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Wurzen Tiergehege in Dornreichenbach hat Zoff mit Denkmalschutz – Tillich sucht Kompromiss
Region Wurzen Tiergehege in Dornreichenbach hat Zoff mit Denkmalschutz – Tillich sucht Kompromiss
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06:00 22.09.2017
Aufmerksamer Zuhörer: Vereinschef Reinhard Otto (Mitte) und Bürgermeister Uwe Weigelt (3.v.l.) berichten dem Ministerpräsidenten (2.v.r.) über die Schwierigkeiten mit dem Denkmalschutz. Quelle: Frank Schmidt
Lossatal/Dornreichenbach

Blitzbesuch im Tiergehege Dornreichenbach: Da staunten selbst die Erdhörnchen nicht schlecht, als so mir nichts dir nichts Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) auftauchte. Der Grund für die Stippvisite des Regierungschefs im Lossatal war schnell geklärt. CDU-Bundestagsabgeordnete Katharina Landgraf lud ihn ein und jede Menge Politprominenz gleich dazu – darunter Landrat Henry Graichen (CDU), Landtagsabgeordnete Hannelore Dietzschold (CDU) oder Bürgermeister Uwe Weigelt (SPD).

„Natürlich hätten wir mit Herrn Tillich auch ganz woanders hingekonnt. Aber wir wollten ihm mal zeigen, wo in der Region die Säge klemmt.“ Und so parkten die beiden dunklen Staatskarossen am Philipp-Müller-Platz. „Sie dürfen sich ruhig herantrauen“, begrüßte Tillich seine Zaungäste und flachste: „Ich habe schon zu Mittag gegessen.“

Kurz darauf ging es samt Gefolge und an der Seite von Vereinsvorsitzendem Reinhard Otto ins Tiergehege – vorbei an den Erdhörnchen zum grünen Klassenzimmer. Otto erläuterte seinem Gast währenddessen, mit wie viel ehrenamtlichem Engagement der Tiergehegeverein das Gelände bewirtschaftet und über die Jahre hinweg zu „einem touristischen Leuchtturm der Gemeinde Lossatal“ entwickelte. Allein 40 000 Besucher pro Jahr zählt mittlerweile die Dornreichenbacher Gemeinschaft am Rande des Schlossparkes, den einst der königlich-sächsische Gartenbaudirektor Max Bertram (1849 – 1914) im englischen Stil anlegte. „Leider haben wir mit der Denkmalpflege immer wieder Ärger“, ließ Otto gegenüber Tillich die Katze aus dem Sack. Und zwar derzeit, was die Pläne zum Neubau eines Wirtschaftsgebäudes inklusive Außenanlage angeht. Nicht zum ersten Mal schießt die Behörde quer, und das wurmt den Vereinschef. Bereits 2015 musste die Voliere des Uhus und die Alpakaweide dem früheren Standort weichen. Diesmal aber gehe es um eine notwendige Infrastruktur, welche das Tiergehege für die Zukunft fit macht, betonte Otto. Sämtliche Details des Projektes erläuterte wenig später und bei einer Tasse Kaffee die Architektin Carolin Bruch von der Kraftfluss Planung GmbH aus Lützen (Burgenlandkreis) in der benachbarten Pilgerraststätte. Demnach umfasse das massive Wirtschaftsgebäude eine Werkstatt mit drei Stellplätzen, einen Raum zur Tierpflege sowie ein Strohballenlager. Zudem soll der Vorplatz befestigt und die Einfriedung komplettiert werden.

Tillich jedenfalls versprach Hilfe und will das Innenministerium um einen Gesprächstermin mit allen Parteien bitten. Letztlich, so der Ministerpräsident, gelte es, eine dauerhafte Lösung zu finden. „Der Denkmalschutz lebt und überlebt nur, wenn sich Ehrenamtliche engagieren.“ Auf einen Kompromiss setzte gleichfalls Bürgermeister Weigelt, denn „wir als Kommune sind finanziell nicht in der Lage, das Tiergehege zu erhalten“. Nach knapp einer Stunde leerte sich dann der Parkplatz am Philipp-Müller-Platz wieder, als wäre hier nie Sachsens Regierungschef gewesen.

Übrigens besteht das Tiergehege Dornreichenbach schon seit 1972. Aus Kostengründen lagerte die damalige Gemeinde Falkenhain 2000 das Objekt aus. Der Tiergehegeverein bewahrte es zwei Jahre danach vor der Schließung. Mittlerweile zählt die Gemeinschaft 70 Mitglieder. Anlässlich des Wettbewerbes „Menschen und Erfolge“ zeichnete das Bundesumweltministerium den Verein im Oktober 2014 mit einer Urkunde aus.

Von Kai-Uwe Brandt

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