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Thallwitz: Wasserwerke machen Druck für schnelleren Flutschutz

Thallwitz: Wasserwerke machen Druck für schnelleren Flutschutz

Thallwitz. Keine Termine konnte die Landestalsperrenverwaltung (LTV) für das Deichbauvorhaben im Bereich der Gemeinde Thallwitz nennen.

Während man sich am anderen Muldeufer seit sechs Jahren an einer Planfeststellung die Zähne ausbeißt, ist der Antrag für ein solches Verfahren für Thallwitz noch nicht einmal gestellt. "Mit den Kommunalen Wasserwerken, die in der Region ihre zwei größten Wasserwerke betreiben, haben wir jedoch einen einflussreichen Partner an unserer Seite, um Druck zu machen", erklärte Amtsverweser Jürgen Schmidt (CDU) zur Bürgerversammlung am Donnerstagabend im Thallwitzer Kulturgut.

Auf einer Länge von 15 Kilometern erstreckt sich die Gemeinde Thallwitz entlang des Flusses. Zwei Deichbrüche hatten den Ortschaften keine Chance gelassen. Der 80-Seelen-Ort Kollau, der sich sonst friedlich an den Muldedamm schmiegt, stand komplett unter Wasser. Auch in Thallwitz, Wasewitz und Nischwitz wurden einzelne Grundstücke vom Hochwasser überflutet. Die Gemeinde erlitt ebenfalls erhebliche Schäden - allein 200 000 Euro am Klärwerk. Viel Gesprächsbedarf, der auf der gut besuchten Bürgerversammlung befriedigt werden sollte.

Im Podium herrschte Einigkeit: "Thallwitz muss vom Freistaat mit besonderer Dringlichkeit behandelt werden", forderte Jürgen Schmidt. "Denn nirgendwo sonst, außer vielleicht in der Landeshauptstadt Dresden, geht es im Katastrophenfall um das Wohl einer halben Million Menschen." Denn wenn zwischen Canitz und Kollau die Deiche wackeln, zittern nicht nur die Bewohner der kleinen Dörfer um ihr Hab und Gut. Vor allem die Leipziger müssen sich ernsthafte Sorgen um ihr Trinkwasser machen. Wie knapp es in den Junitagen war, offenbarte KWL-Prokurist Guido Kerklies: "Wir mussten nicht nur unsere eigenen Werke in Canitz und Thallwitz herunterfahren. Auch die 25 Prozent Trinkwasserversorgung für Leipzig, die wir aus der Elbaue bei Torgau beziehen, waren hochgradig gefährdet." Hätten die Dämme auch dort geschwächelt, hätte die Großstadt auf dem Trockenen gesessen. Auf höchster Ebene laufen nun Gespräche mit dem Umweltministerium. Kerklies zitierte aus einem Schreiben, demzufolge die Relevanz der Hochwasserschutzmaßnahmen im Bereich Thallwitz erkannt worden sei. Bei der Festsetzung der Prioritäten werde die besondere Situation berücksichtigt, verlas der KWL-Manager einen Brief des zuständigen Referatsleiters Martin Socher. Dresden habe demnach erkannt, dass bei gleichzeitigem Hochwasser an Mulde und Elbe die Versorgung Leipzigs mit kostbarem Nass am seidenen Faden hängt. Nun müsse man dran bleiben, auch OBM Burkhard Jung soll mit ins Boot. Seinen Dank richtete der KWL-Prokurist an die Akteure vor Ort: "Die vielen freiwilligen Helfer haben uns zusammen mit Bundeswehr, Technischem Hilfswerk und weiteren Kräften davor bewahrt, dass wir die Wasserwerke in Canitz und Thallwitz abschalten mussten." Täglich werden hier in normalen Zeiten 66 000 Kubikmeter Wasser gefördert.

Die Vertreter der LTV schenkten den Bürgern reinen Wein ein. "Dort, wo die Bauten fertig waren, wie in Eilenburg oder Sermuth, blieben die Orte trocken. Bei Ihnen in Thallwitz sind wir nach der Flut 2002 über einige Reparaturen nicht hinausgekommen", bat Heinz Kaiser, zuständiger LTV-Betriebsteilleiter für die Mulde, um Verständnis. Sachsenweit seien noch nicht mal alle Schwachstellen der ersten Jahrhundertflut behoben. "Und aktuell wissen wir ebenfalls noch nicht, vor welchem Scherbenhaufen wir stehen." Noch laufe die Aufnahme der Schäden, dabei machen nicht nur die offensichtlichen Bruchstellen den Hochwasserschützern zu schaffen: "Ein Deich nimmt auch Schaden, wenn er lange eingestaut wurde." Abgesehen vom erfolgten Schlagen der Spundwände an den zwei Deichwunden in Canitz und Kollau konnte LTV-Projektverantwortliche Susan Kloß keine Hoffnung auf einen baldigen Baustart machen: "Wir befinden uns für Ihren Bereich erst in der Vorplanung." In Absprache mit dem behördlichen Naturschutz seien unter anderem Kartierungen erfolgt - als Voraussetzung, um eines Tages ein Planfeststellungsverfahren zu starten.

"In den letzten elf Jahren wurden also Vermessungen durchgeführt und seltsame Tiere gesucht", kritisierte ein Kollauer. "Wenn das in dem Tempo weitergeht, erlebt unsere Generation den neuen Deich nicht mehr." Die Bewohner der kleinen Ortschaft haben ihrer Forderung nach einem besseren Hochwasserschutz mit 80 Unterschriften bereits Nachdruck verliehen. Auch Gemeindewehrleiter Thomas Pöge fordert, dass schnell gehandelt wird: "Die Deiche machen mir nicht den Eindruck, als würden sie ein kräftiges Sommergewitter aushalten." Auch er habe die Hoffnung, so Pöge, dass die Botschaft ganz oben angekommen ist: "Unser Deichabschnitt hat durch die latente Gefährdung der Wasserwerke einfach ein ganz anderes Gewicht."

 

 

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.07.2013

Simone Prenzel

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