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Wurzen Thallwitzer Firma entwickelt Nährstoffbombe – Leipziger Profihandballer testen Super-Alge
Region Wurzen Thallwitzer Firma entwickelt Nährstoffbombe – Leipziger Profihandballer testen Super-Alge
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00:33 03.03.2018
Im firmeneigenen Gewächshaus wird die Alge Spirulina gezüchtet, um später dann frisch verarbeitet zu werden. Im Bild: Euspiron-Geschäftsführer Gerhard Wilhelm und Mitarbeiterin Christine Kasperidus. Quelle: Kai-Uwe Brandt
Thallwitz

Die Spirulina platensis gedeiht ganz prächtig gleich hinter dem Gebäude der Ökotec Anlagenbau GmbH im Wurzener Gewerbegebiet Bahnhofstraße. So als wüchse sie unter natürlichen Bedingungen wie im mexikanischen Texcoco-See. Und doch dauerte es sieben Jahre von der Idee bis zu Marktreife.

Die energiereiche Uralge Spirulina, berichtet Firmeninhaber Gerhard Wilhelm, gehört zur Gattung der Cyanobakterien und kommt in stark alkalischen Seen mit einem ph-Wert zwischen 9 und 11 vor. Sie ist mit ihren 2075 Wirkstoffen eine wahre Nährstoffbombe und wurde bereits von den Azteken und Mayas zu Heilzwecken angewandt und am chinesischen Hof als Delikatesse geschätzt. Was aber hat Spirulina mit der Ökotec zu tun – jenem Unternehmen, das Wilhelm 1992 gründete und welches sich auf Biogasanlagen von der Planung bis zum Bau spezialisierte?

Sportgel und patentierte Wickel

Im firmeneigenen Gewächshaus wird die Alge Spirulina gezüchtet, um später dann frisch verarbeitet zu werden. Im Bild: Euspiron-Geschäftsführer Gerhard Wilhelm und Mitarbeiterin Christine Kasperidus. Quelle: Kai-Uwe Brandt

Eben hier in Thallwitz lässt der 62-jährige Technologe unter dem Namen Euspiron zum Beispiel hochwertige Kosmetika, Sport-Gel bei starker Beanspruchung von Gelenken und Muskulatur sowie patentierte Wickel herstellen. Sämtliche Erzeugnisse enthalten die Alge – allerdings mit einem Novum. Denn dem Team um Wilhelm, darunter Wissenschaftler der Universität Leipzig, Pharmazeuten wie Thomas Benedix von der Hubertus-Apotheke in Leipzig sowie Heilpraktiker, gelang es nämlich, die Spirulina-Alge bioaktiv, also frisch, zu verarbeiten. „Dadurch bleiben alle wertvollen Inhaltsstoffe, wie übrigens bei frischem Obst, erhalten und können ihre Wirkung entfalten.“

Begonnen hatte es zunächst mit der Erforschung der Alge und ihrer Züchtung in den Gewächshaus-Becken vor Ort. „Danach“, so der Diplomingenieur, „benötigten wir ein entsprechend ökonomisches Verfahren zum Produzieren.“ Das allein dauert gut zwei Jahre. Den Ausschlag für die Entwicklung der medizinischen Pflege- und Kosmetikprodukte gab letztlich der Wurzener Heilpraktiker und Freund Peter Helbig.

Testreihe mit 30 Probanden

Genauso erfolgreich wie Algenzucht und hauseigene Laborarbeit endete im Anschluss eine Testreihe mit 30 Patienten der Wurzener Hautärztin Manuela Albrecht. Sie stellten sich als Probanden zur Verfügung. „Mit einem super Rücklauf von 80 Prozent.“ Immerhin, erklärt Wilhelm, helfe die frische Spirulina nachweislich bei Neurodermitis oder trockener, aufgerissener Haut und zeige ihre entzündungshemmende, antivirale Wirkung. „Viele Versuchspersonen können heute sogar auf kortisonhaltige Salben verzichten und sind dafür dankbar.“ Mittlerweile wurden die Medizin- und Kosmetikprodukte nach EU-Richtlinie zertifiziert und unterliegen deren Schutzrechten – „also ein echtes, regionales Produkt Made in Germany“. Gemeinsam mit Helbig gründete Wilhelm dann 2017 die Euspiron GmbH, zu der die beiden Mitarbeiterinnen Christine Kasperidus und Christine Herrmann gehören.

Sächsische Aufbaubank unterstützt Projekt

Ganz ohne finanzielle Hilfe wäre das innovative Projekt jedoch nicht realisierbar gewesen. In der Sächsischen Aufbaubank fand Wilhelm einen Förderer von Beginn an. So flossen Gelder in die Marktforschung, Herstellung und in den Vertrieb. Für die Eigenwerbung sorgt das junge Unternehmen aus Thallwitz selbst. Erst kürzlich mit einem Stand zur Messe Haus-Garten-Freizeit und mit Sportprominenz.

So freut es Wilhelm besonders, dass dank des Kontaktes zu Teamarzt René Toussaint jetzt die erste Handball-Herrenmannschaft des SC DHfK Leipzig die neue Euspiron-Auflage, eine Mixtur aus der organischen Alge und anorganischen Heilerde, ausprobiert.

Von Kai-Uwe Brandt

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