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Volltreffer! Brandiser Kegler feiern 90. auf neuer Bahnanlage

Einbau im Vereinsheim beendet Volltreffer! Brandiser Kegler feiern 90. auf neuer Bahnanlage

Alle Neune haben die Kegler des TSV Rot-Weiß 90 Brandis in diesem Jahr gleich mehrfach getroffen. Natürlich in Training und Wettkampf, aber auch im übertragenen Sinne: Neun Jahrzehnte besteht der Verein, was vom 11. bis 19. August mit einer Festwoche gefeiert wird, und zum Geburtstag beschenken sich die Kegler selbst – mit einer neuen Bahn.

Fertig: Am Tag 26 des Umbaus steht die neue Kegelanlage.

Quelle: privat

Brandis. Alle Neune haben die Kegler des TSV Rot-Weiß 90 Brandis in diesem Jahr gleich mehrfach getroffen. Natürlich in Training und Wettkampf, aber auch im übertragenen Sinne: Neun Jahrzehnte besteht der Verein, was vom 11. bis 19. August mit einer Festwoche gefeiert wird, und zum Geburtstag beschenken sich die Kegler selbst – mit einer neuen Bahn.Vor 90 Jahren war Kegeln so etwas wie eine Trendsportart. „In Brandis gab es vier Gaststätten mit je zwei Bahnen“, sagt Eberhard Pruß (66), Beisitzer im von Steffen Richter geführten TSV-Vorstand. Ein Bierchen und dazu eine ruhige Kugel schieben, das war damals so üblich. Bald schossen Vereine wie Pilze aus dem Boden. Der Brandiser, am 1. Oktober 1927 gegründet, nannte sich KV Brandis und Umgebung. Dann der II. Weltkrieg und 1945 ein Anfang bei Null. „1946 bis 1989 hießen wir Betriebssportgemeinschaft (BSG) Stahl Brandis, weil unser Silikatwerk Feuerfeststeine fürs Stahlwerk Riesa herstellte“, erklärt Pruß. Schon Mitte der 1950er gab es in der BSG weit über 100 Kegler , aber nur noch zwei Bahnen. „Das funktionierte nicht“, sagt Pruß. Deshalb fiel 1959 zusammen mit dem Trägerbetrieb die Entscheidung, in der Bahnhof-/Ecke Poststraße, wo seinerzeit noch Gärten waren, ein Vereinsheim zu bauen. „Die vier Bahnen wurden aus Beton und Teer gegossen – wie eine überdachte Straße“, scherzt Pruß. „Manche waren gerade, manche krumm. Wer da keine Ahnung hatte, traf nicht. Aber unsere war ganz o.k.“ 1990, im Jahr als sich der TSV gründete, erhielt der Teer einen Kunststoffüberzug. Und 1995 nutzten die Kegler Fördermittel der Stadt für eine neue Heizung und Aufstellautomaten, die die 1981 installierten – bis dahin verdienten sich Kegeljungs mit dem Aufstellen ein paar Pfennige – ablösten. „Mit der Abzahlung des Kredits, 75 000 D-Mark, sind wir dieses Jahr fertig geworden“, erzählt der Beisitzer.

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Der Brandiser Kegelverein feiert in diesem Jahr mit einer Festwoche im August sein 90-jähriges Bestehen. Zum Geburtstag hat er sich selbst beschenkt: Im Vereinsheim wird eine (fast) neue Kegelbahn eingebaut, auf der im Mai in Dettenheim (Baden-Württemberg) die diesjährige Weltmeisterschaft ausgetragen wurde.

