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Vulkanmalerin zeigt ihre feurigen Bilder im Herrenhaus Röcknitz

Geopark Porphyrland Vulkanmalerin zeigt ihre feurigen Bilder im Herrenhaus Röcknitz

Arbeiten der Vulkanmalerin Aurélie Staiger aus Stuttgart werden in der aktuellen Ausstellung im Herrenhaus Röcknitz gezeigt. Das Besondere: Für einige Werke wurden fein gemahlene Gesteine der Region verwendet.

Kräftige Farben prägen die Vulkanbilder von Aurélie Staiger (4.v.l.). Nach der gelungenen Vernissage hat die Kommune die Öffnungszeiten des Geoportals Herrenhaus Röcknitz extra erweitert.

Quelle: Gemeinde Thallwitz

Thallwitz/Röcknitz. Mit einem schlummernden Vulkan kann man ohne Weiteres den Geopark Porphyrland vergleichen. Viele Bemühungen, aus dem geologischen Erbe der Region Kapital zu schlagen, gedeihen noch unter der Oberfläche. Eine künstlerische Eruption stellt in dieser Hinsicht die Ausstellung „Magnitude M“ im Herrenhaus Röcknitz dar.

Das Herrenhaus im äußersten Norden des Landkreises Leipzig stellt eines der vier bereits existierenden Geoportale des „Geoparks Porphyrland – Steinreich in Sachsen“ dar. Seit wenigen Tagen schmücken Werke der einzigen Vulkanmalerin Deutschlands, Aurélie Staiger, die Wände im Erdgeschoss. Die ausgestellten Malereien entstanden unter anderem auch mit Materialien aus Steinbrüchen der Region.

Der Arbeitstitel „Magnitude M“ ist ein Fachbegriff aus der Seismologie, er bestimmt die Stärke von Erdbeben. Einen treffenderen Titel hätte die Künstlerin für ihre Schau nicht wählen können. „Nach neuesten Erkenntnissen handelt es sich bei dem Nordwestsächsischen Vulkanit-Komplex um eines der größten aufgeschlossenen, spätpaläozoischen Vulkanfelder Mitteleuropas“, stellte der Thallwitzer Bürgermeister Thomas Pöge sein inzwischen erworbenes Geo-Wissen unter Beweis. Während sich Experten dem Thema auf ihrer kürzlich in Nimbschen veranstalteten Fachtagung wissenschaftlich näherten, bietet die Ausstellung im Herrenhaus Röcknitz einen ganz anderen Zugang zur Geologie der Region.

Glutwolken hinterließen ihre Spuren

In ihrer Laudatio schlug Geopark-Mitglied Viola Heß den Bogen: „Magnitude 8 und 9 - das sind die Ausbruchsstärken der Supervulkanzone, in der vor 290 bis 275 Millionen Jahren hier flächendeckend Magma aus riesigen Calderen geschleudert wurde, unvorstellbare Glutwolken sich herabsenkten und ihre heiße Spur dem Land für immer aufprägten.“ Der Geopark Porphyrland gilt mit seinen 1200 Quadratkilometern als das Herzstück des nordwestsächsischen Vulkanitkomplexes. „Er ist das größte permische Vulkangebiet Mitteleuropas. Die Vulkanite breiteten sich vermutlich über eine Fläche von mehr als 2000 Quadratkilometern aus und bildeten eine mehrere hundert Meter mächtige Decke.“

Aurélie Staiger ist fasziniert von der Kraft der Vulkane. Die Akteure des Geoparks mussten sie nicht lange bitten, sich auf eine künstlerische Begegnung mit dem Porphyrland einzulassen. „Zwar hat man bei uns nicht mehr das Grollen im Ohr oder erstarrte Lavaströme vor Augen“, bekannte Viola Heß. „Dafür bietet die Region die erstaunliche Farbigkeit der fast 300 Millionen Jahre alten Vulkanite - das edle Grau des Lüptitzer Quarzporphyr, das lebendige Rot des Rochlitzer Berges.“ Während die Stuttgarterin sonst echtes Bimsgestein vom Ätna, Vulkansand von den Stränden der Liparischen Inseln oder Mendiger Basaltlava verarbeitet, mischte sie zu den Farben für die Röcknitzer Ausstellung fein gemahlene Gesteine der Region. „Bilder aus einheimischen Vulkangesteinen hängen nun in Röcknitz neben Motiven aus Material von Vesuv, Ätna oder Stromboli.

Dass die Ausstellung ausgerechnet in Röcknitz ihre Premiere erlebte, ist kein Zufall. „Der Ort ist eines der Steinarbeiterdörfer der Region, der hiesige Heimatverein hält die Tradition des Steinabbaus hoch und ist deshalb Gastgeber dieser schönen Ausstellung“, hob Heß hervor. „Menschen, die von und mit dem Steinabbau gelebt haben und leben, breiten der Vulkan-Kunst von Aurélie Staiger mit ihrem Interesse einen besonderen Teppich aus.“

Öffnungszeiten wurden erweitert

Um die Schau einem breiten Publikum zugänglich zu machen, hat die Gemeinde Thallwitz extra die Öffnungszeiten in dem historischen Rittergut erweitert. Die Schau „Magnitude M“ ist montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr und sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. „In dieser Zeit steht auch unsere Dauerausstellung, die zu einer geologischen Entdeckungsreise durch die Region einlädt, für Besucher offen“, rührt Thomas Pöge die Werbetrommel. Ein Vortrag mit Führung durch die Ausstellung und den Geoerlebnisgarten findet am 23. Juli, 10 Uhr, mit Jochen Rascher von der Geomontan Freiberg statt. Am 14. August startet außerdem eine geologische Führung durch die Steinbruchregion rund um Röcknitz.

Die Ausstellung „Magnitude M“ ist anschließend auf Burg Mildenstein in Leisnig und in der Porphyrstadt Rochlitz zu sehen. Sie entstand in Kooperation durch den Geopark Porphyrland und den Heimatverein Röcknitz-Treben. Stiftungsmittel der Sparkasse Muldental und der Kulturraumförderung des Landkreises Leipzig kamen ebenfalls zum Einsatz.

Info: Herrenhaus Röcknitz, „Magnitude M“, geöffnet bis 11. September, montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr und sonntags von 14 bis 16 Uhr, An der Wasserburg 3, Termine auch nach Vereinbarung unter Telefon 03425/928281

 

Bernd Brückner bereicherte die Vernissage mit vulkanischen Impressionen am Saxophon – unter anderem zur Freude von Bürgermeister Thomas Pöge (r)

Bernd Brückner bereicherte die Vernissage mit vulkanischen Impressionen am Saxophon – unter anderem zur Freude von Bürgermeister Thomas Pöge (r.)

Quelle: Gemeinde Thallwitz

Von Simone Prenzel

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