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Unermüdlich im Einsatz: Annette Erbrich engagiert sich für Waisenkinder

Tansania Unermüdlich im Einsatz: Annette Erbrich engagiert sich für Waisenkinder

Aus einem 14-tägigen Urlaub wurde eine ständige Aufgabe: Lehrerin Annette Erbrich aus Waldsteinberg engagiert sich seit rund zehn Jahren für Waisenkinder in Tansania.

Die Kinder aus dem Waisenhaus „Moyo wa huruma“ in Geita (Tansania) spielen gern Fußball.

Quelle: Anette Erbrich

Waldsteinberg. „Als ich 2007 das erst mal nach Tansania kam, war ich sofort begeistert von Land und Leuten“, erinnert sich Annette Erbrich. Sie kannte das Land bisher nur aus Erzählungen von Freunden und wollte sich vor Ort selbst einen Eindruck machen. Nach dem Urlaub stand für sie fest: Hier verbringe ich mein Sabbatjahr. Drei Monate lebte sie dort und unterrichtete an einer Schule. Zufällig stieß sie auf das Waisenhaus „Moyo wa huruma“ in Geita, südlich des Victoriasees. „Die Kinder dort haben mich sofort in ihren Bann gezogen. Auch wenn sie nur wenig haben, verbreiteten sie stets Fröhlichkeit und sind immer gut gelaunt.“ Auch nach ihrer Rückkehr in die deutsche Heimat konnte sie die Kleinen nicht vergessen. Seit dem unterstützt sie das Waisenhaus mit Geld- und Sachspenden.

Mittlerweile leben dort 105 Kinder im Alter von 2 bis 20 Jahren. Sie sind Vollwaisen, ihre Eltern sind fast alle an Aids gestorben. „Glücklicherweise ist aber nur ein kleines Mädchen dabei, das die Krankheit selbst in sich trägt. Alle anderen Kinder sind gesund“, so Erbrich weiter. „Die Kinder werden von Verwandten gebracht oder leider irgendwo gefunden“, schildert sie die Situation.

Hauptberuflich arbeitet sie als Lehrerin für Musik, Deutsch und Religion am Gymnasium in Brandis, aber mindestens einmal im Jahr geht es für sie nach Tansania. „Die Kinder wachsen in einem sehr familiären und liebevollen Umfeld auf, besuchen die Vorschule und bekommen eine solide Schulausbildung“, erklärt Erbrich. Die Kleinsten werden in der hauseigenen Vorschule durch Erzieherinnen betreut, etwa 30 Kinder besuchen die Grundschule und 30 weitere die Secondary School.

Dass Kinder in Tansania die Schule besuchen, ist nicht unbedingt selbstverständlich, meistens wird nur der älteste Sohn zur Schule geschickt. „Die Grundschule geht von der ersten bis zur siebten Klasse und ist kostenlos. Aber der Besuch der Secondary School, ähnlich wie der Mittel- oder Realschule bei uns, kostet Geld.“

Um dieses für alle Kinder aufzubringen, sammelt sie das Jahr über unermüdlich Geld und auch Sachspenden. Bei den jährlichen Besuchen kommt Erbrich meist nicht allein nach Ostafrika. „Eine Zahnärztin hat mich schon begleitet, oder ein Klempner, der vor Ort die Sanitäranlagen auf Vordermann gebracht hat.“ Auch die Pfarrgemeinde „St. Gertrud“ aus Leipzig-Engelsdorf unterstützt das Waisenhaus. Ohne ihre engagierten Helfer, das betont sie, könne sie ihre Arbeit so gar nicht leisten.

Ihr Engagement nach zehn Jahren einfach aufzugeben, das kann sich die 53-Jährige nicht vorstellen. „Es ist immer wieder so schön, wenn ich erlebe, wie sich Kinder weiterentwickelt haben oder ich andere tolle Neuigkeiten aus dem Waisenhaus höre.“ Das Schicksal eines Jungen ist dafür ein besonders schönes Beispiel: „Benedikt ist etwa 14 Jahre alt, genau kann das niemand sagen, weil er als Kleinkind auf der Straße gefunden wurde. Er hat nie gelernt zu sprechen. Mit unserer Hilfe konnte er operiert werden, wird nun logopädisch betreut und lernt die ersten Laute und Worte.“

