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Tiefe Schneise durch bekannte Pilgerstrecke: Bennewitz saniert Wege übers Land

Infrastruktur Tiefe Schneise durch bekannte Pilgerstrecke: Bennewitz saniert Wege übers Land

Zwischen Wurzen und Grubnitz schlengelt sich ein Teerband durch die Muldewiesen. Die Kommune saniert hier mit Geldern aus Hochwassertöpfen einen Weg für Fußgänger und Radfahrer. Doch die tiefe Schneise in der Mitte der Bitumendecke verwirrt die Nutzer.

Wege übers Land – hier zwischen Wurzen und Grubnitz.

Quelle: Haig Latchinian

Wurzen/Bennewitz. Provinzposse oder Schildbürgerstreich? Vermutlich weder noch – und das, obwohl es bis Schildau nicht weit ist. Der Reihe nach: Die Wurzener Geschäftsleute Uta und Lutz Heimann zieht es in ihrer Mittagspause oft an die frische Luft. Am liebsten spazieren sie Richtung Grubnitz und genießen die Weite der Muldenwiesen. Bisher war der Weg schlemmgeschottert, vor kurzem jedoch wurde er zwischen Mühlbach- und Grubnitzer Brücke geteert. „Prima, dann läuft es sich besser“, dachte das Ehepaar, schließlich habe die Piste durch Landwirtschaft und „Motocross“ in der Vergangenheit immer wieder gelitten. Soweit, so gut. Doch als jetzt auf dem reichlichen Kilometer die Mittelspur fast komplett ausgefräst wurde, wunderten sich die Heimanns. „Der Weg war schon fertig! Warum wird nun alles wieder eingerissen? Das kostet doch Geld. Zwei erhöhte Fahrradspuren, eine linke, eine rechte und mitten drin der Abgrund, sicher nicht ganz ungefährlich.“

Was in aller Welt wird aus dem ausgehobenen Mittelstück, fragen sich auch jede Menge Walker und Jogger, die ihr gewohntes weicheres Geläuf schon jetzt schmerzlich vermissen. Ein Mercedes sei bereits im Graben stecken geblieben, weiß ein Radfahrer, der anonym bleiben möchte: „Das Auto war abgeschlossen, der Fahrer holte offenbar Hilfe.“

Der Bennewitzer Bürgermeister Bernd Laqua weist darauf hin, dass der Feldweg derzeit Baustelle ist: „Unbefugte Motorisierte haben dort ohnehin nichts verloren, der Pilgerweg ist ausschließlich für Fußgänger, Radler und landwirtschaftlichen Verkehr ausgelegt.“ Es sei ärgerlich, wenn Absperrungen beiseite gerückt würden und von der Baufirma immer wieder neu in Position gebracht werden müssten. Der parteilose Ortschef beruhigt die zum Teil erhitzten Gemüter: „Sofern es das Wetter zulässt, wird in die Aussparung schon ab der kommenden Woche das Rasenpflaster verlegt. Damit haben wir zwischen Walzig und Rothersdorf bereits gute Erfahrungen gemacht.“ Die Befestigung des 1,2 Kilometer langen Abschnitts zwischen Mühlbach- und Grubnitzer Brücke entspreche den Richtlinien und werde mit Geldern aus Hochwassertöpfen finanziert, so Laqua: „Nach den beiden Fluten gab es erhebliche Schäden. Statt die geschlemmte Piste auch künftig immer wieder flickschustern zu müssen, haben wir uns nun für die Teerschicht mit Wabenpflaster und Feldauffahrten entschieden.“

Die Arbeiten lägen voll momentan im Zeitplan, sagt Klaus Henselowsky von der beauftragten Baufirma Umwelt 2000. Das Verfahren habe sich bewährt. Niemand müsse sich Sorgen über mögliche Verschwendungen machen: „Das in der Mitte abgetragene Asphaltmischgut wird recycelt und auf anderen Baustellen wiederverwendet.“ Was das Rasenpflaster anlangt, so erfülle die Kommune damit Auflagen des Naturschutzes: „Weil sich der Asphalt im Sommer stark aufheizt, würden sich Frosch & Co. die Füße verbrennen.“

Derweil „verirrt“ sich der nächste Motorisierte auf dem prominenten Abschnitt des Jacobsweges. Der Fahrer eines polnischen Kleintransporters gestikuliert wild: „Das Navi hat mich hierher geleitet“, behauptet er. Wie ein Straßenbahnfahrer bugsiert er seinen Wagen nun Richtung Wurzen und muss aufpassen, dass er die Spur hält, um nicht wie der Mercedes vor ihm im Graben zu enden.

Von Haig Latchinian

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