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Unwetter-Bilanz im Landkreis: Entwurzelte Bäume, Schlammlawinen und verwüstete Parks

Donnergrollen und Blitze Unwetter-Bilanz im Landkreis: Entwurzelte Bäume, Schlammlawinen und verwüstete Parks

Das Unwetter kam nicht überraschend, dafür um so heftiger. Eine Gewitterzelle tobte sich am Dienstagabend über dem Landkreis Leipzig aus. Entwurzelte Bäume, vollgelaufene Keller und Schlammlawinen waren die Folge. Die Rettungsleitstelle war zeitweise überlastet.

Zu mehreren Unwetter-Einsätzen musste am Dienstag die Feuerwehr Pegau ausrücken: Im Wohngebiet Am Wasserturm stand das Wasser knöchelhoch und musste abgepumpt werden.

Quelle: Feuerwehr Pegau

Landkreis Leipzig. Das Unwetter mit Hagel, Starkregen und Sturmböen hat im Landkreis schwer gewütet. Während es einige Regionen heftig traf und die Feuerwehren kaum zum Luftholen kamen, wurden andere Orte komplett verschont (die LVZ berichtete). In der Rettungsleitstelle Grimma standen die Telefone ab 17.50 Uhr nicht mehr still. „Bis gegen 21 Uhr gingen 65 Anrufe wegen Unwetterschäden bei uns ein“, berichtete Carola Schneider, Geschäftsführerin des Rettungszweckverbandes. Allein 27 Einsätze wurden wegen umgestürzter Bäume nötig. An drei Gebäuden kam es zu Dachstuhlbränden beziehungsweise Blitzeinschlag. Die Einsatzorte waren über die gesamte Region verstreut. Am heftigsten tobte sich das Gewitter in Markkleeberg, Grimma, Neukieritzsch, Kitzscher, Otterwisch und Parthenstein aus. In Bad Lausick war ein Baum auf die Schiene gekracht und beeinträchtige den Zugverkehr. Auch abgerissene Stromkabel und vom Wasser hochgedrückte Gullis wurden der Leitstelle gemeldet.

Mit am schwersten betroffen waren die Stadt Kitzscher und der Ortsteil Thierbach, über die der Sturm mit voller Wucht herzog. In Thierbach zertrümmerte eine umgestürzte Linde den Biergarten des Gasthofes. Der ist nun ausgerechnet in der besten Freiluftsaison nicht mehr nutzbar. Im öffentlichen Raum sind in Kitzscher zahlreiche Bäume auf Straßen gefallen. Die Feuerwehr war viereinhalb Stunden im Einsatz. Die Staatsstraße 48 war zwischen Kitzscher und Thierbach längere Zeit gesperrt. Hier mussten die Feuerwehrleute auf die Fahrbahn gestürzte Bäume beseitigen und im Kreuzungsbereich unmittelbar an der Feuerwehr eine Schlammlawine wegschaufeln, die vom Feld auf die Kreuzung geflutet war. Auch im Stadtgebiet hatte der Sturm mehrere Bäume umgerissen. Nach erstem Überblick von Feuerwehrchef Marco Baaske ist dabei aber kein größerer Schaden entstanden. Glück hatte der Besitzer eines Autos, das in der Nordstraße stand. Herabstürzende Äste knickten nur die Antenne ab. In der Grundschule musste der Keller ausgepumpt werden, in dem das Wasser um die 30 Zentimeter hoch stand.

„Wen man auch fragt, an so einen schlimmen Sturm konnte sich niemand erinnern“, sagt der Feuerwehrchef nach dem Einsatz. Mirko Lorenz vom Bauhof bestätigt diese Einschätzung. Ob Oberschule, Rathaus oder Kindergarten, überall sind Äste herabgestürzt oder ganze Bäume umgefallen. Besonders schwer betroffen ist der Stadtpark.

Stromausfall legt Entwässerung und Supermarkt lahm

Im Raum Neukieritzsch hatten Bewohner und Firmen vor allem mit einem Stromausfall zu tun. Gegen 18 Uhr ging in mehreren Orten das Licht aus, kurz vor 20 Uhr hatte zumindest Neukieritzsch wieder Strom. Für den Edeka-Markt war das zu spät, der hatte schon mit Beginn des Stromausfalls schließen müssen. Für den Musikverein Neukieritzsch-Regis bedeutete der Stromausfall eine Probe unter erschwerten Bedingungen, schließlich waren die Noten im Kellergeschoss der Grundschule aufgrund der Dunkelheit kaum zu lesen. Die Feuerwehren waren den ganzen Abend über in Neukieritzsch und den Ortsteilen im Einsatz. Die Lobstädter Kameraden sperrten unter anderem die Altenburger Straße in ihrem Ort. Nach dem Stromausfall funktionierten die Pumpen für die Straßenentwässerung nicht und die Straße stand unter Wasser. In Großzössen sperrten die Feuerwehrleute den Bereich rund um das Trafohäuschen, weil es dort an einem der Isolatoren brannte. Zwei Bäume und eine Schlammlawine blockierten zeitweise die Straße zwischen Großzössen und Haubitz und mussten von der Feuerwehr beseitigt werden.

