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Wurzen Von Wildunfällen bis Holzdiebstahl – Polizeihauptmeister Kratzmann klärt auf
Region Wurzen Von Wildunfällen bis Holzdiebstahl – Polizeihauptmeister Kratzmann klärt auf
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00:21 21.10.2017
Aufmerksame Zuhörer in Lüptitz: Polizeihauptmeister Jürgen Kratzmann erklärt den Gästen der Veranstaltung alles zum Thema Wald – von Unfällen mit Wild bis zum Holzdiebstahl. Quelle: Foto: Thomas Kube
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Lossatal/Lüptitz

Polizeihauptmeister Jürgen Kratzmann ist Verbindungspolizist für die Jägerschaft und die Ordnungshüter. In unserer Region ist er auch als der Wurzener Stadtwald-Jäger bekannt. Kratzmann ist also Polizist und Jäger zugleich und somit Fachmann für Problematiken wie Wildunfälle, Jagdwilderei, Umweltvergehen und Holzdiebstahl aus Wäldern.

Kürzlich weilte er auf Einladung vom Heimatverein Lüptitz im Versammlungsraum der Feuerwehr und referierte vor etwa 30 Interessierten zu genau diesen Themen. Ein Schwerpunkt schlechthin sind die Verkehrsunfälle mit Wildtieren. Jährlich werden etwa 30 Menschen durch derlei Begegnungen getötet. Mehr als 3000 Verletzte zählt die Statistik und weist einen Gesamtschaden von 500 Millionen Euro aus. Aus Sicht der Tiere sieht es noch deutlich schlimmer aus. Allein 200 000 Rehe und fast 29 000 Wildschweine kommen pro Jahr unter die Räder. Zahlen, die zum einen erschrecken, aber zum anderen logisch erscheinen. Wenn man weiß, dass in Deutschland aller zweieinhalb Minuten ein Wildtier mit einem Auto kollidiert.

Beachtlich sind auch die Zahlen, die Kratzmann bezüglich des Aufprallgewichtes zu berichten weiß: Bei einer Kollision mit Tempo 60 steigt das Aufprallgewicht eines Wildschweins auf dreieinhalb Tonnen. Beim Damhirsch sind es noch zweieinhalb Tonnen und beim Rehbock immerhin 0,8. Über das Jahr verteilt werden im Oktober und November sowie April und Mai die meisten Zusammenstößen registriert. „Taucht Wild am Straßenrand auf“, so der Fachmann, „dann unbedingt die Geschwindigkeit verringern, abblenden und möglichst hupen. Wenn es schon auf der Straße steht – Lenkrad festhalten und eine Vollbremsung einleiten. Ein kontrollierter Zusammenstoß ist besser als ein unkontrolliertes Ausweichmanöver, das womöglich im Gegenverkehr oder am Baum endet.“ Kommt es zur Kollision, ist die Unfallstelle unbedingt durch Warnblinklicht und Warndreieck abzusichern. Und totes Wild bestenfalls von der Fahrbahn räumen, damit es keine Folgeunfälle gibt. Außerdem: Die Polizei benachrichtigen, auch wenn das Wild geflüchtet ist und vom zuständigen Förster oder Jagdpächter eine Wildunfallbescheinigung ausstellen lassen. „Die kann man übrigens selber im Internet unter www.jagdverband.de herunterladen“, so Kratzmann.

Ein weiteres Thema des Vortrages vom Fachmann war die Jagdwilderei, die kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat ist. Ebenso der Holzdiebstahl aus den Wäldern. Denn: Jeder Wald hat einen Besitzer und mittlerweile können Experten mit einer neuen DNA-Analyse sogar geschlagenes Holz dem Revier und dem Besitzer zuordnen. Auch über die zunehmende Vermüllung in den Wäldern der Region wurde in Lüptitz gesprochen. Illegal abgelegter Müll verschandelt nicht nur den Wald, er birgt zugleich Gefahren der Umweltverschmutzung und für das frei lebende Wild, mahnt der Ordnungshüter.

Und damit zurück zum Wild: So staunten die Zuhörer nicht schlecht, als sie hörten, dass 97 Prozent aller Schussabgaben der Polizei aus Dienstwaffen gegen gefährliche, kranke oder verletzte Tiere erfolgen. Die meisten Schüsse dabei wiederum im Zuge von Verkehrsunfällen mit Wildtieren. „Somit hat sich die Häufigkeit des Schusswaffengebrauchs gegen Tiere in den letzten zehn Jahren ums Dreifache gesteigert.“ Dies sei Kratzmann zufolge dem deutlich höheren Verkehraufkommen geschuldet sowie der Verkleinerung des Lebensraumes vieler Tiere aufgrund von Siedlungs- und Straßenbau.

Von Thomas Kube

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