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Wurzen Trucker fachsimpeln über den Druck auf der Straße
Region Wurzen Trucker fachsimpeln über den Druck auf der Straße
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00:27 24.05.2018
Die Trucker Frank Anders (links) und Kay Bose vom Nossener Speditionsunternehmen Judefeind lassen nichts auf ihre Branche kommen. Quelle: Roger Dietze
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Wurzen

Sie werden vom Gros der Pkw-Fahrer als bestenfalls lästig empfunden – Lastkraftwagen. Am Pfingstwochenende hatten unter anderem jene, denen beim alltäglichen Tête-à-Tête mit einem 7,5-Tonner nur allzu schnell ein despektierliches Wort über die Lippen rutscht, auf dem Festplatz an der Collmener Straße in Wurzen Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen dieser Branche zu werfen.

Frauen nehmen die Organisation in die Hand

Eine Branche, die mit gut 20 regionalen und überregionalen Firmen beim zweiten Brummi-Spektakel „Wurzen hat Diesel im Blut“ nach 2016 recht gut repräsentiert war. Allen voran Veranstaltungsorganisatorin Marlene Wiemer, die selbst seit zwölf Jahren regelmäßig hinter dem Lenkrad eines Trucks sitzt und auch nach Feierabend nicht von ihrer Berufung lassen kann. „Ich habe die Erstauflage vor zwei Jahren miterlebt und fand es schade, dass sie ein einmaliges Ereignis bleiben sollte.“

Beim Bedauern ließ es Wiemer indes nicht bewenden, sondern legte vielmehr gemeinsam mit ihrer Partnerin Susan Ranft vom Soultrip Fashionstore aus Döbeln und unterstützt von regionalen Firmen wie Gruma, Pneuhage und MAN selbst Hand an die Organisation dieser Folgeveranstaltung, die über das gesamte verlängerte Pfingstwochenende hinweg im Wurzener Norden über die Bühne ging. Mit einem entsprechend üppigen Rahmenprogramm, das von Kinderangeboten und einem Fassbier-Anstich über eine Laser-Show und eine Brummi-Ausfahrt bis hin zu Auftritten des Nachwuchses der Wurzener Linedance-Formation „Running Boots“ und der Eulataler Linedancern sowie einem Konzert der Geile Gugge Belgern reichte.

Schwierige Rahmenbedingungen auf dem Logistik-Markt

In den Programmpausen bestand die Gelegenheit, miteinander über Gott und die Welt im Allgemeinen und die Nöte der Truckerbranche im Besonderen ins Gespräch zu kommen. Dabei wurde von letzterem in besonderer Weise Gebrauch gemacht. „In der Branche zu überleben, wird zunehmend schwerer“, berichtet etwa Elke Hoyer vom gleichnamigen Regensburger Logistik-Unternehmen, die via Facebook mit Marlene Wiemer in Kontakt getreten ist. Dies liege zum einen an den immer weiter steigenden Maut-Gebühren und zum anderen an der starken osteuropäischen Konkurrenz. „Hinzu kommt das Parkplatzproblem, das sich ebenfalls zunehmend verschärft“, so die 50-Jährige bajuwarische Truckerin. „Man muss sich schon ab 16 Uhr nach einem Schlafplatz umschauen, weil man anderenfalls keine Chance hat, einen zu finden.“

Kritik am weiter wachsenden Verkehr

Eine Reduzierung des Schwerlastverkehrs sei eine mögliche Lösung des Problems, aber das sei ganz offensichtlich politisch nicht gewollt. Diese Meinung zumindest vertritt Jens Judefeind vom gleichnamigen Nossener Speditionsunternehmen, das dem Wurzener Brummi-Spektakel mit drei DAFs und Volvos seine Aufwartung machte. „Es wird viel zu viel sinnlos durch die Gegend gekutscht“, so der Firmeninhaber. Etwa Getreide oder Riesaer Stahl, der ebenso gut in Brandenburg weiterverarbeitet werden könnte. Weil aber ganz offensichtlich der Transport für die Industrie günstiger ist, wachse zunehmend der Stress für die Fahrer. „Mittlerweile wegen der EU-Osterweiterung auch merklich auf den Autobahnen 4 und 14“, so Jens Judefeind.

„Besonders stressig ist es am Vormittag und Nachmittag“, ergänzt sein Fahrer Frank Anders, der alljährlich rund 100.000 Kilometer quer durch Mitteldeutschland auf Achse ist. „Trotzdem macht mir mein Job Spaß“, so der 53-Jährige. Trotzdem ist seinem Chef zufolge das Image des Kraftfahrers nach wie vor schlecht. „Entsprechend fehlt der Nachwuchs, und deshalb dienen solche Treffen auch dazu, unser Image aufzubessern und nach potenziellen Kraftfahrern Ausschau zu halten“, so Jens Judefeind.

Von Roger Dietze

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