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Unternehmensnachfolge: Meilenstein für Neueinstieg in Glasbranche

Unternehmensnachfolge: Meilenstein für Neueinstieg in Glasbranche

Als er vor einigen Jahren in die Branche eintrat, war Glas für ihn Neuland. Vier Jahre nach der Übernahme der Flachglas Sachsen in Grimma hat Stefan Witte Umsatz und Mitarbeiterzahl etwa verdoppelt.

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Stefan Witte erhält für die erfolgreiche Unternehmensnachfolge den Sächsischen Meilenstein.

Quelle: Andreas Röse

Grimma. Für die erfolgreiche Unternehmensnachfolge wurde der 46-Jährige gestern Abend in Wermsdorf mit dem Sächsischen Meilenstein geehrt.

Wenn Witte durch die Produktion geht, dann schüttelt er viele Hände. Die von Flachglasmechaniker Thomas Kindermann oder die von Fertigungsleiter Torsten Kammer. Die Mitarbeiter begegnen ihm unerschrocken, auch wenn nach Aussagen von einzelnen einen anderen Kurs als seine Vorgängerin einschlägt. Er beobachtet genau, wie ein Greifer mit Saugnäpfen eine riesige Scheibe auf den Schneidetisch legt. „Für den Umgang mit Glas braucht man Fingerspitzengefühl und Routine", sagt der Diplomkaufmann.

Mit diesen Eigenschaften ausgestattet bringt der umtriebige Geschäftsmann wichtige Voraussetzung für die Übernahme der Flachglas im Jahr 2008 mit. Nachdem er jahrelang im Auftrag von großen Beteiligungsgesellschaften Unternehmen saniert und integriert hat, sucht er ein eigenes Schiff, das er selbst durch die Wellen führen kann. „Die Krise am Fenster ist vorbei", stellt er fest, als er sein Augenmerk auf die zum Verkauf stehende Flachglas in Grimma lenkt. Weil sich der Fensterbau auf dem Weg zur Energiewende abkoppelt von der Baukonjunktur sieht Witte eine Zukunft für sich, das Unternehmen und seine Mitarbeiter. „Wir sind Teil des Energiesparpakets im Hausbau", so Witte.

Der in Köln beheimatete Finanzexperte macht keinen Hehl daraus, das er von Firmengründerin Gabriele Jetter ein gut aufgestelltes Unternehmen übernimmt. Der mittelständische Hersteller von Isolierglasscheiben hat sich seit 1992 in der Branche etabliert und durch seine Vernetzung mit Fensterbauern und Herstellern von Beschlägen am Standort nördlich von Grimma einen Vorteil gegenüber Wettbewerbern verschafft. „Ich hatte das Gefühl, das in dem Unternehmen noch mehr Potenzial steckt", so Witte.

Dieses Potenzial hat der neue Geschäftsführer gemeinsam mit einem Finanzpartner in den zurückliegenden vier Jahren freigesetzt. In Grimma investierte er knapp zwei Millionen Euro, unter anderem in eine zweite Fertigungslinie. Bis zu 400 verschiedene Sorten Glas – von einfach bis geriffelt, von klein bis riesengroß – werden hier jährlich verarbeitet. Durch neueste Technologien behaupten sich die Grimmaer auf dem heftig umkämpften Markt. Denn nicht nur hohe Energiekosten und die neue Zeitarbeiterregelung belasten auf der Kostenseite. Billiganbieter aus Tschechien drängen auf den deutschen Markt und machen einheimischen Anbietern Absatzmärkte streitig. „Das sind wirtschaftspolitische Herausforderungen, die wir meistern müssen", sagte Witte.

Natürlich hat der erfahrene Sanierer eine Plan. Bei jedem Gang durch die Produktion sieht er Möglichkeiten, die Fertigung zu optimieren. Wo Maschinen präziser arbeiten als Menschen, investiert er. Wachstum kompensiere drohenden Personalabbau, sagt Witte. Wer etwas kann, müsse um seinen Arbeitsplatz jedoch nicht fürchten. Denn Maschinen müssten bedient werden. „Wir verfügen über hochqualifiziertes und verantwortungsbewusstes Personal", weiß er um seinen Standortvorteil. Unterschiedliche Löhne, die im Unternehmen von einigen Mitarbeitern als Ungerechtigkeit empfunden werden, verteidigt er als unterschiedliche Vergütung für individuelle Leistungen. Durch hohe Qualität und eine niedrige Reklamationsquote hätten sich die Grimmaer ein Alleinstellungsmerkmal am Markt erarbeitet. „Nur so können wir überleben", ist Witte überzeugt. Renommierte Großprojekte wie die Leipziger Messe, die Fertigungshallen von Porsche in Leipzig, die Deutsche Bank in Frankfurt und das Konzernforum von Volkswagen in Wolfsburg schützen Fenster- und Fassadenscheiben der Marke Flachglas Grimma.

Mit dem Einstieg in die Flachglas Sachsen hat Witte die Weichen für die Zukunft gestellt. „Eine kleine Unternehmensgruppe war immer mein Traum", sagt er. Diese wolle er mal seinen drei Kindern übergeben. Mit der kürzlich von der Insolvenz bedrohten Visio Glas in Thüringen unterhält die Scheibenproduktion inzwischen einen weiteren Standort. Der jährliche Umsatz beider Unternehmen liegt bei 16 Millionen Euro. 100 Arbeitsplätze sind gesichert.

Birgit

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