Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Verein fordert Verkaufsstopp des Wurzener Ringelnatzhauses

Offener Brief Verein fordert Verkaufsstopp des Wurzener Ringelnatzhauses

Nachdem der parlamentarische Ausschuss für den Kulturbetrieb Wurzen die Stadtverwaltung beauftragt hat, einen möglichen Verkauf des Ringelnatz-Geburtshauses zu prüfen, fordert der Ringelnatzverein jetzt in einem offenen Brief den sofortigen Stopp des Vorhabens.

Nachdem der letzte Mieter, der Wurzener Geschichts- und Altstadtverein, aus dem Ringelnatz-Geburtshaus gezogen ist, steht die sanierungsbedürftige Immobilie im Crostigall 14 leer.

Quelle: Frank Schmidt

Wurzen. Der Ringelnatzverein hat jetzt in einem offenen Brief den Stopp eines möglichen Verkaufes des Ringelnatz-Geburtshauses in Wurzen an einen privaten Investor gefordert. Wie Vereinsvorsitzende Viola Heß mitteilte, sei das Schreiben an alle Ringelnatzfreunde in Deutschland, an Institutionen der Literatur, der Malerei und des Kabaretts sowie an die Kulturverantwortlichen in Sachsen und im zuständigen Kulturraum Leipziger Land versandt worden. Darin bittet die Gemeinschaft nicht nur den angedachten Verkauf zu verhindern, sondern zugleich Gelder für die Sanierung und das Betreiben zu akquirieren sowie Lösungen für die Nutzung der Immobilie Crostigall 14 zu finden, in der Schriftsteller, Kabarettist und Maler Hans Gustav Bötticher, alias Joachim Ringelnatz, am 7. August 1883 das Licht der Welt erblickte.

Bestes Tafelsilber

Der Verein reagierte damit auf den Beschluss des parlamentarischen Ausschusses für den Kulturbetrieb Wurzen vor wenigen Tagen. Auf Vorschlag des CDU-Mandatsträgers Sven Hinneburg votierten damals alle Mitglieder sowie Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) für die „ernsthafte Überprüfung“ einer Veräußerung des kommunalen Objektes durch die Verwaltung.

Ringelnatz-Geburtshaus

Soll das Ringelnatz-Geburtshaus verkauft werden?

Aus Sicht des Ringelnatzvereins verabschiedet sich Wurzen somit vom einst erklärten Ziel, das Haus als nationale Gedenk- und Begegnungsstätte zu sanieren und zu gestalten, da die Rekonstruktion und das Betreiben „einer auf die Pflege und Vorbereitung des Ringelnatz’schen Erbes gerichteten Kulturstätte“ die Stadt finanziell überfordere. Mit diesem Schritt verschleudere Wurzen nicht nur „ihr bestes Tafelsilber“, sondern breche außerdem mit der langen Tradition, „dem Werk und Erbe des im Nationalsozialismus verfemten und in Armut getriebenen großen Künstlers“ eine Heimat in seiner Geburtsstadt zu geben.

Finanzielle Probleme

Immerhin begann schon in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts der damalige Museumsleiter Kurt Bergt, die bis heute gepflegte Ringelnatzsammlung anzulegen. Gleich nach Kriegsende 1946 wurde seitens der Stadt im Beisein der Schwester von Ringelnatz, Ottilie Mitter, am Geburtshaus eine Gedenktafel angebracht. Und trotz finanzieller Probleme ließ Wurzen 1983 das Haus sanieren und einen Ringelnatzbrunnen auf dem Marktplatz errichten.

Jenes lange Bemühen drohe nunmehr abzureißen. „Ringelnatz wird für das städtische Marketing allerorts be- und ausgenutzt“, heißt es weiter. Der Kern des Erbes – das Geburtshaus und die Sammlung – sei im Wert aber weder anerkannt noch bewahrt. Mit dem Verkauf in private Hand, ist sich der Ringelnatzverein sicher, verliere die Stadt Wurzen ihren Status als wichtigster Bewahrer. „Der Beiname Ringelnatzstadt verkommt zur leeren Hülle.“

Defekte Toiletten

Aufgrund von Feuchtigkeitsschäden musste schon 1992 die Ringelnatz-Ausstellung aus dem Geburtshaus ins Kulturhistorische Museum verlegt werden. Seither nutzten Vereine das Gebäude, welches über die Jahre hinweg zusehends verfiel. Ohne Wasseranschluss und mit defekten Toiletten ist es heute gar nicht mehr zu vermieten und steht leer. Noch zum Tag der Sachsen vom 4. bis 6. September und unter dem Motto „Hier ist Wunderland“ lotste der Ringelnatzverein den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) ins Gebäude, der sich sogar als Erster ins Gästebuch mit den Worten einschrieb: „Ich wünsche dem Ringelnatz-Verein bei dem wunderbaren Vorhaben den ungebrochenen Willen und viel Erfolg.“ Schon damals, so Heß, beklagten viele Gäste den Zustand des Hauses. „Vereine der Stadt legten immer wieder gemeinsam mit dem Ringelnatzverein Konzepte ... vor.“ Sie aber scheiterten stets an der gleichen Hürde: nämlich „an der kostendeckenden Betreibung des Hauses ohne weitere Belastung für den schmalen städtischen Kulturetat“.

Daher hoffen Heß und die Mitglieder über den offenen Brief auf ein breites Echo. „Wenn Sie unser Anliegen befürworten und unterstützen wollen, schreiben Sie an Oberbürgermeister Jörg Röglin, Stadtverwaltung Wurzen, Friedrich-Ebert-Straße 2 in 04808 Wurzen, E-Mail j.roeglin@wurzen.de und Cc an den Joachim-Ringelnatz-Verein Wurzen, Domgasse 2, in 04808 Wurzen, E-Mail info@ringelnatz-verein.de“, schließt das Schreiben.

Von Kai-Uwe Brandt

Ringelnatzhaus Wurzen 51.3698806 12.7436557
Ringelnatzhaus Wurzen
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wurzen
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. So haben Sie abgestimmt! mehr

  • LVZ-Fahrradfest
    Logo LVZ-Fahrradfest

    LVZ-Fahrradfest 2016: Sehen Sie hier einen Rückblick mit vielen Fotos von allen Starts, Videos und mehr. mehr

Gemäß des packenden „Drei in einer Reihe“-Prinzips müssen Reihen aus mindestens 3 Steinen gebildet und aufgelöst werden. Hier kostenlos im Spieleportal von LVZ.de spielen! mehr

  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr