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Wurzen Vom Müll ins Wurzener Museum: Büste von Wilhelm Pieck lagerte 25 Jahre im Gartenhaus
Region Wurzen Vom Müll ins Wurzener Museum: Büste von Wilhelm Pieck lagerte 25 Jahre im Gartenhaus
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15:09 16.06.2017
Das Foto aus dem Jahre 1974 zeigt einen Gedenkappell der Schüler auf dem Schulhof in der Friedrich-Ebert-Straße. Quelle: Foto: privat
Wurzen

15 Jahre lang – von 1974 bis 1989 – zierte sie den Appellplatz in der Friedrich-Ebert-Straße. Mit der deutschen Wiedervereinigung flog sie auf den Müll, tauchte urplötzlich wieder auf und lagerte zweieinhalb Jahrzehnte lang im Gartenhaus – die gut einen Zentner schwere Bronzebüste Wilhelm Piecks (1876 – 1960).

„Ich denke, es ist jetzt an der Zeit, das Denkmal in die richtigen Hände zu geben“, sagt Wolfgang Busch im Arkadenhof des Kulturhistorischen Museums und in Begleitung seiner Frau Renate sowie Jürgen Schmidt, Vorsitzender des Wurzener Geschichts- und Altstadtvereins. Immerhin verbindet der 87-Jährige aus Hohburg viel mit dem früheren Präsidenten der DDR. Pieck gab nämlich jener Wurzener Bildungsstätte seinen Namen, die am 1. September 1974 feierlich eingeweiht wurde und welche er 15 Jahre lang als Direktor leitete – der „Wilhelm Pieck“-Oberschule, die heutige Ringelnatz-Grundschule im Norden der Stadt. Damals zum Festakt des Neubaus, blickt der ehemalige Mathematiklehrer zurück, nahm sogar Piecks Tochter Elly Winter-Pieck (1898 – 1987) teil, mit der er lange noch Briefkontakt hielt.

Die Übergabe des Kopfes sowie zweier Fahnen und mehrerer Fotos ans Museum will Busch keineswegs falsch verstanden wissen. Deswegen wandte er sich an den Geschichtsverein, der wiederum das Gespräch mit der städtischen Einrichtung in der Domgasse 2 suchte. „Die Büste ist vor allem Zeugnis der jüngeren Geschichte“, erklärt Schmidt. Zumal erst kürzlich die Stadtverwaltung das Porträt des Widerstandskämpfers Albert Kuntz am Ehrenhain des Stadtparkes erneuern ließ und das dortige Denkmal eines sowjetischen Soldaten und deutschen Arbeiters gleichfalls zur Auffrischungskur schickte. „Ich könnte mir vorstellen, dass das Pieck-Porträt eben hier nicht im Keller oder auf dem Boden verschwindet, sondern auch gezeigt wird – vielleicht im Arkadenhof“, so Schmidt. „Der Kopf hat schließlich einen künstlerischen wie geschichtlichen Wert.“

Wo er mal stehen könnte, darauf wollte sich Museumsleiterin Sabine Jung vorerst nicht festlegen. Zunächst möchte sie danach forschen, wer die Büste eigentlich schuf. Busch weiß nur so viel: „Ich glaube eine Bildhauerin aus Dresden.“ Doch wie kam er eigentlich in den Besitz des entsorgten Kunstwerkes? „Etwa zwei Jahre nach dem Pieck verschwand, fragte mich ein Privatmann, ob ich den Kopf kaufen möchte.“ Der Hohburger zahlte damals 1000 D-Mark fürs Konterfei sowie einige andere Utensilien und bewahrte die Plastik im Gartenhaus auf. Seine Frau Renate, die als Allgemeinmedizinerin mit eigener Praxis in Hohburg tätig war, bestärkte ihn zum jetzigen Schritt. Der Termin in der Domgasse wühlt natürlich Erinnerungen auf. Unter anderem die, wie er Direktor wurde und von der Pestalozzi-Oberschule zur „Wilhelm Pieck“-Oberschule wechselte. Dafür vorgesehen sei 1971 eine Kollegin aus der Diesterwegschule gewesen. Doch diese kam nicht von der Frühjahrsmesse zurück, flüchtete in den Westen. Also musste Busch ins gerade entstehende Gebäude wechseln.

Seine Tätigkeit als Lehrer und Schulleiter endete mit der Wende. „Ich hatte übrigens 1988 aus ideologischen Gründen schon zum dritten Mal meine Kündigung eingereicht und arbeitete kommissarisch weiter.“ Den Neuanfang wagte er nach 1989/1990 in der Praxis seiner Frau, die sich selbstständig machte – „sozusagen als Mädchen für alles“.

Von Kai-Uwe Brandt

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