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Vom DDR-Staatsfeind zum "Hundertwasser von der Mulde"

Vom DDR-Staatsfeind zum "Hundertwasser von der Mulde"

Im Krieg ausgebombt, "Staatsfeind" unter Walter Ulbricht, mehrfach preisgekrönter Fußballtrainer und nun auch noch "Hundertwasser von der Mulde" - der 75-jährige Peter Arnold gilt als Unikum in Wurzen.

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Der 75-jährige Wurzener Peter Arnold und sein Werk.

Quelle: Frank Schmidt

Wurzen. Sein Haus in der Dresdener Straße ist wegen der vielen bunten Fliesen ein Hingucker. Als dieser Tage ein Ehepaar aus Bayern die an den Häuserwänden gekonnt arrangierten Scherben entdeckte und bei ihm klingelte, gab sich der Spaßvogel doch glatt als Schüler von Hundertwasser aus: "Das haben die mir prompt geglaubt."

1945 wurde Peter Arnold in Berlin dreimal verschüttet. Es grenzte an ein Wunder, dass seiner Mutter mit ihm und den beiden Geschwistern die Flucht nach Wurzen gelang. Dort besuchte er die Schule, machte die Lehre zum Maurer, später zum Fernmeldebaumonteur. Als 20-Jähriger wurde er eingesperrt. Ihm wurden Staatsverleumdung und Hetze vorgeworfen. Der Rebell besuchte in Westberlin das Konzert von Bill Haley, verunglimpfte den Staatsratsvorsitzenden als Spitzbart und knüpfte einen verendeten Hasen an einem Baum auf - Zusatz: "Kein vernünftiger Kohl in der DDR. Hatte die Schnauze voll. Meister Lampe." Er lernte seine Elfriede kennen und lieben, wurde dreifacher Vater, "Brigade-Tier" bei der Post und Fußballer in der Betriebsmannschaft vom Fernmeldebau. 23 Jahre engagierte er sich als Trainer und Schiedsrichter bei Traktor Bennewitz, sowohl im Nachwuchs- als auch im Männerbereich. Er, der ein Leben lang Masten aufbaute, Kabel zog und Gräben aushob, stand nach Feierabend als Vereinsvorsitzender seinen Mann. Kein Geringerer als DDR-Sportbund-Präsident Manfred Ewald schickte einen Vertreter, um den Wurzener mit der Ehrennadel auszuzeichnen.

1992 erwarb Peter Arnold das Haus Nummer 8, in dem er bereits seit über 50 Jahren wohnt: "Inzwischen leben hier vier Generationen unter einem Dach. Meine Frau und ich, die Söhne, Enkel und Urenkel."Als der Hausherr in wohlverdienten Ruhestand ging, folgte er dem Ruf der weiten Welt. Er reiste nach Wien und Paris, nach Magdeburg und Wittenberg. Und begab sich auf Hundertwassers Spuren. Er studierte dessen Arbeiten und versuchte sich zu Hause selbst als Künstler. Fenstereinfassungen, Mülltonnenplatz, sogar das Innere der Hoftoilette - "alles habe ich verunschönert". Die Technik sei ebenso einfach wie genial. Peter Arnold stabilisiert den Untergrund mit Betonkontakt, ehe er die bunten Scherben mit Fliesenkleber zu einem Mosaik aneinander fügt. Blumen, Wurzen-Wappen und Ringelnatz dürfen nicht fehlen: "Ich bin ein Fan von Ringelnatz, der Mann brachte es auf den Punkt", lässt Peter Arnold auch noch den Literaturfachmann raushängen und rezitiert: "Die dicken Frauen von Großberlin fassen sich an wie Mondamin." In seinen Wandbildern verewigte der Autodidakt das Ringelnatz'sche Seepferdchen, das Fünf-Markstück und Katze Susi, die es auf stolze 18 Jahre brachte. Peter Arnold griff auch das Motiv der Quadrate und Dreiecke auf, die der französische Maler Yves Klein einst kreierte. Das Kreuz symbolisiert das "Gott, schütze dieses Haus". Ob er gläubig sei? "Eigentlich nicht, wir sind evangelisch."

Der "Hundertwasser von der Mulde" freut sich auf den Tag der Sachsen. Sollten Passanten wünschen, sich die eigenwilligen Wandbilder aus der Nähe zu betrachten, gewähre er ihnen gern Einlass, sagt der Peter Arnold, der sich wie neu geboren fühlt: "Ich hatte Krebs. Die Operation war erfolgreich. Die Krankheit ist besiegt. Toi, toi, toi."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.08.2015
Haig Latchinian

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