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Volkskunst im Steinarbeiterhaus Hohburg noch bis Weihnachten zu sehen

Adventsausstellung Volkskunst im Steinarbeiterhaus Hohburg noch bis Weihnachten zu sehen

Im Steinarbeiterhaus Hohburg dreht sich die Adventsausstellung dieses Jahr um weihnachtliche Volkskunst und den 100. Geburtstag von Ursula Böstel (1915 – 2007). Die Polenzerin hinterließ dem Hohburger Museum echte Schmuckstücke.

Helga Wuttke (l.) und Gerlinde Löbel (beide aktive Mitglieder im Heimatverein) vor Lichterengeln (auch Schwibbogenengel oder Geweihengel genannt), gedrechselt von Dieter Groh aus Kirchberg bei Zwickau, bemalt von Ursula Böstel aus Polenz.

Quelle: Andreas Döring

Hohburg. Wie sich doch die Zeiten ändern. Früher träumten die Leute im Advent noch vom Türken. Als Exot stand er wie kein anderer für die Märchen aus Tausendundeiner Nacht, für ein Land, in dem Milch und Honig fließen, für exotische Leckerli wie Kakao und Kaffee. Kein Wunder, dass der von Wolfgang Weigel aus Jöhstadt meisterhaft gedrechselte Lichtertürke auf der mit Spannung erwarteten sächsischen Volkskunstschau nicht fehlen darf.

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Im Steinarbeiterhaus Hohburg kommen noch bis 22. Dezember Freunde der weihnachtlichen Dekorationskunst voll auf ihre Kosten. Adventliche Volkskunst ist in dem Museum zu sehen.

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Museumsleiter Matthias Müller ist mit seiner aktuellen Adventsausstellung einmal mehr der große Wurf gelungen: Zum 30. Geburtstag seines Hohburger Steinarbeiterhauses sorgt der 57-Jährige mit einer Vielzahl handwerklicher Schätze für Aufsehen. Der gedrechselte Lichtertürke wird zur Lichtgestalt – mal modelliert, mal bemalt, mal gülden, mit Bart, Turban und Pfeife. „Ein echtes Liebhaberstück“, schwärmen Helga Wuttke und Gerlinde Löbel, zwei Aktivposten vom Hohburger Heimatverein. Aus der legendären Einmannwerkstatt von Wolfgang Weigel stammen aber auch der Jöhstädter Engel und die Dresdener Spinne, wie der farbenfrohe Hängeleuchter in Kennerkreisen genannt wird: Er ist mit Perlen, Glocken und Sternen reich verziert, dazu drei Posaune blasende Engel, Rechenmeister Adam Ries, Georgius Agricola, „Vater“ der Mineralogie, und Unternehmerin Barbara Uthmann. Hochwertig! Ein Paradestück auch die dreistöckige Pyramide mit Messingöllämpchen, 30 Figuren und gedrechselten Säulen. Dass sie sich überhaupt dreht, verdankt die Pyramide dem fischelanten Museumsleiter. Der legte extra Keile unter, denn das über 200 Jahre alte Haus hat sich zum Teil abgesenkt, wodurch der knarzende Dielenboden leicht abschüssig ist: „Bergauf können schließlich nicht mal die Bergmänner laufen.“

Lichterengel bemalt von Martina Lehmann

Lichterengel bemalt von Martina Lehmann.

Quelle: Andreas Döring

Es ist ein Museum, das noch ganz ohne Touch-Screen und Audio-Guide auskommt. Hier wird alles noch persönlich erklärt und demonstriert – etwa die Funktionsweise des Steinbrechers: „Weil das nicht ohne Dreck abgeht, wird hinterher Staub gelöscht, nicht mit Feigling, nicht mit Jägermeister, es muss schon Grimmaer Augustinertropfen sein.“ Betrieben wird das Haus, Portal des Geoparks Porphyrland, von einem Förderverein. Dieser wird unterstützt von der Gemeinde, der Natursteinindustrie und vom Kulturraum. Jede Hand wird gebraucht, um auch die Freifläche immer attraktiver zu machen – ob mit Dampfmaschine (1907), Primus-Zugmaschine von 1937 oder Esso-Tankstelle (1930). „Ein gutes Museum ist nie fertig“, sagt Museumsleiter Matthias Müller. Als er vor Jahren mit seinem Tante-Emma-Laden überraschte, wünschten sich die Museumsbesucher nichts sehnlicher, als aus der Sonder- eine Dauerausstellung zu machen. MMM kam dem Wunsch nach, seitdem „verkauft“ Tante Emma Rattenschwänze und Pferdeblut auf dem Dachboden.

