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Von Telegrafenmast bis Klappschrank – ein Besuch im Museum lohnt sich

Neue Exponate im Steinarbeiterhaus Hohburg Von Telegrafenmast bis Klappschrank – ein Besuch im Museum lohnt sich

Das Steinarbeiterhaus in Hohburg wartet mit neuen Exponaten auf. Zu den Stücken aus vergangener Zeit zählt unter anderem eine alte Fernsprechvermittlungsanlage aus dem Jahr 1913. Museumsleiter Matthias Müller hat sie auf dem Sperrmüll entdeckt.

Matthias Müller fand die alte Fernsprechvermittlungsanlage im Müll. Jetzt ist sie im Museum zu sehen

Quelle: Kai-Uwe Brandt

Lossatal/Hohburg. Wenn es um Breitbandausbau im ländlichen Raum geht, kann Matthias Müller nur müde lächeln. Denn mit den neuen Exponaten auf dem Freiluftgelände ist das Museum Steinarbeiterhaus in Hohburg seit kurzem bestens versorgt. „Zumindest historisch“ scherzt der 58-Jährige und greift zum Hörer seines „Smartphones“ im Methusalem-Alter und handlichen Schrankformat. Klappschrank heißt die Fernsprechvermittlungsanlage übrigens auch, klärt er auf. Und sie stammt vom Sperrmüll. Genau dort klaubte Müller das gute Stück mit zwei Amtsleitungen und fünf Nebenstellen, Hörer sowie Kurbelinduktor aus dem Unratberg. Ein Glücksgriff sozusagen, da selbst das Innenleben nahezu komplett die Zeit überstand. „Natürlich haben wir den Apparat von 1913 im Original wieder rekonstruiert.“ Darunter den Hörer und die Wählscheibe. Beide wurde circa um 1930 als technische Neuerung nachträglich installiert – „heute fliegen ausgediente Handys gleich in den Wertstoffcontainer.“

Während Müller munter am Holzkasten stöpselt, zeigt er zugleich auf den nahen Telegrafenmast mit den 24 Isolatoren, der seit 14 Tagen das Eingangstor ziert. „Sein Ursprungsort war eigentlich die Bahnstrecke von Wurzen nach Eilenburg, die 1927 eröffnet wurde und mit einem Bogen gen Osten die Muldentalbahn verlängerte, um einst alle Steinbrüche zu erreichen.“ Heute nutzt die Basalt AG das Gleis lediglich für den Steinbruch in Lüptitz. Personen werden schon seit 1978 nicht mehr befördert. Dank des Großzschepaer Unternehmens Kafril fand der Mast seinen Altersruhesitz nunmehr in Hohburg. Und ebenso die Wellblechbude, an deren Tür die Buchstaben „Fo“ weithin sichtbar auf ihre frühere Funktion hinweisen. „Fo steht für Fernsprechortsleitung“, erläutert der Diplom-Historiker. Sogar Steigeisen und Sicherheitsgurt, welche die Männer für das Warten oder Reparieren der Masten nutzten, hängen noch im Verschlag, der an einer Weiche zum Anschlussgleis eines Steinbruchs stand.

Alle drei Exponate ließ Müller so detailgetreu wie möglich aufarbeiten. „Die Isolatoren des Telegrafenmastes wurden zum Beispiel gereinigt und die Ausleger verzinkt.“ Unterstützung erhielt er dabei unter anderem von Matthias Thieme. Der gelernte Fernmeldetechniker aus Hohburg half nämlich mit einer originalen Bauzeichnung aus. Müller ist zu recht stolz über die aktuellen Ausstellungsstücke auf dem Gelände unterhalb des Steinarbeiterhauses. Nach und nach wuchsen hier sechs Gebäude empor. 15 Großgeräte locken ferner die Besucher, darunter ein fahrbarer Brecher, eine Steinbrecheranlage, die Dampfmaschine von 1907 und vor allem die Primus-Zugmaschine in der Original-Garage.

Noch bis zum 31. Oktober wird im Haus, das bis 1980 bewohnt war und 1985 als Museum die Türen öffnete, die Sonderschau „Haus- und Hofbilder“ gezeigt. An den Wänden der Kantine hängen 30 Werke, sieben aus dem Besitz des Steinarbeiterhauses und 23 aus Privathand. „Die Bilder entstanden zwischen 1850 und 1945, also während einer Zeit, in der sich die Fotografie noch nicht durchgesetzt hat.“

Das Interesse am Volkskunde- und Technikmuseum ist groß. Erst kürzlich, erzählt Müller, führte er 30 Fachleute der Geographischen Gesellschaft zu Leipzig über zwei Stunden durch die Räume. Und auch sonst sorgt der Heimatverein Hohburger Schweiz als Betreiber der Einrichtung für Höhepunkte im Lossatal – kultureller Art. Pfingsten spielte die Open-Road-Band aus Mühlhausen auf, am 18. September gastiert die Folkgruppe „Horch“ aus Halle in der Kirchgasse.

Öffnungszeiten: Sonntag bis Donnerstag von 13 bis 16 Uhr, Führungen für Gruppen jederzeit nach Voranmeldung sowie für Kaffeetafel und Vesper in der rustikalen Kantine – Telefon: 034263/4 13 44

Von Kai-Uwe Brandt

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