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Tourismusverein pflückt Strauß bunter Ideen für ein lebendiges Burgenland

Marketing für die Region Tourismusverein pflückt Strauß bunter Ideen für ein lebendiges Burgenland

Der Tourismusverein Sächsisches Burgenland zählt mittlerweile elf Mitglieder und einige Tourismusdienstleister. Dieser Tage waren Mitglieder und Akteure ins Rittergut Kössern eingeladen, um die Arbeit des Vereins kennen zu lernen und über verschiedene kreative Ideen ins Gespräch zu kommen.

Der Wurzener Bahnhof soll Welcome-Center für das Sächsische Burgenland werden.

Quelle: Andreas Röse

Grimma/Kössern. Der im Jahr 2013 gegründete Tourismusverein (TV) Sächsisches Burgenland zählt mittlerweile elf Mitglieder und einige Tourismusdienstleister. Jetzt waren Mitglieder und Akteure ins Rittergut Kössern eingeladen, um die Arbeit des Vereins kennenzulernen und über verschiedene kreative Ideen ins Gespräch zu kommen. Matthias Berger, Grimmas Oberbürgermeister (parteilos) und Vorstandsvorsitzender im TV, freute sich, dass es gelungen sei, die Region zusammenzubringen – unter den Gästen waren Vertreter aus Thallwitz im Norden ebenso wie aus Rochlitz im Süden. „Wir setzen als Kommune gern das Fundament, aber wir brauchen touristische Leistungsträger“, sagte er. Berger ist wohl bewusst, dass „unser Wohl und Wehe von der Tourismusregion Leipzig abhängt, aber wir sollten uns jetzt in der Fläche als Pendant finden“. Das Potenzial sei da, mit dessen Nutzung indes könne man noch nicht zufrieden sein.

Sandra Brandt von der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM), der Marketingorganisation für den TV, nahm den Ball auf und betonte, dass Marketing nicht nur bedeute, bunte Broschüren zu drucken, Internetseiten zu gestalten und die Region auf Messen zu präsentieren. „Dazu gehören auch Produktentwicklung – und das geht nur gemeinsam“, sprach die Leiterin für die Region Leipzig Gastronomen wie kleine und große Freizeitbetriebe an, von denen es im TV noch zu wenige gebe. Deren Angebote müssten vernetzt werden, betonte sie. „Und wir müssen Ideen entwickeln, überlegen, was es noch nicht gibt.“ Erste Beispiele lieferten Heiko Schulze, der Geschäftsführer der Sächsischen Bläserphilharmonie (SBP) mit Sitz in Bad Lausick, Volker Große von Grosse Radwelt in Markkleeberg und Katrin Hussock, die Koordinatorin für das Stadtmarketing Wurzen. Aber auch der Hausherr im Rittergut, Jörn-Heinrich Tobaben, selbst. Er hat im Rahmen der Gutssanierung die größte Elektrotankstelle im ländlichen Raum Ostdeutschlands installiert. „Aber es muss noch viel passieren, damit E-Mobilität im Freistaat funktioniert. Ein einzelner Spot in Kössern nutzt gar nichts“, sagte er. Vielleicht ließe sich das unter fachlicher Leitung der LTM ändern, regte er an. „Spannende Ansätze, an denen wir mit Ihnen arbeiten wollen und die zeigen, wie vielfältig die Themen im Landkreis sein können“, befand die Marketingexpertin.

Manche müsse man noch nicht einmal selbst erfinden, berichtete Schulze von einem Auftritt in Eberswalde. Dort finden sonnabendvormittags Musikveranstaltungen statt. „Der Eintritt ist frei, aber von den 300 Gästen profitiert die Innenstadt.“ In der Regel werde „Kultur aber immer noch nur als Kosten- und weniger als Standortfaktor betrachtet“, kritisierte Schulze und plädierte für einen ganzheitlichen Ansatz. Es gebe eine ganze Reihe an Kulturpartnern in der Region: ständige, von der Landesmusikakademie in Colditz bis zu Kirchen mit Konzertprogramm, und temporäre Veranstaltungsreihen, wie Bornaer Musiksommer, Grimmaer Liederflut, MDR-Musiksommer. „Was fehlt“, so Schulze, „ist etwas Zusammenführendes.“ 2005 sei eine gemeinsame Bewerbung schon einmal mit „Landklang“ gelungen. „Die Besucherzahlen sprachen für sich“, erinnerte er und zeigte sich überzeugt: „Unsere Region kann besondere Musikerlebnisse an besonderen Orten bieten, die auch überregional ansprechen.“ Zum Beispiel die Mulde mit Musik und Feuerwerk verbinden wie bei der Einweihung der Pöppelmannbrücke in Grimma – „das kann kein Opernhaus leisten“. Oder die Kammeroper „Katharina von Bora“ in der Klosterruine Nimbschen. „Entlang der Mulde ließen sich viele Stätten verbinden – beispielsweise über das Thema ,Herrschaftliche Klänge in Schlössern’.“ Gebraucht werde eine künstlerische Konzeption in Absprache mit Tourismus- und Fachpartnern, die Entwicklung einer Marke und deren Bewerbung. Ziel sei, so Schulze, „die Region kennen, hören und lieben zu lernen“.

Nicht musikalisch, sondern sportlich ist Volker Große unterwegs. Seit dem vergangenen Jahr bietet er im Neuseenland ein E-Bike-Erlebnis-Paket an. Jetzt will er noch mehr Partner, auch über das Neuseenland hinaus, in den Sattel holen und ab April an zehn Standorten je zwei E-Bikes stationieren, deren Verleih über ein zentrales Buchungssystem gesteuert wird. Aber: „Motivation für einen Urlaub in der Region ist nicht das E-Bike-Fahren, sondern das Erlebnis. Also brauchen wir Partner rechts und links des Weges.“ Aus diesen Bausteinen ließen sich dann Touren entwickeln. „Auf diese Weise kann man die Region attraktiver machen, neue Zielgruppen gewinnen – denn das E-Bike ist auch für Ältere geeignet – und mehr Übernachtungen generieren“, meinte er.

Einen E-Bike-Verleih könnte sich Hussock am Wurzener Bahnhof vorstellen, um von hier die Region zu erschließen – das Wurzener Land, den Geopark.... Aber die Pläne reichen viel weiter. Ursprünglich hatte die Marketingkoordinatorin nur einen Standort für einen urbanen Hofladen mit regionalen Produkten gesucht und war dabei auf den unsanierten, seit 2012 in Privathand befindlichen Bahnhof gestoßen, in dem neben DB-Ticketshop, Kiosk und öffentlichem WC noch viel Platz ist. Dann habe die LTM vorgeschlagen, den Standort zum Welcome-Center für das Sächsische Burgenland zu entwickeln. Auch Hussock beschreibt den Standort als optimal: Schiene und Bus vor der Tür, die Bundesstraße 6 in der Nähe, Parkplätze. „So erreichen wir 2000 Reisende pro Tag.“ Die Agentur BahnStadt, so Hussock, erstelle zu inhaltlichen und baulichen Aspekten gerade eine Machbarkeitsstudie. Das Ziel: „Der Bahnhof muss als Ganzes entwickelt werden.“ Und da wäre unter anderem auch ein Hostel denkbar.

Das Welcome-Center werde für die gesamte Region wirken, sagte Brandt von der LTM und fügte hinzu: „Das müssen wir im Netzwerk noch lernen: uns auszutauschen.“

Von Ines Alekowa

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