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Wurzen Verführung zur Selbsterkenntnis
Region Wurzen Verführung zur Selbsterkenntnis
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03:00 22.10.2012
In aller Welt unterwegs: Der Reisereporter Andreas Altmann. Quelle: privat
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Wurzen

LVZ sprach mit ihm vor der Lesung in der Stadtbibliothek.

Sie haben viel von der Welt gesehen. Was steht auf der Liste, was Sie unbedingt noch erleben möchten?

Ich habe nur einen Bruchteil gesehen, wenn auch ein bisschen mehr als jemand, der nicht beruflich reist. Ich will den Thrill. Ich will ein inniges, intensives Leben mit Freude, Eros, Weisheit, Freundschaft, Hingabe, Klugheit, Aufregungen, Überraschungen. Ich will die Gewissheit, dass ich am Leben bin, dass ich nicht als Zombie unterwegs bin, lange schon tot vor der offiziellen Beerdigung. Ich möchte achtsam sein und kluge Bücher schreiben für Männer und Frauen, die ihr schönes Geld und ihre unwiederholbare Lebenszeit dafür investieren.

Ihre Herbsttournee ist ein Mammutprogramm – bis Ende November ungefähr 32 Lesungen, auch in Luxembourg und in der Schweiz. Warum tun Sie sich das an?

Weil ich Profi bin, ich wimmere nicht, ich bin nicht als ambulanter Tränensack auf die Welt gekommen. Ich unterschreibe den Vertrag und ich mache das. Ich verdiene einen Haufen Geld dabei, die Bücher werden verkauft. Die Leute wollen den Typen sehen, der das geschrieben hat, wollen wissen, wie der daherkommt.

Sie beeindrucken mit entwaffnender Ehrlichkeit. Der Leser erfährt in ihren Bücher viel über Sie selbst. Stört es Sie nicht, dass die Leute relativ intime Einblicke in ihr Leben haben?

Das ist eine Gratwanderung. Es ist schon ein Unterschied, ob man sich als eitles wichtigtuerisches oder als ironisches von Ängsten gejagtes Ich präsentiert. Wenn ich „ich" sage, fällt dem Leser die Identifikation leichter, verführe ich ihn direkter zur Selbsterkenntnis.

Sie sind unglaublich belesen. Was noch beeindruckender ist: Sie haben ihr Bücherwissen parat, flechten immer wieder tolle Zitate ein. Wie geht das?

Während ich lese, schreibe ich Sätze und Wörter sofort in den Laptop, habe dafür eigene Dossiers. Ich bin versessen, närrisch verliebt in die deutsche Sprache. Zudem ist mein Unbewusstes darauf trainiert, so dass die Zitate immer abrufbar sind. Himmel, ich muss doch den Leuten etwas bieten. Ich bin wie ein Maurer, gehe zu meinem Arbeitsplatz, dem Schreibtisch, der Folterbank, und ziehe einen Satz hoch. Erst wenn der Swing drin ist, stimmt er.

Sie haben in einem Interview gesagt, die Leute denken, oft, Sie würden auf einem Nagelbrett leben. Sie wecken den Eindruck, materiell nicht sonderlich interessiert zu sein. Trotzdem sind ihre Lesungs-Honorare ziemlich happig. Ein Widerspruch?

Wie kommen Sie darauf, natürlich mag ich Geld. Meine Schuhe sind maßgeschneidert. Ich liebe alle meine elf Lederjacken. Scheinheiligkeit geht mir auf die Nerven. Geld ist nichts anderes als Freiheit. Ich will nur die Dinge tun, die ich für wichtig halte. Dazu benutze ich meine Stellung, meine Preise. „Ich kann weder gehorchen noch befehlen", hat Sartre gesagt. Und ich habe nur die Aufgabe ein intelligentes Buch zu schreiben.

Was sind ihre nächsten Pläne als Autor?

Ich bin zwar vom Glauben abgefallen, aber nicht vom Aberglauben. So mache ich es wie Goethe und rede nicht darüber. Weil ich Angst habe, dass es nichts wird, und mich alle anrufen und sagen „Altmann, Du Sprücheklopfer". Doch, ein kleiner Wink soll sein: Ich war im Sommer in Palästina und werde darüber schreiben. Wenn das Buch im Herbst 2013 da ist, rede ich gerne darüber.

Ingrid Leps

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