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Eltern setzen sich in Wurzen für Erhalt der Sternwarte-Grundschule ein

Überfüllter Plenarsaal Eltern setzen sich in Wurzen für Erhalt der Sternwarte-Grundschule ein

Klare Demonstration für den Erhalt des Grundschulstandortes „An der Sternwarte“: Über 200 Eltern, Lehrer und Kinder nutzten die Bürgerversammlung der Stadtverwaltung, um sich für einen Schulneubau in der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße einzusetzen. Neuen Plänen des Stadthauses zufolge steht die Bildungsstätte zur Disposition.

Brechend voller Plenarsaal: Weit über 200 Eltern, Lehrer und Kinder nutzten Dienstagabend die Bürgerversammlung im Stadthaus, um sich für den Erhalt der Grundschule „An der Sternwarte“ einzusetzen.

Quelle: Thomas Kube

Wurzen. „Ich bin hier, um für den Standort der Grundschule ,An der Sternwarte’ zu kämpfen – einem der schönsten Grundschulstandorte in Wurzen.“ Kaum verklangen die Worte von Steffie Jäger, brandete Beifall auf, der nicht enden wollte. Die Lehrerin traf mit ihrer Aussage den Nerv der weit über 200 Besucher im Plenarsaal des Stadthauses. Eben hierin hatte am Dienstagabend die Kommunalverwaltung zur Bürgerversammlung geladen und stellte ihre neuen Pläne zum Ausbau eines Bildungszentrums Nord vor. Damit einhergehen soll der Abriss des baulich desolaten Schulgebäudes Sternwarte in der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße (die LVZ berichtete).

Das Echo auf den Termin war groß und der Parlamentssaal brechend voll, so dass sogar Stühle herangeschafft werden mussten. Immerhin erfuhren die Eltern, Lehrer und Kinder der Bildungsstätte erst Mitte Februar über die Medien vom plötzlichen Vorstoß der Stadt. Bis dato glaubten die Betroffenen noch, dass die Sternwarte eine Zukunft hat. Denn vor fünf Monaten sprachen sich alle Mitglieder des Kulturausschusses inklusive Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) für ein neues Haus aus. Insofern entspann sich nach der Vorstellung des sogenannten Bildungszentrums Nord durch das Stadtoberhaupt eine rege Diskussion über zweieinhalb Stunden.

Wie berichtet, sieht die taufrische Variante der Stadt den Ausbau der Ringelnatz-Grundschule in der Querstraße vor – mit Dachsanierung, Dreifelder-Turnhalle für fast vier Millionen Euro, einer Außensport- und Schulhofanlage sowie 70 Pkw-Stellplätzen. Darüber hinaus will die Verwaltung in den beiden oberen Etagen, die derzeit die Musikschule Muldental nutzt, neue Klassenzimmer errichten. Im Gegenzug erfolgt der Abriss der Grundschule an der Sternwarte und der Verkauf des dortigen Grundstückes zu Wohnbauzwecken. Die Musikschule bezieht dann am Clara-Zetkin-Platz das ehemalige Amt für Landwirtschaft und den Wasserturm.

Im Anschluss der Ausführungen bombardierten Eltern und Lehrer die Stadthausmitarbeiter und den Oberbürgermeister mit einem Katalog an offenen Fragen. So wollte Gerd Kretzschmann wissen, ob es eine Liste gebe, wie viele Kinder in den nächsten Jahren eingeschult werden. Laut Fachbereichsleiter Thomas Boecker kommen dieses Schuljahr 54 Kinder in die Sternwarte (Ringelnatz-Grundschule 46), 2018 sind es 35 (39), 2019 voraussichtlich 30 (44) und 2020 circa 44 (59). Kritisch äußerte sich Kretzschmann zum „Hauruck-Verfahren“, das Kämmerin Uta Schwarze mit der Verabschiedung des Doppelhaushaltes im April begründete. Sorge trieb viele Redner bezüglich des Verkehrsaufkommens am Bildungszentrum Nord um sowie Zweifel an den Investitionszahlen. Auch erregte die angedachte Schließung der von der Sternwarte genutzten GutsMuths-Halle die Gemüter. Hier haben die Wurzener Spielleute ihr Domizil und allein 7000 Euro investiert, wie Manuela Hantke betonte. Steffi Ferl, Vorsitzende des Frauenvereins Luise und bis September 2016 selbst Abgeordnete, bat die Stadträte, nach ihrem Gewissen und nicht nach dem Geld zu entscheiden. Das Schlusswort erhielt Jens Keil, Elternratsvorsitzender der Grundschule „An der Sternwarte“. Er appellierte an die Volksvertreter, ihre Entscheidung reiflich zu überlegen und plädierte für drei statt zwei Schulstandorte. „Die Hintergründe, weswegen es auf einmal so schnell gehen muss, sind mir aber noch immer schleierhaft.“

Von Kai-Uwe Brandt

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