Auf der Festwiese am Rittergut, wo ab Freitag das Dorffest gefeiert wird, half Neue-Helene-Chef Andreas Bodenlos dem Mitarbeiter des Bauhofes, die herabgefallenen Äste aufzulesen. Eine Multicar-Ladung kam zusammen. Die schon angereisten Schausteller, sagt Bodenlos, seien wohlauf, das Fest nicht gefährdet.

Unwetter bringt Lutherlinde zu Fall

In der Gemeinde Parthenstein wütete das Unwetter ebenfalls heftig. Im Ortsteil Pomßen schlug ein Blitz in ein Wohnhaus an der Kurzen Straße, was die Feuerwehr auf den Plan rief. „Es brannte zwar nicht, trotzdem entstanden erhebliche Schäden“, berichtete Bürgermeister Jürgen Kretschel (parteilos). „Die Wasserleitung im Gebäude ist defekt. Außerdem brachte der Blitz die Stromleitungen des Hauses zum Glühen. Die Gemeinde muss die Straßenbeleuchtung in der Kurzen Straße und Schulstraße reparieren lassen, die nicht mehr funktioniert.“ Im benachbarten Belgershain stürzten an der Kirschallee, einem Feldweg, zwei Bäume um. In Naunhof fiel ein Baum an der Erdmannshainer Straße. Von 19 bis 22 Uhr war die Feuerwehr von Otterwisch im Einsatz. „Vor allem den Ostteil der Gemeinde hat es erwischt“, resümierte Bürgermeister Matthias Kauerauf (parteilos). An einigen Häusern seien die Dächer zum Teil massiv beschädigt worden, mindestens 50 Bäume seien umgefallen. Laut dem kommissarischen Wehrleiter Ronny Koitz waren unter anderem Bäume am Kindergarten sowie am Ober- und Mühlteich betroffen. Im Ortsteil Großbuch hat es die Lutherlinde an der Kirche entwurzelt. Laut Ortschronist Karlheinz Herfurth war sie 1883 zum 400. Geburtstag des Reformators gepflanzt worden und hatte den stolzen Stammumfang von 3,65 Metern. Auf dem Bauhofgelände schlug ein Blitz in eine Kastanie.

Im Schlosspark Thammenhain wurde ein 200 Jahre alte Linde entwurzelt

Im Schlosspark Thammenhain wurde ein 200 Jahre alte Linde entwurzelt. Schlossherr Rüdiger von Schönberg ist sprachlos über die brachiale Gewalt von Mutter Natur

Quelle: Frank Schmidt

Großer Schaden ist im Schlosspark Thammenhain (Gemeinde Lossatal) entstanden. Hier wurde eine über 200-jährige und 35 Meter hohe Linde mit einem 3,5 Meter großen Stammdurchmesser entwurzelt. „Der ideelle Schaden ist um einiges höher als der nicht näher zu beziffernde finanzielle Verlust“, zeigte sich Schlossherr Rüdiger von Schönberg entsetzt über die brachiale Gewalt von Mutter Natur. Überdies gehörten überall abgebrochene Äste und Zweige ebenso zum Schadensbild im Schlosspark wie eine weitere große Linde, die wie ein Streichholz abgenickt wurde. Am Tag danach war zumindest für Familie Schwan im Schlossteich die Welt wieder in Ordnung, sie überlebte mit ihren sechs Jungen den Sturm unbeschadet.

Hohnstädter Berg verwandelte sich in einen Sturzbach

Die Freiwillige Feuerwehr in Grimma kam zum Einsatz, um im Stadtgebiet an mehreren Stellen herabgestürzte Äste zu beräumen. Schwerpunkte waren der Schwanenteichpark, die Robert-Blum-Straße und die Lausicker Straße. Die Wurzener Straße, auch als Hohnstädter Berg bekannt, wurde im Zuge der kurzen, jedoch heftigen und ergiebigen Niederschläge zum Sturzbach. Das Oberflächenwasser konnte von den Straßenabläufen nicht aufgenommen werden und floss tosend talwärts, wo es sich hauptsächlich in der Wiesenstraße sammelte und zeitweise für Überschwemmungen sorgte. Zum Schluss wurde noch im Keller des Sparkassengebäudes am Markt ein Wassereinbruch gemeldet. Allerdings waren der angerückten Feuerwehr die Hände gebunden, da die Kameraden keinen Verantwortlichen erreichen konnten, so dass der Einsatz unverrichteter Dinge abgebrochen werden musste.

