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Wurzen Unterschätzter Sofa-Tourismus: Wenn Besucher bei Verwandten nächtigen
Region Wurzen Unterschätzter Sofa-Tourismus: Wenn Besucher bei Verwandten nächtigen
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00:17 24.12.2016
Unter der einheitlichen Dachmarke Leipzig Region werden auch das Sächsische Burgen- und Heideland und das Leipziger Neuseenland vermarktet. Quelle: André Kempner
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Landkreis Leipzig

Leipzig gilt als jung und hip. Und das Umland profitiert von diesem Ruf. Für 2015 vermeldete die Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM) einen erneuten Rekord. Die Zahl der Übernachtungen stieg demnach zum zehnten Mal in Folge und lag für die Stadt Leipzig im vergangenen Geschäftsjahr bei 2,9 Millionen. „Hinzu kommen weitere 2,7 Millionen Besucher, die in der Region Leipzig gezählt wurden“, erklärt Sandra Brandt, zuständige Abteilungsleiterin der LTM. Damit tragen das Leipziger Neuseenland, das Sächsische Burgen- und das Sächsische Heideland zur positiven Entwicklung des Fremdenverkehrs bei.

Die Zahlen entstammen einer jetzt vorgelegten Erhebung, die im Auftrag der LTM erstellt und unter dem Titel „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ veröffentlicht wurde. „Dass Leipzig und die Region seit zwei Jahren gemeinsam vermarktet werden, hat sich ausgezahlt“, erklärt Sandra Brandt. Um nationale und erst recht internationale Gäste an Mulde oder Pleiße, in die Heide oder ins Leipziger Neuseenland zu locken, bedürfe es eines starken Zugpferdes. Leipzig sei prädestiniert, diese Rolle zu erfüllen. „Seit 2015 ist auch das neue Internetportal der Marke Leipzig Region mit der Stadt, dem Neuseenland, dem Heide- und Burgenland online“, ergänzt die Touristik-Fachfrau. Für jeden Landstrich und natürlich die Boomtown Leipzig gebe es spezielle Angebote, so dass sich kein Partner benachteiligt fühlt und regionale Besonderheiten zum Tragen kommen.

Während in der Großstadt klar die Hotellerie und das Kongress-Geschehen dominieren, machen in der Region auch die Vorsorge- und Reha-Kliniken einen Großteil der Übernachtungen aus. Gut 22 Prozent entfallen laut jüngster Erhebung auf diese Kategorie. In Hotels bettet ein Drittel der Gäste sein müdes Haupt. Camper fallen mit 17,5 Prozent ins Gewicht. Ferienwohnungen, Gasthöfe und Privatvermieter bringen es zusammen auf 21 Prozent. Immerhin knapp neun Prozent der Gäste steigen in Jugendherbergen und Schulungsheimen ab.

„Kaum beachtet wird bislang das graue Segment der Übernachtungen, der sogenannte Sofatourismus“, macht Sandra Brandt aufmerksam. Darunter versteht die Branche Besuche von Bekannten, Verwandten oder Familienangehörigen, die in Privathaushalten nächtigen – meist unentgeltlich und unter Umgehung jedes Reisebüros oder Online-Portals. „Um auch diese Besucher zu erfassen, wurde im Frühjahr 2016 eine repräsentative Haushaltsbefragung durchgeführt.“ In Stadt und Region Leipzig gibt es insgesamt rund 660 000 Haushalte, die theoretisch ein Gästesofa anbieten können. Und das scheint in der Praxis auch mächtig in Mode zu sein. „In der Stadt Leipzig haben 52 Prozent und in der Region 45 Prozent der Haushalte in den zurückliegenden zwölf Monaten mindestens einen Übernachtungsgast beherbergt“, erläutert die LTM-Mitarbeiterin. Laut Erhebung ergeben sich damit rund 10,4 Sofa-Übernachtungen jährlich pro Leipziger Haushalt, in der Region sind es immerhin 11,5. Wenn es gelänge, nur knapp die Hälfte der Sofa-Touristen für Hotels oder Pensionen zu begeistern, würde das bei den „offiziellen“ Übernachtungen ein Plus von rund 1,5 Millionen ausmachen. „Das setzt Marketing, geeignete Kapazitäten und adäquate Preise voraus“, heißt es in der LTM-Untersuchung. Dann allerdings könne das vielfach unterschätzte „graue“ Segment in konkrete Nachfrage umgemünzt werden.

Beachtlich ist schon jetzt die Masse der Tagesreisenden, die die Region zwischen Delitzsch im Norden und Geithain im Süden erkunden. Deren Zahl wird für das Sächsische Burgen- und Heideland sowie das Leipziger Neuseenland im Geschäftsjahr 2015 mit 17,8 Millionen angegeben. Im Jahr zuvor waren es noch 17,3 Millionen. Also auch hier eine Steigerung.

Dass im Urlaub in der Regel nicht gespart wird, spiegelt die Höhe der Tagesausgaben wieder. Ein Übernachtungsgast gibt im Umland im Durchschnitt rund 120 Euro aus, in Leipzig lässt ein Hotelbesucher mit 188 Euro sogar noch mehr Bares.

Auch wenn Tagesausflügler, die von Leipzig aus das Umland erkunden, nicht in Hotels absteigen, lassen sie rund um Grimma, Markkleeberg oder Eilenburg die Kassen klingeln. Immerhin, so LTM, landet jeder zweite Euro, den ein Tourist ausgibt, im regionalen Gastgewerbe. Weiterer Profiteur sei der Einzelhandel. Aber auch für Freizeit, Unterhaltung oder Parkgebühren bleibe Umsatz in der Region hängen.

Von Simone Prenzel

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