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Thallwitzer unterstützen Brutvogelprogramm

Thallwitzer unterstützen Brutvogelprogramm


Thallwitz. Von Thallwitz nach Böhlitz führt eine Kirschallee. Sie ist schmal und wer den kurzen Weg zum Nachbardorf fährt, kommt an einem Maisfeld vorbei.

. Es ist 40 Hektar groß und liegt links der Straße. Und mancher wundert sich. An zwei Stellen sieht man mitten im Mais einen Streifen mit Sommergerste.

„Ja, da haben uns schon einige gefragt, was das soll, ob uns gar der Mais ausgegangen sei", lacht Ulf Hörig. Er ist Geschäftsführer der Thallwitzer Agrargesellschaft. Und er weiß, wenn Mais ausgesät wird, dann ist diese Anbaufläche für die Feldlerche Brachland. Dort kann sie nicht brüten. „Mais wird aber gebraucht. Mais bringt Gewinn. Aber die Lerche darf dabei nicht auf der Strecke bleiben", so der Landwirt. Vor zwei Jahren beschloss der Sächsische Landtag ein Artenschutzprogramm für bodenbrütende Vögel.

An vorderster Stelle stehen Rebhuhn, Kiebitz und Feldlerche. Sie sind zwar nicht vom Aussterben bedroht, wenn man aber nicht aufpasst, könnte ihr Bestand zurückgehen. Das wissen auch Madlen Dämmig und Wolfram Kunze. Madlen Dämmig arbeitet an der Vogelschutzwarte Neschwitz bei Bautzen, Wolfram Kunze beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Rötha bei Borna. Beide waren zu einer Erfolgskontrolle im Muldental. Seit Frühjahr dieses Jahres beteiligt sich die Thallwitzer Agrargesellschaft an dem Projekt. Deshalb wurde im März nicht nur Mais ausgesät, sondern auch Sommergerste. Zwei Streifen zwölf Meter breit und 350 Meter lang. „Das sind ideale Brutbedingungen für die Feldlerche", sagt Wolfram Kunze. Und neugierig wie er ist, erkundete er schon vor dem offiziellen Kontrolltermin das Feld. „Zwei Nester habe ich gefunden", sagt Kunze. „Das will was heißen", kommentiert Madlen Dämmig, „denn Feldlerchennester sind ausgesprochen schwierig zu finden." Der in den Lüften singende Piepmatz startet nämlich nie dort, wo sein Nest liegt. Wenn er aber gen Himmel startet ist er nicht zu übersehen. Auch nicht an diesem heißen Julitag, als man sich am Feldrain zwischen Thallwitz und Böhlitz trifft. Sechs, sieben, acht Lerchen starten gen Himmel. Ihr Gesang ist an der Kirschallee nicht zu hören. Aber zu sehen sind sie. Der Chef der Thallwitzer Agrargesellschaft freut sich. „Wer Landwirtschaft macht, ist naturverbunden", kommentiert er den Lerchenflug. Für diese Naturverbundenheit zahlt der Freistaat für Ertragseinbußen und Mehraufwand einen finanziellen Ausgleich. Das ist die finanzielle Seite. „Vor allem geht es aber darum, durch ganz einfache Maßnahmen den Bestand der Vögel zu erhalten", sagt Madlen Dämmig von der Vogelschutzwarte Neschwitz.

Wie einfach das sein kann, zeigt sich in Thallwitz. Wird der Mais in voller Pracht stehen, dann sieht man die Lerchenstreifen nicht mehr. Das Getreide wird reifen und wird zum Futter werden für das Rebhuhn. „Da hinten, weit hinter dem Feld, da nisten die Rebhühner." Madlen Dämmig zeigt in die flimmernde Hitze. Dann macht sie sich auf den Acker. Sie verabschiedet sich mit den Worten: „Ich habe noch einige Untersuchungen vorzunehmen." Wolfram Kunze, der Mann aus Rötha vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie schnappt sich ein Fernglas und verschwindet zwischen Mais, Gerste und Feldlerche. Ulf Hörig, der Thallwitzer Agrargeschäftsführer rollte sein Auto gen Böhlitz. Die Agrargesellschaft freut sich über jede Lerche über dem Maisfeld. Die Lerche darf nicht auf der Strecke bleiben, das Unternehmen aber auch nicht.

Klaus Peschel

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