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Gerade rechtzeitig, um sich erneut in Unkosten zu stürzen – für die vier deutschlandweit modernsten Bahnen! Auf ihnen wurden die diesjährigen Weltmeisterschaften in Dettenheim (Baden-Württemberg) ausgetragen. „Die Vereine der Kegelverbände, die sich um eine DM oder WM bewerben, können in den seltensten Fällen die Vorgaben – acht Bahnen mit der neuesten Computertechnik – erfüllen. Deshalb wird eine Halle angemietet, eine solche Anlage für die Wettkampfdauer reingebaut und danach verkauft“, erklärt Pruß. Für ihren Wiederaufbau in Brandis war eine gehörige Portion Vitamin B(eziehungen) im Spiel. Die Firma Ahlborn Kegelbahnbau Leipzig, die die WM mit Bahnen ausstattete, betreut servicemäßig auch den Brandiser Verein. „Sie hat uns schon vergangenes Jahr angeboten, vier der nur drei Wochen benutzten Bahnen mit allen raffinierten Dingen dieser Welt, bis hin zur LED-Beleuchtung der Kegel, zu kaufen“, erzählt Pruß. Damit waren die Brandiser die ersten in der Bewerberschlange, die anderen vier Bahnen gingen nach Riesa. Die neue Anlage kostet knapp 90 000 Euro, wobei 43 158 Euro als Zuschuss von der Sächsischen Aufbaubank kommen und 5000 Euro von der Stadt Brandis. Der Verein selbst hat ein wenig an der Beitragsschraube gedreht, um das Vorhaben stemmen können. „Die Bahnen haben einen Unterbau aus Leisten, die Hartfaserplatten darauf können millimetergenau ausgerichtet werden, bevor sie mit einem ein Zentimeter dicken Kunststoff übergossen werden“, beschreibt Pruß den Vorteil. „Wenn vom Kegelverband Sachsen Meisterschaften vergeben werden, können jetzt auch wir uns bewerben, denn wir waren, aus finanziellen Gründen, die letzten im Landkreis, die noch auf Beton gekegelt haben.“

Das allerdings nicht schlecht. Lea Stagge wurde 2015 deutsche Meisterin, erspielte mit 1065 Holz über zwei Tage einen neuen deutschen Rekord! „Das ist für unseren kleinen Ort schon beachtlich“, sagt Pruß. Von den Mannschaften – drei Männer-, drei Frauen-, zwei Seniorenteams, je eine U-18- und U-14-Mannschaft – spielen die Senioren I aktuell am hochklassigsten – in der 2. Verbandsliga Sachsen. Der Verein zählte in den vergangenen Jahren immer um die 100 Mitglieder, abgesehen von den Wendezeiten, als die Herren II mangels Spielern den Wettkampfbetrieb einstellen mussten. Aktuell sind es 68 Männer und 34 Frauen, 66 davon im Wettkampfbetrieb, unter diesen wiederum sind elf Jugendliche. „Mehr wäre natürlich besser“, sagt Pruß. Doch die Konkurrenz in Brandis ist groß: Tischtennis, Handball, Rugby, Feuerwehr...

Alle packten mit an, als Mitte Mai, in der Spielpause, mit dem Abriss der alten Anlage begonnen wurde – über 700 Stunden Arbeit wurden geleistet. „Die haben 1959 alles genommen, was sie hatten. 15 Kubikmeter Beton haben wir mit der Hand rausgeschaufelt und mehrere Container mit Sperrmüll gefüllt. (Übrigens wurde nicht alles entsorgt. Die elektrische Aufstellanlage haben die Brandiser dem SV Polenz geschenkt. Eine sportliche Geste.) Die kleine Gaststätte, die während Training und Wettkämpfen für die Sportler öffnet, wurde gleich mit renoviert. „Wir würden dem Gebäude auch gern von außen ein bisschen Farbe geben, aber das liebe Geld ...“ seufzt Pruß, der auch noch für neue Duschen sammeln muss.

Am Sonntag wurde die Bahn beim traditionellen Schuhmannpokal, benannt nach einem Initiator und Förderer des Kegelbahnbaus 1959, getestet. Die Einschätzung: durchweg positiv. Den Pokal holte sich Steffen Richter. Vom 11. bis 19. August soll sie mit einer Festwoche und vielen sportlichen Begegnungen dann auch offiziell eingeweiht werden. Bleibt nur, den Keglern „Gut Holz!“ zu wünschen – auch wenn Kegel schon lange aus Kunststoff sind.

Von Ines Alekowa

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