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Wurzen Von Kupfernägeln und Kuhhörnern
Region Wurzen Von Kupfernägeln und Kuhhörnern
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18:37 22.09.2009

. Jung und Alt im Gesprächsgetümmel, schwarz-weiße Fotos entführen in die Vergangenheit des Gemeindelebens, das schon Jahrzehnte zurück liegt. Farbige Motive transportieren Aktivitäten aus der jüngeren Geschichte. Kulinarisches – kalt und heiß lockt. Orgelklänge aber auch Rockiges ist zu hören – und dazu sind noch Anekdoten zu erfahren.

Es ist ein bunter Haufen, der sich in der Kirche und im Garten versammelt hat. Pfarrer Martin Schiefer freut sich über so viel Interesse. „Es dürften an die 180 Leute sein, die zu uns gefunden haben. Sogar aus Bremen sind sie angereist.“ Würdige Fülle also zum Gottesdienst, der aus Anlass des Kirchweihfestes im großen Kirchenschiff stattfindet.

Das ändert sich kaum als am Nachmittag Luftballons in den Himmel steigen, die die Botschaft in die Region tragen: St. Wenceslai feiert 40 Jahre Baugeschehen, 20 Jahre Winterkirche und zehn Jahre Eule-Orgel. Herrlich auch das Bild als die Gäste – unter ihnen Landrat Gerhard Gey, Oberbürgermeister Jörg Röglin und Orgelbaumeister Armin Zuckerriegel von der Firma Eule – unter freiem Himmel dem Kulinarischen frönen.

Später lauschen sie Kichenmusikdirektor Johannes Dickert, der die Eule-Orgel klingen lässt. Modern-poppiges ist ebenso zu hören wie Barockes. Auch ein Stück eines unbekannten Meisters aus Norddeutschland. „Eine kleine Reminiszenz an die Partnergemeinde“, erläutert Dickert. Denn klar ist, dass sich ohne die Hilfe der Partner in Drochtersen bei Stade so manches nicht gefügt hätte bei der baulichen Erhaltung der Wurzener Kirche.

Hans-Otto Jurich kann sich noch gut an die Kupfernägel erinnern, die aus dem Westen per Paket eintrafen und bei der Dachinstandsetzung dringend benötigt wurden. Auch harte Währung in bar, über kreative Kanäle geflossen, haben die Westfreunde in den Osten geschickt. „Mit dem Westgeld konnten wird dann unter anderem die Schieferziegel besorgen“, so der 61-Jährige, der gleich neben der Kirche aufwuchs und jahrelang zu DDR-Zeiten den Bauausschuss der Kirchgemeinde leitete.

Das Dreier-Jubiläum ist in einer Ausstellung festgehalten, die größtenteils aus Fotografien besteht. Aber auch in schriftlichen Erinnerungen kann geschwelgt werden. Andere Gemeindemitglieder wiederum haben mit Exponaten geholfen. Wie Fritz Lehne, der eine originale Kirchenbank zur Verfügung gestellt hat. Hans-Otto Jurich hat ein Dokument zum Schmunzeln beigebracht. So kann sich der Besucher über eine Freistellung vom Mai 1984 amüsieren. In ihr wird Jurich, damals im VEB Wasserglasfabrik Dehnitz beschäftigt, für zwei Tage von der „sozialistischen Produktion“ freigestellt. Grund: Der Posaunenchor, in dem auch Jurich bläst, darf an Dreharbeiten für die DDR-TV-Unterhaltungssendung „Wennschon – Dennschon“ teilnehmen. Das Ensemble musiziert nicht auf dem üblichen Blech, sondern auf Kuhhörnern und sorgt republikweit für Furore. Kuhhörner hat die Pfarrer-Band „Schwarze Löcher“ zum abendlichen Konzert nicht im Instrumentenarsenal. Das stört die Feiergemeinde aber nicht.

Drago Bock

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