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Wurzen Von Thallwitz nach Dubai
Region Wurzen Von Thallwitz nach Dubai
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17:03 25.11.2018
Hans-Jürgen Dietrich mit einer Show-Racer-Brieftaube. Quelle: Foto: Bert Endruszeit
Kühren-Burkartshain

Wer denkt, dass die Zucht von edlem Rassegeflügel eine eher regionale Angelegenheit ist, der irrt. So mancher Züchter zieht Tiere groß, die selbst im fernen Dubai ihre Liebhaber finden. Der Thallwitzer Helfried Jacob kann davon ein Liedchen singen. Vor genau zehn Jahren wurden seine Deutschen Modeneser Tauben Schietti eisfarbig gehämmert offiziell vom zuständigen Zuchtverband anerkannt. Mittlerweile hätten sie sich ganz schön verbreitet, betonte Jacob am Sonnabend auf der Kührener Geflügelausstellung des Geflügelzuchtvereins Wurzen und Umgebung.

„Alle Tiere, die es von dieser Farbvariante gibt, stammen aus meiner Zucht“, sagte der 76-Jährige. Alles in allem dürften das rund 300 Tiere sein. „Einige gingen nach Frankreich, andere aber auch nach Dubai. Die Scheichs sind richtig scharf auf unsere sächsischen Farbentauben.“ Für die Federtiere sei das heiße Wüstenklima überhaupt kein Problem. „An Wärme und Trockenheit stören die sich nicht.“

Zuchterfolge als Salz in der Suppe

Solche Zuchterfolge seien gewissermaßen das Salz in der Suppe. Dabei kann Helfried Jacob auf eine lange Züchtertradition zurückblicken. „Schon mein Großvater hat in den dreißiger Jahren in Leipzig Tauben und Hühner ausgestellt. Leider hat von meinen Nachkommen niemand mehr Interesse an der Taubenzucht“, bedauerte er. „Die jungen Leute schauen sich lieber in Ägypten bunte Fische an als daheim bunte Tauben.“

Die Veränderungen beim Thema Geflügelzucht konnte auch Hans-Jürgen Dietrich aus Böhlitz bestätigen. Früher wurden Brieftauben schließlich noch als gefiederte Postboten eingesetzt. „Heute flattern alle meine Tauben nur noch in der Voliere“, so der 62-Jährige. Das habe auch ganz praktische Gründe. „Ungebetene Gäste von oben“, sagte er mit Blick auf Habicht, Falke und Sperber. Die Greifvögel würden sich ganz gezielt geschwächte Tiere als leichte Beute aussuchen. Wer heute Tauben züchte, der wisse natürlich auch das magere Fleisch zu schätzen. „Das Fleisch der Brieftauben war früher in Krankenhäusern und Hotels heiß begehrt, Taubenbrust war eine teure Delikatesse.“ Heute sei Taubenfleisch auf dem Teller eher selten zu finden. Dabei bringe eine Taube oft fast 500 Gramm Fleisch auf die Waage. „Das reicht für eine Person.“

178 Tiere in Ausstellung

Bernd Ferl, Vorsitzender des gastgebenden Geflügelzuchtvereins Wurzen und Umgebung, konnte zur Ausstellung insgesamt 178 Tiere präsentieren. Allein 100 davon waren Tauben, der Rest verteilte sich auf Hühner, Gänse und Enten. Sein Verein zählt aktuell 29 Mitglieder, ein wesentlicher Zuwachs sei nicht zu erwarten. „Die Randbedingungen für die Zucht müssen ja stimmen, das Grundstück muss passen, die Arbeitszeiten und -orte aber auch.“

„Früher hatten wir Siedlungen, heute nur noch Wohngebiete. Und dort darf leider kein Hahn mehr krähen“, meinte Züchter Gerhard Beyer. „Schon kurz nach der Wende hat mich ein Bekannter aus dem Westen gewarnt: Gründet bloß keine Wohngebiete, denn dort ist die Tierhaltung meist tabu. Der wusste schon länger, was das für das dörfliche Leben bedeutet.“

Von Bert Endruszeit

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