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Wurzen Waldpolenz: Zeitzeugen der Militärfliegerei bröckeln
Region Wurzen Waldpolenz: Zeitzeugen der Militärfliegerei bröckeln
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16:17 22.02.2018

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Mit der Revitalisierung einer der größten GUS-Liegenschaften Ostdeutschlands hat die Stadt Brandis ein schweres Erbe angetreten. Um prinzipiell zu klären, was aus der Geisterstadt wird, bat Bürgermeister Andreas Dietze einen Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege kürzlich zum Vororttermin. „Für uns völlig überraschend sollte plötzlich die ehemalige Turnhalle unter Denkmalschutz stehen." Das sei bei den Planungen für den Bau der Biogasanlage aufgefallen. Für Dietze schlichtweg unfassbar: „Von der Halle stehen nur noch die Mauern. Das ist ein total hohler Vogel."

Während die Kommune als Eigentümer des riesigen Areals perspektivisch den Abbruch sämtlicher Gebäude anstrebt, würden Denkmalexperten wenigstens einige prägnante Objekte gern erhalten. Für das Landesamt für Denkmalpflege ist das Gelände aus militärgeschichtlicher Sicht hochinteressant. Das gesamte Ensemble, bestehend aus Mannschaftsunterkünften, Hangars und Tower, sei ein bedeutendes Geschichtszeugnis der Militärfliegerei, so ein Experte. Es dokumentiere die Rolle der Luftwaffe in der Zeit des Nationalsozialismus.

Der Fliegerhorst Brandis schrieb zweifellos Geschichte. Auf der legendären Junkers Ju 52 bildete die Luftwaffe Piloten aus. In die Annalen der Militärgeschichte ging der Flugplatz mit der Messerschmidt Me 163 ein. Unter äußerster Geheimhaltung beschäftigten sich unmittelbar vor Kriegsende Testpiloten und Versuchsingenieure der Junkers-Werke Dessau mit zwei Prototypen des Fernbombers. Schließlich wurde das erste strahlgetriebene Flugzeug der Welt, die Junkers 278, in Brandis erprobt, ebenso der an eine fliegende Untertasse erinnernde kreisrunde Nurflügler „Sack ASG".

Beim jüngsten Zusammentreffen habe der Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege aber eine realistische Sichtweise erkennen lassen, erklärte Dietze. „Wir haben uns auf vier Objekte verständigt, die so lange wie möglich erhalten bleiben sollen", erläuterte das Brandiser Stadtoberhaupt. Als prägnantester Architektur-Zeuge zähle der Tower dazu, ebenso die alte Schule – zu Wehrmachtszeiten die Kommandantur, der Bahnhof im Bauhaus-Stil und einer der drei Hangars. „Für alle anderen Objekte, die sich in Waldpolenz befinden, werden wir nach und nach Abrissanträge stellen", erklärte Dietze. So sollen Lazarett, Offizierscasino, eine Küche samt riesigem Speisesaal und die Kommandantenvilla noch von der Bildfläche verschwinden.

Am besten erhalten sei aus seiner Sicht noch die alte Schule, in der zuletzt Spezialisten des Sondereinsatzkommandos das Verhalten bei Amok–läufen trainierten. Gänzlich unbezahlbar sei eine Nachnutzung der Flugzeughalle nördlich der ehemaligen Landebahn. Die Firma Juwi hatte sich zwischenzeitlich überlegt, hier Solarmodule vorzumontieren. Ein Gutachten habe allerdings ergeben, dass die Standsicherheit des monumentalen Industriebaus schon kurzfristig nicht mehr gewährleistet sei.

Simone Prenzel

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