Ärger
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07:00 25.05.2016
Regina Rüdiger sowie Christa und Gerd Pielok (v.l.n.r.) sehen nicht ein, dass sie für die Fledermausquartiere zur Kasse gebeten werden sollen. Quelle: Simone Prenzel
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Thallwitz

Bewohner eines Thallwitzer Neubaublocks sind sauer. Auf tierische Untermieter, auf die Behörden, auf die Umstände. Fledermäusen hat es gefallen, sich vor einigen Jahren Am Sportplatz 8-14 in Thallwitz einzuquartieren. Seitdem sind die nachtaktiven Flugsäuger ständiges Gesprächsthema, für einige sogar ein ständiges Ärgernis.

Früher waren die Tiere im Bereich der Kita beheimatet, die auch noch den Namen „Fledermaus“ trägt. „Die Kolonie war groß, mehrere hundert Tiere“, berichtet Gerd Pielok (72). „Die Gemeinde hat die Quartiere dann einfach beseitigt, wahrscheinlich aus Rücksicht auf die Kinder, aber es wurden keine richtigen Alternativen geschaffen.“ Das Ergebnis war, dass einige Fledermäuse in den benachbarten Neubaublock umzogen. Sehr zum Verdruss einiger Bewohner, zum Beispiel Regina Rüdiger. „Unter meinem Fensterbrett hatten die Tiere ein Schlupfloch entdeckt. Sie ahnen gar nicht, was das für ein Dreck war, den wir ertragen mussten.“ Besonders bei Hitze habe es zudem fürchterlich gestunken. Sogar Jungtiere seien unter ihrem Fenstersims aufgezogen worden. Gerd Pielok, der im selben Aufgang eine Etage höher wohnt, hatte ebenfalls das Vergnügen mit den Flugsäugern. „Auch unser Fensterbrett war ständig voller Kot. Eine Sauerei ohnegleichen.“ In ihrer Not hatte sich Regina Rüdiger nicht anders zu helfen gewusst, als die Schlupflöcher zu verschließen.

Das blieb nicht ohne Folgen: Weil Fledermausverstecke, insbesondere sogenannte Wochenstubenquartiere, unter strengem Schutz stehen, wurde gegen die Thallwitzerin eine empfindliche Geldstrafe verhängt. Denn: Wenn die Tierchen erstmal eine Bleibe gefunden haben, darf sich laut Bundesnaturschutzgesetz niemand daran vergreifen.

Brigitte Laux, Sprecherin des Landratsamtes, erklärt, dass es 2009 beim Kita-Umbau die Genehmigung gegeben habe, die Fledermäuse umzusiedeln. „Die alternativen Quartiere haben die Nachtschwärmer aber nicht angenommen.“ Bei den Tieren handele es sich um Exemplare der besonders seltenen Mückenfledermäuse. Sie sind winzig klein, ihr Körper ist nur halb so groß wie ein Daumen. „Thallwitz beheimatet mit rund 400 Tieren die größte Kolonie dieser Fledermausart in ganz Sachsen“, betont Laux die Bedeutung des Vorkommens.

Unterm Fenster von Regina Rüdiger wurde ein Fledermausbrett angebracht. Weitere künstlich geschaffene Schlupflöcher finden sich an den Giebelseiten des Neubaublocks. Quelle: Simone Prenzel

Obwohl im Vorjahr dann keine einzige Fledermaus im Umfeld aufgetaucht sei, wie die Bewohner schildern, überraschte das Landratsamt die Betroffenen mit weiteren Schutzmaßnahmen. An beiden Giebelseiten des Neubaublocks und unter dem Stuben-Fenster von Regina Rüdiger wurden von einer Fachfirma kürzlich Fledermaus-Domizile angelegt. Die Bewohner staunten nicht schlecht, als eines Tages ein Kran vorfuhr. An der Nordseite wurden einfach in luftiger Höhe fünf Löcher in die Wand gebohrt. „Dahinter liegt unser Dachboden, wo wir eigentlich trocknen“, ergänzt Christa Pielok. Hindurch sollen die Insektenjäger schlüpfen. So sie denn wieder auftauchen. Die Seniorin hält es für ziemlich unhygienisch, hier künftig Wäschestücke aufzuhängen – nur Zentimeter von den Fledermauskästen entfernt. „Wir verstehen überhaupt nicht, warum man nicht andernorts Ausweichquartiere schaffen kann. Warum muss das an unseren Wohnungen passieren?“ Zu allem Ärger sollen die Arbeiten auch noch von den 32 Mitgliedern der Wohnungseigentümergemeinschaft anteilig bezahlt werden. Die Rede ist von rund 3300 Euro, die aufzubringen sind. „Dabei“, weist Gerd Pielok mit einer Hand in Richtung Norden, „würde das alte Kornhaus 50 Meter hin ein ideales Quartier für Fledermäuse darstellen.“ Das stehe seit Jahren leer. „Hier würden die Tiere auch niemanden stören.“ Aufklärung, warum sie für die Fledermaus-Herberge auch noch zur Kasse gebeten werden, erhoffen sich die Bewohner nach wie vor vom Umweltamt des Kreises.

Von Simone Prenzel

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