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Wurzen Verein fordert Verkaufsstopp des Wurzener Ringelnatzhauses
Region Wurzen Verein fordert Verkaufsstopp des Wurzener Ringelnatzhauses
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20:09 30.11.2015
Soll verkauft werden: Das Haus, in dem Hans Gustav Bötticher, alias Joachim Ringelnatz, am 7. August 1883 geboren wurde Quelle: Foto: Frank Schmidt
Wurzen

Der Ringelnatzverein hat jetzt in einem offenen Brief den Stopp eines möglichen Verkaufes des Ringelnatz-Geburtshauses in Wurzen an einen privaten Investor gefordert. Wie Vereinsvorsitzende Viola Heß mitteilte, sei das Schreiben an alle Ringelnatzfreunde in Deutschland, an Institutionen der Literatur, der Malerei und des Kabaretts sowie an die Kulturverantwortlichen in Sachsen und im zuständigen Kulturraum Leipziger Land versandt worden. Darin bittet die Gemeinschaft nicht nur den angedachten Verkauf zu verhindern, sondern zugleich Gelder für die Sanierung und das Betreiben zu akquirieren sowie Lösungen für die Nutzung der Immobilie Crostigall 14 zu finden, in der Schriftsteller, Kabarettist und Maler Hans Gustav Bötticher, alias Joachim Ringelnatz, am 7. August 1883 das Licht der Welt erblickte.

Bestes Tafelsilber

Der Verein reagierte damit auf den Beschluss des parlamentarischen Ausschusses für den Kulturbetrieb Wurzen vor wenigen Tagen. Auf Vorschlag des CDU-Mandatsträgers Sven Hinneburg votierten damals alle Mitglieder sowie Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) für die „ernsthafte Überprüfung“ einer Veräußerung des kommunalen Objektes durch die Verwaltung.

Soll das Ringelnatz-Geburtshaus verkauft werden?

Weil sich bislang nichts am sanierungsbedürftigen Objekt getan hat und Geld fehlt, will das Stadthaus Wurzen die Veräußerung an einen privaten Investor prüfen.

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Aus Sicht des Ringelnatzvereins verabschiedet sich Wurzen somit vom einst erklärten Ziel, das Haus als nationale Gedenk- und Begegnungsstätte zu sanieren und zu gestalten, da die Rekonstruktion und das Betreiben „einer auf die Pflege und Vorbereitung des Ringelnatz’schen Erbes gerichteten Kulturstätte“ die Stadt finanziell überfordere. Mit diesem Schritt verschleudere Wurzen nicht nur „ihr bestes Tafelsilber“, sondern breche außerdem mit der langen Tradition, „dem Werk und Erbe des im Nationalsozialismus verfemten und in Armut getriebenen großen Künstlers“ eine Heimat in seiner Geburtsstadt zu geben.

Finanzielle Probleme

Immerhin begann schon in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts der damalige Museumsleiter Kurt Bergt, die bis heute gepflegte Ringelnatzsammlung anzulegen. Gleich nach Kriegsende 1946 wurde seitens der Stadt im Beisein der Schwester von Ringelnatz, Ottilie Mitter, am Geburtshaus eine Gedenktafel angebracht. Und trotz finanzieller Probleme ließ Wurzen 1983 das Haus sanieren und einen Ringelnatzbrunnen auf dem Marktplatz errichten.

Jenes lange Bemühen drohe nunmehr abzureißen. „Ringelnatz wird für das städtische Marketing allerorts be- und ausgenutzt“, heißt es weiter. Der Kern des Erbes – das Geburtshaus und die Sammlung – sei im Wert aber weder anerkannt noch bewahrt. Mit dem Verkauf in private Hand, ist sich der Ringelnatzverein sicher, verliere die Stadt Wurzen ihren Status als wichtigster Bewahrer. „Der Beiname Ringelnatzstadt verkommt zur leeren Hülle.“

Defekte Toiletten

Aufgrund von Feuchtigkeitsschäden musste schon 1992 die Ringelnatz-Ausstellung aus dem Geburtshaus ins Kulturhistorische Museum verlegt werden. Seither nutzten Vereine das Gebäude, welches über die Jahre hinweg zusehends verfiel. Ohne Wasseranschluss und mit defekten Toiletten ist es heute gar nicht mehr zu vermieten und steht leer. Noch zum Tag der Sachsen vom 4. bis 6. September und unter dem Motto „Hier ist Wunderland“ lotste der Ringelnatzverein den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) ins Gebäude, der sich sogar als Erster ins Gästebuch mit den Worten einschrieb: „Ich wünsche dem Ringelnatz-Verein bei dem wunderbaren Vorhaben den ungebrochenen Willen und viel Erfolg.“ Schon damals, so Heß, beklagten viele Gäste den Zustand des Hauses. „Vereine der Stadt legten immer wieder gemeinsam mit dem Ringelnatzverein Konzepte ... vor.“ Sie aber scheiterten stets an der gleichen Hürde: nämlich „an der kostendeckenden Betreibung des Hauses ohne weitere Belastung für den schmalen städtischen Kulturetat“.

Daher hoffen Heß und die Mitglieder über den offenen Brief auf ein breites Echo. „Wenn Sie unser Anliegen befürworten und unterstützen wollen, schreiben Sie an Oberbürgermeister Jörg Röglin, Stadtverwaltung Wurzen, Friedrich-Ebert-Straße 2 in 04808 Wurzen, E-Mail j.roeglin@wurzen.de und Cc an den Joachim-Ringelnatz-Verein Wurzen, Domgasse 2, in 04808 Wurzen, E-Mail info@ringelnatz-verein.de“, schließt das Schreiben.

Von Kai-Uwe Brandt

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