Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Vom Müll ins Wurzener Museum: Büste von Wilhelm Pieck lagerte 25 Jahre im Gartenhaus

Übergabe Vom Müll ins Wurzener Museum: Büste von Wilhelm Pieck lagerte 25 Jahre im Gartenhaus

Einst zierte sie den Appellplatz der „Wilhelm Pieck“-Oberschule in Wurzen Nord – die Bronzebüste des früheren DDR-Präsidenten. Nach der Wende wanderte sie in den Müll und schien für immer verschwunden. Jetzt – nach 25 Jahren – übergab Wolfgang Busch das Porträt dem Kulturhistorischen Museum zur Aufbewahrung.

Gedenkappell der „Wilhelm Pieck“-Oberschule 1974: Das Porträt des ersten und einzigen Präsidenten der DDR flog zur Wendezeit in den Müll und wurde zwei Jahre später dem Schuldirektor zum Kauf angeboten. Er verwahrte die Büste fast zweieinhalb Jahrzehnte im Gartenhaus und übergab sie jetzt dem Wurzener Museum.

Quelle: privat

Wurzen. 15 Jahre lang – von 1974 bis 1989 – zierte sie den Appellplatz in der Friedrich-Ebert-Straße. Mit der deutschen Wiedervereinigung flog sie auf den Müll, tauchte urplötzlich wieder auf und lagerte zweieinhalb Jahrzehnte lang im Gartenhaus – die gut einen Zentner schwere Bronzebüste Wilhelm Piecks (1876 – 1960).

„Ich denke, es ist jetzt an der Zeit, das Denkmal in die richtigen Hände zu geben“, sagt Wolfgang Busch im Arkadenhof des Kulturhistorischen Museums und in Begleitung seiner Frau Renate sowie Jürgen Schmidt, Vorsitzender des Wurzener Geschichts- und Altstadtvereins. Immerhin verbindet der 87-Jährige aus Hohburg viel mit dem früheren Präsidenten der DDR. Pieck gab nämlich jener Wurzener Bildungsstätte seinen Namen, die am 1. September 1974 feierlich eingeweiht wurde und welche er 15 Jahre lang als Direktor leitete – der „Wilhelm Pieck“-Oberschule, die heutige Ringelnatz-Grundschule im Norden der Stadt. Damals zum Festakt des Neubaus, blickt der ehemalige Mathematiklehrer zurück, nahm sogar Piecks Tochter Elly Winter-Pieck (1898 – 1987) teil, mit der er lange noch Briefkontakt hielt.

Die Übergabe des Kopfes sowie zweier Fahnen und mehrerer Fotos ans Museum will Busch keineswegs falsch verstanden wissen. Deswegen wandte er sich an den Geschichtsverein, der wiederum das Gespräch mit der städtischen Einrichtung in der Domgasse 2 suchte. „Die Büste ist vor allem Zeugnis der jüngeren Geschichte“, erklärt Schmidt. Zumal erst kürzlich die Stadtverwaltung das Porträt des Widerstandskämpfers Albert Kuntz am Ehrenhain des Stadtparkes erneuern ließ und das dortige Denkmal eines sowjetischen Soldaten und deutschen Arbeiters gleichfalls zur Auffrischungskur schickte. „Ich könnte mir vorstellen, dass das Pieck-Porträt eben hier nicht im Keller oder auf dem Boden verschwindet, sondern auch gezeigt wird – vielleicht im Arkadenhof“, so Schmidt. „Der Kopf hat schließlich einen künstlerischen wie geschichtlichen Wert.“

Wo er mal stehen könnte, darauf wollte sich Museumsleiterin Sabine Jung vorerst nicht festlegen. Zunächst möchte sie danach forschen, wer die Büste eigentlich schuf. Busch weiß nur so viel: „Ich glaube eine Bildhauerin aus Dresden.“ Doch wie kam er eigentlich in den Besitz des entsorgten Kunstwerkes? „Etwa zwei Jahre nach dem Pieck verschwand, fragte mich ein Privatmann, ob ich den Kopf kaufen möchte.“ Der Hohburger zahlte damals 1000 D-Mark fürs Konterfei sowie einige andere Utensilien und bewahrte die Plastik im Gartenhaus auf. Seine Frau Renate, die als Allgemeinmedizinerin mit eigener Praxis in Hohburg tätig war, bestärkte ihn zum jetzigen Schritt. Der Termin in der Domgasse wühlt natürlich Erinnerungen auf. Unter anderem die, wie er Direktor wurde und von der Pestalozzi-Oberschule zur „Wilhelm Pieck“-Oberschule wechselte. Dafür vorgesehen sei 1971 eine Kollegin aus der Diesterwegschule gewesen. Doch diese kam nicht von der Frühjahrsmesse zurück, flüchtete in den Westen. Also musste Busch ins gerade entstehende Gebäude wechseln.

Seine Tätigkeit als Lehrer und Schulleiter endete mit der Wende. „Ich hatte übrigens 1988 aus ideologischen Gründen schon zum dritten Mal meine Kündigung eingereicht und arbeitete kommissarisch weiter.“ Den Neuanfang wagte er nach 1989/1990 in der Praxis seiner Frau, die sich selbstständig machte – „sozusagen als Mädchen für alles“.

Von Kai-Uwe Brandt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wurzen
  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Kommen Sie an Bord: Am Sonntag, 22. Oktober 2017, laden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse in das LVZ Verlagsgebäude ein. mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

Blättern Sie in der prall gefüllten Veranstaltungsbeilage und entdecken Sie die Termine aus unserer Region. mehr

Gemäß des packenden „Drei in einer Reihe“-Prinzips müssen Reihen aus mindestens 3 Steinen gebildet und aufgelöst werden. Hier kostenlos im Spieleportal von LVZ.de spielen! mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr

  • Sparkassen Challenge
    Logomotiv der Sparkassen Challenge 2017

    "Sport frei!" heißt es auch 2017 bei zahlreichen Wettkämpfen der Sparkassen-Challenge. Alle Events mit vielen Fotos finden Sie hier! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

23.10.2017 - 15:21 Uhr

Tresenwald Machern springt nach Auswärtssieg in Hartha an die Tabellenspitze der Kreisoberliga

mehr