Erinnerung an Ursula Böstel

Die Adventsausstellungen sind längst Kult in der Hohburger Schweiz. Aus aktuellem Anlass erinnert das Museum an die versierte Volkskundlerin Ursula Böstel, die heuer 100 Jahre alt geworden wäre. Die Volkskünstlerin aus Polenz und Leidenschaft vermachte dem von ihr verehrten Steinarbeiterhaus jeweils vier bemalte Schwibbogenengel und -bergmänner. Überhaupt pflegte sie eine enge Beziehung zu Hohburg. Im Museum hatte sie mehrere eigene Ausstellungen. Dort führte sie auch in die Geheimnisse des Kartoffeldrucks ein. „Nach einer Wanderung durch den Planitzwald empfing sie uns in Polenz mit Kräuterquark. Anschließend sollten wir im Pfarrgarten alle neun Kräuter benennen. Ja, genau so war sie, unsere Frau Böstel“, sagt der Museumsleiter.

Bürgermeister Uwe Weigelt (SPD) gratuliert dem Haus: „Es war 1985 eine visionäre Entscheidung der Altvorderen um Gerhard Seliger und Manfred Müller, das Haus zum Museum zu machen. Das Konzept war und ist so originell, dass es schon im Sozialismus ging und auch im Kapitalismus weiter funktioniert.“ Die langjährige Geopark-Managerin Viola Heß würdigt das Museum als einen der bundesweit ganz wenigen Orte, an dem nicht nur die Geschichte der Steinindustrie bewahrt, sondern auch die Lebensweise der Steinarbeiter erlebbar gemacht wird. „Nicht umsonst ist Matthias Müller sachsenweit als Stein-Müller bekannt.“

Facettenreiche Volkskunst aus vielen Regionen

Sehenswert der Kranzengel mit Flügeln und Palmenzweig. Es ist ein Meisterwerk von Hans-Jürgen Schulze aus Frauenstein (Erzgebirge). Hingucker sind auch die Lichterengel von Martina Lehmann aus Hausdorf bei Colditz. „Ihre Art, die Engel zu bemalen, ist einmalig“, lobt der Museumsleiter. Zehn Gemälde des Leisniger Künstlers Mathias Steude geben der Schau einen würdigen Rahmen: Eisgang auf der Mulde, Am Waldrand oder Schneetreiben stimmen auf die Weihnachtszeit ein. Doch damit nicht genug. Ohne große Worte zeigt MMM als Sahnehäubchen auf die Torte noch etwas Spielzeug. Den von Richard Gruhle aus Hohburg 1950 gebauten Bauernhof und den von Martin Schindler aus Wurzen 1928 gewerkelten Kaufmannsladen. Zum ersten Mal zu sehen ist in Hohburg das große Puppenhaus mit fünf Räumen, Flur und Balkon. Das Geschenk aus Siebenlehn hat ein aufklappbares Dach. Dort hinein ist mit Lötkolben folgender Satz verewigt: „Gebaut Weihnachten 1932 für Susanne-Liselotte von Onkel Max und Großvater.“ Wie der Baumeister heißt, ist leider nicht überliefert.

Achtung, versäumen Sie nicht, den Museumsleiter beim Abschied zu bitten, die Spieluhr aufzuziehen. Die befindet sich in einem uralten Weihnachtsbaumständer. Also dann: Stille Nacht, heilige Nacht!

Jedes Adventswochenende geöffnet

Die Adventsausstellung „Weihnachtliche Volkskunst“ im Steinarbeiterhaus Hohburg ist bis zum vierten Advent sonntags bis donnerstags jeweils 13 bis 16 Uhr zu sehen. Der Besuch von Gruppen ist nach Anmeldung unter der Telefonnummer 034263/ 4 13 44 auch außerhalb der eigentlichen Öffnungszeiten möglich. Der Eintritt kostet zwei Euro für Erwachsene und ein Euro für Kinder.

Von Haig Latchinian

Steinarbeiterhaus Hohburg 51.4121782 12.800709
Steinarbeiterhaus Hohburg
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