Im Gegensatz dazu kamen Bennewitz, Borsdorf und Brandis glimpflich davon, hier gab es laut Stadt- und Gemeindeverwaltungen keine Schäden. Bei beeindruckenden Wolkenformationen und Regengüssen blieb es ebenso in Machern. „Wir mussten niemandem zu Hilfe eilen“, erklärte Gemeindewehrleiter David Kolodziej.

Die Kreisstadt Borna wurde gleichfalls weitgehend verschont. Am Bahnhof standen Reisende am Dienstag ratlos in der Unterführung, die die einzige Verbindung zum Ausgang darstellt. Durch den Starkregen stand sie an der tiefsten Stelle knöcheltief unter Wasser. Wer nicht illegal über die Gleise gehen wollte, für den hieß es: Augen zu und durch. Die Feuerwehr musste lediglich zu einem Einsatz ausrücken und einen Keller auspumpen, hieß es aus dem Rathaus. Schäden an Bäumen beseitigte am Mittwoch der Wirtschaftshof.

Glimpflich ist Groitzsch davongekommen. „Wir wurden nur zu einem vollgelaufenen Keller im Ortsteil Wischstauden gerufen“, sagte Feuerwehrsprecher Mike Köhler. Die Kameraden pumpten aus, der Schaden habe sich in Grenzen gehalten. Die Pegauer Feuerwehren rückten am Dienstagnachmittag zu sieben Einsätzen aus. Aktive der Ortsfeuerwehren Werben, Kitzen und Kleinschkorlopp wurden wegen eines auf die Straße gestürzten Baumes alarmiert. Nachdem er mit einer Motorsäge zerkleinert worden war, wurde er weggeräumt. Elf Pegauer Kameraden mit Einsatzleiter Michael Schnabel mussten unter anderem eine Tiefgarage in der Straße An der Ratsziegelei und einen Keller in der Ernst-Reinsdorf-Straße auspumpen. Zudem hatten eine Ausspülung von einem Feld und ein übergelaufener Graben im erst locker bebauten neuen Bereich des Wohngebiets Am Wasserturm zwei Straßen überspült, sodass hier reichlich zu pumpen war. „Da stand das Wasser knöchelhoch“, sagte Feuerwehrsprecher Ronny Wiesner. Schließlich waren die Kameraden auch auf dem eigenen Gerätehausdach gefordert, wo der Regen aufgrund von Sanierungsarbeiten nicht abfließen konnte. In einige Häuser behalfen sich die Bewohner selbst, wie Schläuche aus den Kellern auf die Straße zeigten. Zudem kümmerten sich Bauhofmitarbeiter um den Keller der Grundschule, wo Wasser aus der Kanalisation hineindrückte. „Wir bauen dort jetzt eine Rückschlagklappe ein“, erklärte Bauamtsleiter Gunther Grothe. Einen Ast, der auf den Schulhof gestürzt war, aber keine Gefahr bildete, beräumten Stadtbedienstete am Mittwochvormittag. In Elstertrebnitz und Regis-Breitingen wurden die Feuerwehren nicht alarmiert.

Insgesamt 8000 Kunden ohne Strom

Stromversorger Envia hatte am Mittwoch noch mit den Nachwehen des Unwetters zu kämpfen. In Grimma arbeitete das Unternehmen noch an der Reparatur eines Schadens an einer Mittelspannungsleitung. Insgesamt waren im Landkreis Leipzig am Dienstagabend zeitweilig 8800 Kunden gleichzeitig ohne Strom. Ursachen waren laut Unternehmenssprecherin Evelyn Zaruba insbesondere Blitzeinschläge, Baumumbrüche oder abgebrochene Äste, welche Anlagen und Leitungen beschädigten. Rund zwei Stunden lang waren die Orte Kahnsdorf, Neukieritzsch, Lippendorf, Eula, Haubitz, Deutzen, Gestewitz und Witznitz betroffen. Auslöser waren ein Blitzeinschlag und ein Feuer an einer Vogelschutzhaube am Trafohaus in Großzössen. Kontrolliert wurde Mittwoch noch eine Mittelspannungsfreileitung auf der Kippe zwischen Deutzen und Neukieritzsch. Dort hatte die Neukieritzscher Feuerwehr am Dienstagabend auf der Rückfahrt von Großzössen einen Feuerschein entdeckt. Ein starker Ast war in die Leitung gefallen und hatte Feuer gefangen, die Kameraden, die zuvor schon einen Keller ausgepumpt hatten, sicherten die Stelle bis zum Eintreffen eines Teams des Stromversorgers.

Von André Neumann, Frank Pfeifer, Frank Schmidt, Ines Alekowa, Julia Tonne, Nikos Natsidis, Olaf Krenz, Simone Prenzel

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