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Wurzen Von Bennewitz ins Olympia-Becken
Region Wurzen Von Bennewitz ins Olympia-Becken
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05:00 29.08.2012
Sprung ins große Becken: Heute beginnen die 14. Paralympischen Spiele in London und morgen für Verena Schott die Wettkämpfe. Quelle: Nora Erdmann
Bennewitz/Wurzen/London

Verena Schott war im Jahr 2002 erst 13 Jahre alt. Sie fuhr mit einer Freundin mit dem Fahrrad über die B107 von Pausitz in Richtung Schmölen. Durch einen unglücklichen Umstand erwischte sie ein Transporter beim Überholen und schleuderte sie auf eine Wiese. Schwer verletzt wurde das Mädchen in ein Leipziger Krankenhaus geflogen. „Als ich aufwachte, wurde mir mitgeteilt, dass ich einen inkompletten Querschnitt habe", sagt die heute 23-Jährige. Rollstuhl. Ein schwerer Schlag? „Nein, eigentlich nicht." Sie habe nur gefragt, ob sie weiterhin schwimmen kann. Die Antwort lautete ja und „dann war das in Ordnung. Ewiges Heulen hätte auch nichts gebracht", erzählt sie am Telefon. Denn seit Donnerstagabend wohnt Verena Schott im Olympischen Dorf. Am 30. August beginnen für sie die Schwimmwettbewerbe der 14. Paralympischen Spiele – ihre ersten. Jeder Sportler träumt von Europa- und Weltmeisterschaften oder den Olympischen Spielen. „Aber dafür habe ich zu spät angefangen", sagt die junge Frau.

Zum Schwimmen ist sie mit acht Jahren durch Freunde gekommen. Damals war das Becken ein unbekanntes Terrain. „Ich konnte gar nicht schwimmen." Dann begann der Unterricht in der Schule und kurz danach trat das Mädchen dem Wurzener Schwimmverein bei. Seit sie hauptsächlich im „Rolli" unterwegs ist, wie Verena Schott ihren ständigen Begleiter nennt, waren die Wege zu den Spitzen-Wettkämpfen auf einmal offen. Bei den Paralympischen Spielen in London nimmt sie an sechs Wettkämpfen teil. Ihre Eltern werden das vorm Fernseher im Bennewitzer Haus verfolgen. „Eigentlich wollten sie nach London kommen, aber jemand muss auf das Kind aufpassen", lacht Verena Schott. Ihr Sohn Lean ist ein Jahr alt. Über ihre Eltern sagt sie: „Sie haben mich nie betuddelt und immer zur Selbstständigkeit erzogen." Mit denen zog sie im Alter von drei Jahren aus Greifswald in die Region Wurzen.

Vor drei Jahren ging Verena Schott nach Leipzig zum Behindertensportverein, anderthalb Jahre später zog es sie nach Berlin. Der Wechsel hatte viele Gründe: Die Bennewitzerin habe sich mit ihrer alten Trainerin nicht so gut verstanden. „Ich bin ein eigener Mensch mit einem eigenen Kopf. Ich sage, was ich denke." Damit könne nicht jeder umgehen. Aber mit ihrem neuen Trainer Matthias Ulm komme sie ganz gut klar. Außerdem seien in Berlin die Trainingsbedingungen besser. Allein der Umstand, dass die Halle den ganzen Tag offen hat, sei – gerade mit Kind – sehr praktisch. Die 23-Jährige ging in den letzten zwölf Monaten fünfmal pro Woche trainieren, neben dem Biologiestudium. Vorbereitung für die ersten Paralympischen Spiele. Es ist als wäre es eine kleine Stadt – das Olympiadorf – mit Park, Carrée und kleinen Hochhäuser. „Ich find es schön", beschreibt Verena Schott ihre ersten Eindrücke. Auch das Zimmer sei super – und das ist gut. Denn momentan muss die 23-Jährige dort verweilen. Wegen einer leichten Erkältung kann sie nicht trainieren. „Nur zur Sicherheit." Dabei hatte sie schon seit Februar ein Infekt geplagt, der nie richtig auskuriert wurde. „Ich bin immer wieder zu früh ins Training eingestiegen." Mit einer Medaille rechnet sie daher nicht. „Das ist auch besser so, sonst ist man hinterher so enttäuscht. Einfach hier zu sein ist schon großartig." In zwei der sechs Disziplinen rechnet sie fest mit dem Finale – der Rest sei offen. Aber in den Wettkämpfen hole sie immer noch mehr heraus als im Training. Die Hallen sind schon für alle Tage ausverkauft, wenn eine Bennewitzerin durchs Londoner Becken taucht.iStarttermine: 30.8. um 10:54 Uhr (100 Meter Rücken); 31.8. um 10:19 Uhr (50 Meter Schmetterling; 3.9. um 9:47 Uhr (200 Meter Lagen); 4.9. um 11:44 Uhr (50 Meter Freistil); 5.9. um 10:47 Uhr (100 Meter Brust); 6.9. um 10:23 Uhr (400 Meter Freistil)

Matthias Pöls

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