Dass sich der Einsatz lohnt, zeigt auch die Entwicklung von anderen Kindern aus dem Heim. Drei der älteren Bewohner machen eine Ausbildung zur Schneiderin, beziehungsweise zum Kfz-Mechaniker. „Den Kindern ist klar, dass sie großes Glück haben, eine Schule besuchen zu können. Sie sind viel ernsthafter und aufmerksamer beim Unterricht, als man es aus deutschen Klassenzimmern kennt.“ Rund 400 Euro kostet der Schulbesuch der Secondary School für ein Kind im Jahr. „Das Heim wird von der Stadtverwaltung und der Kirche unterstützt. Außerdem gibt es in Geita eine Goldmine, die sich ebenfalls für das Heim einsetzt. Aber das Geld reicht lange nicht“, so Erbrich.

Etwa 30 Kinder haben eine Patenfamilie in Deutschland, die regelmäßig nach Tansania spenden. Aber auch durch Konzerte mit dem Brandiser Gospelchor, den Erbrich leitet, kommen weitere Spendengelder zusammen. „Ebenfalls besteht Kontakt in Form von Brieffreundschaften,“ sagt Erbrich. „Die Kinder freuen sich immer, wenn sie Post aus Deutschland erhalten und antworten fleißig.“

Als Tradition zum Jahresende hat sich ein Kalender etabliert, den sie zusammenstellt, mit Fotos aus dem Waisenhaus und afrikanischen Lebensweisheiten, die durch das Jahr führen. „Die Grafik macht eine Freundin für mich und die Firma meines Mannes unterstützt den Druck. So gehen wirklich 100 Prozent der Einnahmen zu den Kindern nach Afrika. Für neun Euro ist der Kalender zu haben. „Dieses Jahr haben wir erfreulicherweise schon 300 Stück verkauft. Einige haben wir aber noch auf Lager.“ Nicht nur ihr Mann unterstützt sie bei ihrer Hilfe für das Waisenhaus, auch ihr Sohn, ein ausgebildeter Krankenpfleger, absolvierte ein Praktikum in Tansania und besuchte die Kinder später erneut, um sie mit Impfungen zu versorgen.

Außerdem brachte Erbrich den Kindern bei einem ihrer Besuche Fahrräder und dazu gleich einen Helfer mit, der den ihnen zeigte, wie man etwa einen kaputten Reifen repariert. Ein besonderes Mitbringsel war aber in diesem Sommer eine moderne Waschmaschine. „Jeden Samstag ist im Heim großer Waschtag. Dann werden alle schmutzigen Kleidungsstücke auf einen Haufen geworfen und gewaschen“, erklärt Erbrich. Bisher immer per Hand, dank der neuen Waschmaschine geht das jetzt um einiges leichter.

„Jedes Kind hat dort seine Aufgabe, sei es die Wäsche zu erledigen, die Schlaf- und Gemeinschaftsräume sauber zu halten oder sich um den Garten und die Tiere zu kümmern“, beschreibt die Waldsteinbergerin. Denn mittlerweile gehören auch Hühner, Schweine und Kühe zum Waisenhaus. Sie bereichern nicht nur den Speiseplan der Kinder, sondern können auch verkauft werden und bringen so zusätzliche Einnahmen. Nicht alle Kinder verbringen ihre gesamte Kindheit im Waisenhaus. Manche von ihnen werden von Verwandten aufgenommen oder von Familien aus Tansania oder anderen afrikanischen Ländern adoptiert.

Die Gymnasiallehrerin hofft, dass sie ihre Unterstützung für die Kinder noch lange aufrecht halten kann. „Es ist toll zu sehen, was wir alles geschafft haben.“ Für die Kinder ist Bildung der Schlüssel zum Erfolg, sie haben gute Chancen eine Ausbildung zu machen und eine Arbeit zu finden. Auf lange Sicht sind sie damit eine Bereicherung für ihr Heimatland.

Spendenkonto

Kontoinhaber: missio Aachen

Bank: Pax Bank, Köln

IBAN: DE23 3706 0193 0000 1221 22

BIC: GENODED1PAX

Verwendungszweck: TR004716 AIDS-Waisen Geita

Der Kalender für 2017 mit Bildern aus dem Waisenhaus und afrikanischen Lebensweisheiten kostet 9 Euro. Erhältlich ist dieser bei Annette Erbrich über: info@gospelchor-brandis.de.

Die Spenden kommen zu 100 Prozent an, es werden keine Verwaltungskosten erhoben.

Von Tatjana Kulpa

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