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VHS und Musikschulen gehen die Honorarkräfte aus

Dozentenmangel VHS und Musikschulen gehen die Honorarkräfte aus

Einen Mangel an Dozenten und Lehrkräften gibt es an den Volks- und Musikschulen des Landkreises. Die VHS musste bereits Kurse absagen. Den Musikschulen fehlen ebenfalls Honorarkräfte. Die kreiseigenen Einrichtungen fürchten, dass die Qualität langfristig leidet.

Auch für die Musikschulen des Landkreises wird es immer schwieriger, Honorarkräfte zu finden.

Quelle: Andreas Döring

Landkreis Leipzig. Massive Schwierigkeiten, ihren Personalbedarf zu decken, haben derzeit die Volks- und Musikschulen im Landkreis. Beiden gehen die Honorarkräfte aus. Und neue sind immer schwerer zu finden. Auf das Problem machte Thomas Friedrich, Leiter der Weiterbildungsakademie des Landkreises (WALL) und somit auch Chef der beiden Volkshochschulen Muldental und Leipziger Land, aufmerksam. Klaus-Dieter Anders, Leiter des Eigenbetriebs Musikschulen, plagen ähnliche Sorgen.

„Die Situation war noch nie so dramatisch“, erklärte Friedrich vorm jüngsten Betriebsausschuss für die kreiseigenen kulturellen Einrichtungen, der am Donnerstag in Borna tagte. „Wir haben massive Probleme, Kurse überhaupt zu besetzen. Gut nachgefragte und beliebte Angebote können 2017 erstmals nicht stattfinden, weil es an Personal fehlt“, so der Direktor des Eigenbetriebes. Dass potenzielle Teilnehmer in die Röhre schauen, könne sich dabei als Bumerang erweisen. „Wenn wir Kurse absagen müssen, verschlechtert das unsere Gesamtsituation“, warnte Friedrich. Außerdem leide das Image der VHS als kommunales Weiterbildungszentrum.

Thomas Friedrich, Leiter der Weiterbildungsakademie des Landkreises

Thomas Friedrich, Leiter der Weiterbildungsakademie des Landkreises.

Quelle: Thomas Kube

Das Problem: Langjährige ältere Dozenten steuern auf den Ruhestand zu. Und für neue Leute ist die Vergütung einfach nicht attraktiv. Die Gehaltsentwicklung und die positiven Tendenzen am Arbeitsmarkt würden es der VHS zudem schwer machen, sich zu behaupten. Außerdem sei für viele Lehrkräfte die Differenz bei den Honoraren nur schwer nachvollziehbar. „Bei den Deutschkursen, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge beauftragt, werden durchgängig 35 Euro gezahlt.“ Ein Niveau, das die VHS lange nicht erreicht. Friedrich machte dazu folgenden Vergleich auf: „Englischdozenten, die auf dem Sprachniveau B2 unterrichten, erhalten mit 20 Euro Honorar lediglich knapp 60 Prozent eines Deutschlehrers in einem vom Bund geförderten Kurs. Und hier wird auf dem niedrigen Niveau A1/A2 unterrichtet.“ Um einigermaßen attraktiv zu sein, müsse perspektivisch die Zahl der Festangestellten erhöht werden, mahnte Friedrich. Das gehe nicht ohne weiteres Geld aus dem Kreis-Haushalt. Inhaltlich ist die VHS dabei schon seit zwei Jahren bestrebt, neue Zielgruppen zu erschließen. „Der Weiterbildungsbedarf in den kleinen und mittelständischen Unternehmen ist enorm.“ Hier wolle man ansetzen und einen Weiterbildungsberater einstellen, der auf die Firmen zugeht und maßgeschneiderte Angebote entwickelt. „Wir begrüßen, dass sich die Weiterbildungsakademie dem Thema stellt“, erklärte dazu Landrat Henry Graichen (CDU). Allerdings, gab er zu bedenken, sei eine weitere sechsstellige Finanzspritze im Etat nicht darstellbar. Ausschussmitglieder wünschten sich zudem noch mehr Informationen, um sachgerecht entscheiden zu können.

Musikschul-Chef Klaus-Dieter Anders muss derzeit mächtig trommeln, um genug Personal zu bekommen

Musikschul-Chef Klaus-Dieter Anders muss derzeit mächtig trommeln, um genug Personal zu bekommen.

Quelle: André Neumann

Auch an den Musikschulen „Ottmar Gerster“ in Borna und „Theodor Uhlig“ in Wurzen spitzt sich die personelle Lage zu. Derzeit sorgen 112 Honorarkräfte und 49 Festangestellte dafür, dass wöchentlich 3500 Schüler eine musische Ausbildung erhalten. Ohne eine stufenweise Anhebung der Honorare und die teilweise Umwandlung in feste Stellen werde es auch hier schwierig werden, die Qualität zu halten, hieß es. „Zum Schuljahresende werden uns zehn Prozent der Honorarkräfte verlassen“, nannte Klaus-Dieter Anders, Leiter des Eigenbetriebes Musikschulen, Zahlen. Etliche würden sich als Quereinsteiger an staatlichen Schulen eine neue Perspektive suchen. „Hier sind die Verdienstmöglichkeiten deutlich besser“, beschreibt er das Dilemma. Die Attraktivität des Berufsbildes Musikschulpädagoge habe durch die mangelnde Perspektive einer Festanstellung an den Musikschulen so gelitten, dass die Zahl der Studienbewerber dramatisch zurückgehe und die Gefahr bestehe, dass es in zehn Jahren keinen qualifizierten Nachwuchs mehr gibt.

Zudem schwebt ein weiteres Damoklesschwert über den Einrichtungen. „Bundesweit gibt es bereits Fälle, bei denen die Rentenkasse Rückzahlungen von Sozialversicherungsbeiträgen in Millionenhöhe gefordert hat“, berichtete Anders. Der Vorwurf: Etliche Honorarkräfte seien scheinselbstständig und die Arbeitgeber hätten sich nur die Abführung von Sozialabgaben gespart. Noch sei das Thema für den Landkreis Leipzig nicht akut. Allerdings beschäftige sich der Spitzenverband der Musikschulen schon länger mit dieser Gefahr, berichtete Anders. In naher Zukunft plant die Musikschule deshalb, mehr Lehrkräfte anzustellen. Das Ziel: Bis zum Jahr 2020 sollen rund 70 Prozent der Unterrichtsstunden durch feste Mitarbeiter erbracht werden. Derzeit sind es knapp über die Hälfte. Auch hier gab der Ausschuss noch kein grünes Licht. Im September sollen die verfeinerten Konzepte vorgelegt und erneut beraten werden.

Von Simone Prenzel

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