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Vom Rittergut bis zur Kirche: Nitzschka ist immer einen Ausflug wert

Geschichtsverein Wurzen Vom Rittergut bis zur Kirche: Nitzschka ist immer einen Ausflug wert

Das Interesse für einen Spaziergang mit dem Wurzener Geschichtsverein in Nitzschka war groß. Über 50 Teilnehmer lockte die Exkursion vom Rittergut bis hin zu Kirche. Den Anfang des historischen Rundgangs macht Eberhard Friedrich vom Verein zur Förderung umweltbewussten und sozialen Handelns.

Südländisches Flair: Mit viel Liebe zum Detail hat Familie Friedrich das Rittergut in ein Schmuckstück verwandelt. Selbst vom verheerenden Brand im November 2007 ist nichts mehr zu sehen.

Quelle: privat

Wurzen/Nitzschka. Zu einem Spaziergang durch den Wurzener Ortsteil Nitzschka hatte unlängst der Wurzener Geschichts- und Altstadtverein eingeladen. Dabei konnte der Vorsitzende Jürgen Schmidt mehr als 50 Interessierte aus dem gesamten Landkreis begrüßen.

Eröffnet wurde die Exkursion zunächst durch Eberhard Friedrich vom Verein zur Förderung umweltbewussten und sozialen Handelns mit einer Führung durch das frühere Rittergut Obernitzschka. Dabei überzeugte Friedrich mit profunden Kenntnissen zur Historie des Ortes sowie über die baulichen Veränderungen seither. „Es darf getrost als Glücksumstand bezeichnet werden, dass in den 90er-Jahren der Verein zur Förderung umweltbewussten und sozialen Handelns unter Leitung von Anneliese und Eberhard Friedrich dieses Rittergut kauften und mit riesigem Schwung und Ideenreichtum sanieren und umgestalten konnte“, so Schmidt. Insbesondere seien die Schäden des verheerenden Brandes vom 9. November 2007 im ehemaligen Hauptgebäude nicht mehr zu sehen. Vielmehr zeigt sich das Haus jetzt im südländischen Flair und lasse der Fantasie freien Raum, wie Schmidt sagte. Mit großer Neugierde erkundeten einige Teilnehmer der Tour ihren früheren Kindergarten im Verwaltungsgebäude und staunten über die umfangreichen Sanierungsarbeiten.

Als einen „versteckten zauberhaften Ort“, bezeichnete Schmidt den großen Garten am Muldeufer inklusive Anlegesteg – einst beliebter Rastplatz während der Mulde-Regatten. „Der Verzicht der Stadtoberen von Grimma und Wurzen auf diese, von großer Resonanz getragenen touristischen und sportlichen Aktion, scheint unbegreifbar, wenn man an dieser Stelle auf die reizvolle Mulde schaut.“

Den Weg zur Kirche danach spickte Stadtchronist und Ehrenbürger von Wurzen, Wolfgang Ebert, mit vielerlei geschichtlichen Informationen. Ergänzt wurden sie von der Nitzschkaer Ortschronistin Kathleen Kramer. So erfuhren die Gäste, dass es neben dem Bäcker und anderen Handwerkern, Bauern und zwei Rittergütern auch zwei Gasthöfe gab. Noch in Erinnerung blieben die Pferdeturniere mit Kulturprogramm zu Pfingsten. „Heute ist davon nichts mehr zu spüren“, so Schmidt. Bei alledem sei die Kirche in der Mitte des Dorfes ein Kleinod, insbesondere nach der umfangreichen Sanierung vor zehn Jahren.

Mehr dazu wusste Pfarrer Martin Carlitz, der lange in Nitzschka tätig war. Er zog seine Zuhörer ferner in den Bann mit einer kleinen Lektion der Reformationsgeschichte und Kirchenarchitektur. Drei Frauen aus Nitzschka, die Schwestern Veronika und Margarete von Zesch vom Rittergut Obernitzschka und Elsa von Canitz aus dem Rittergut Unternitzschka flohen gemeinsam mit Katharina von Bora und anderen Ordensschwestern am Ostersonnabend, dem 11. April 1523, aus dem Kloster Nimbschen, rasteten wenige Tage in Nitzschka und reisten schließlich weiter nach Wittenberg. Am Ende zeigten sich die Gäste des Rundgangs begeistert von der lokalen Episode, die sogar einen Bogen bis hin zur Grabstelle einer Tochter des Militärstrategen und preußischen Generalfeldmarschalls Alfred von Schlieffen (1833 – 1913) spannte. Schmidts Fazit: „Ein Ausflug nach Nitzschka lohnt immer, selbst wenn es keinen Gasthof mehr gibt.“

Von Kai-Uwe Brandt

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