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Wurzen Toll Collect errichtet Mautsäulen im Landkreis Leipzig
Region Wurzen Toll Collect errichtet Mautsäulen im Landkreis Leipzig
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14:17 22.02.2018
Kontrollsäule. Quelle: Toll collect
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Landkreis Leipzig

Halt, war das eben ein Blitzer? Eine Frage, die sich Kraftfahrer seit wenigen Tagen zwischen Großbothen und Leisenau stellen. An der B 107 wurde eine vier Meter hohe, blaue Säule errichtet. Allerdings nimmt sie keine Raser, sondern Maut-Preller ins Visier.

Ab 1. Juli wird die Lkw-Maut in Deutschland ausgeweitet. Galt sie bislang nur für Autobahnen und autobahnähnliche Bundesstraßen, sind ab Jahresmitte alle Bundesstraßen mautpflichtig. Bisher erhebt der Bund Maut auf rund 12 800 Kilometern Autobahnen und 2300 Kilometern Bundesstraßen. Nun sollen weitere 37 000 Kilometer Bundesstraßen dazu kommen.

Säulen von Toll Collect entstehen auch in Groitzsch, Frohburg und Borsdorf

Um die Einhaltung zu kontrollieren, wird das Überwachungsnetz enger geknüpft. Bundesweit, teilt Toll-Collect mit, werden dafür 600 Säulen aufgebaut. Auch im Kreis Leipzig: „Eine Kontrollsäule wurde bereits an der B 107 auf dem Gebiet der Stadt Colditz errichtet“, bestätigt Toll-Collect-Sprecherin Claudia Steen. „Weitere Standorte sind an der B 176 in Groitzsch und in Frohburg sowie an der B 6 in Borsdorf geplant.“ Der Lkw-Verkehr wird künftig zudem an der B 186 in Markranstädt – dort im Ortsteil Kulkwitz – überwacht.

Wichtig für die Vorbeifahrenden: „Die Säulen sind keine Blitzer“, betont Steen. „Sie haben lediglich die Aufgabe, die Einhaltung der Mautpflicht zu

Auf Bundesautobahnen wie hier der A 14 im Norden von Leipzig überwachen Kontrollbrücken die Einhaltung der Mautpflicht. Quelle: dpa

überwachen.“ Um einer Verwechslung mit Tempo-Fallen vorzubeugen, wurde eine auffällige Optik gewählt: In grellem Blau und nahezu vier Meter hoch sind sie schon von weitem zu sehen – und damit das ganze Gegenteil von Starenkästen. Technisch sind die Mautsäulen mit ähnlichen Funktionen ausgestattet wie die von Autobahnen bekannten Kontrollbrücken – nur dass sie nicht alle Fahrspuren überspannen. Um die Landschaft nicht unnötig zu verschandeln, wurde gemeinsam mit der Firma Jenoptik die schlanke Lösung entwickelt.

Nur bei Verdacht auf Maut-Preller werden Daten weitergeleitet

Die Technik am Straßenrand funktioniert folgendermaßen: Die Säule scannt die Fahrzeuggröße und ermittelt über 3D-Fotos, ob es sich um ein mautpflichtiges Fahrzeug handelt. Ist dem so, kontaktiert der stumme Wächter über Infrarot eine im Lkw befindliche Bord-Einheit und fragt die Daten ab. Bei Lkw ohne sogenannte On-Board-Unit (OBU) greift die Säule auf eine Datenbank zurück, die Auskunft über Fahrzeuge gibt, die über Internet oder an Mautterminals gezahlt haben. In beiden Fällen gilt: Nur bei Verdacht auf Maut-Preller werden die Daten an Toll Collect weitergemeldet. Alle anderen Daten werden laut Betreiber sofort gelöscht. Etwaige Bußgeldverfahren leite dann das Bundesamt für Güterverkehr ein.

Bundesamt für Güterverkehr wählt Standorte aus

Zur Auswahl der Standorte erklärt die Sprecherin von Toll Collect: „Das Bundesamt für Güterverkehr hat die Streckenabschnitte, auf denen eine Kontrollsäule aufgebaut werden soll, vorgegeben.“ Ausgewählt wurden Abschnitte, die von vielen mautpflichtigen Lkw befahren werden. Auf Basis dieser Vorgabe prüft Toll Collect, an welchen Plätzen die Säulen aufgebaut werden. So wird öffentlicher Grund und Boden bevorzugt, außerdem muss eine uneingeschränkte Sicht 70 Meter gegen und 40 Meter in Fahrtrichtung gegeben sein, Abdeckung mit Mobilfunk, kurze Wege für einen Stromanschluss sind weitere Bedingungen. Ist ein konkreter Standort gefunden, stimmt Toll Collect diesen noch einmal mit dem Bundesamt für Güterverkehr ab und geht auf die zuständigen Straßenbauverwaltungen und Verkehrsbehörden zu, um deren Hinweise zum Standortwunsch zu berücksichtigen. So würden zu einigen im Landkreis vorgesehenen Standorten Genehmigungsprozesse auch noch laufen, hieß es.

Toll Collect errichtet weitere Terminals

Für Lkw-Fahrer, die bereits eine sogenannte On-Board Unit (OBU) von Toll Collect nutzen, ändert sich auch nach der Erweiterung des mautpflichtigen Straßennetzes wenig: Wie bisher erfolgt die Erhebung der Maut automatisch und wird nur für jene Strecken berechnet, die tatsächlich zurückgelegt werden.

Wer mit seinem Lkw nur selten auf mautpflichtigen Straßen unterwegs ist und daher auf den festen Einbau der OBU verzichten möchte, kann seinen Beitrag auch manuell im Internet, über eines der Mautstellen-Terminals und zukünftig per Smartphone-App entrichten.

Bis Ende 2018 errichtet Toll Collect dafür an großen Tankstellen, Autohöfen und Raststätten 1100 Terminals einer neuen Generation. Experten gehen davon aus, dass ab 1. Juli weitere rund 30 000 Unternehmen unter die Mautpflicht fallen. Bislang waren im Landkreis nur zwei Abschnitte der B 95 mautpflichtig: zwischen der B2, Abzweig Böhlen und Espenhain sowie dem Gewerbepark Espenhain und der Autobahn-Anschlussstelle Borna-Nord.

Von Simone Prenzel

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