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Wurzen Wanderausstellung über hingerichtete Ärztin Margarete Blank wird in Leipzig eröffnet
Region Wurzen Wanderausstellung über hingerichtete Ärztin Margarete Blank wird in Leipzig eröffnet
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00:38 15.04.2018
Petra Lau an einer Tafel, die das Leben von Margarete Blank verdeutlicht. Sie gehört zur Wanderausstellung. Quelle: André Kempner
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Panitzsch/Leipzig

„Ein Leben für die Wahrheit“ – das ist der Titel der überarbeiteten Wanderausstellung, die am Freitag, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, 15 Uhr, im Neuen Rathaus in Leipzig eröffnet wird. Dazu hat sich auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkard Jung (SPD) in der unteren Wandelhalle angesagt. Die Schautafeln widmen sich dem Leben und Wirken der von den Nazis am 8. Februar 1945 in Dresden hingerichteten Panitzscher Ärztin Margarete Blank.

Sie hisste keine Hakenkreuzfahne. Den Hitlergruß verweigerte sie. Und sie half den Kriegsgefangenen. Das „kleine Fräulein Doktor“, wie Ärztin Margarete Blank (1901–1945) liebevoll von Einheimischen genannt wurde, war rund um die Uhr für ihre Patienten da.

So rettete sie auch den vier an Keuchhusten erkrankten Kindern eines Borsdorfer Oberstabsarztes das Leben. Während dieser an der Front war, beruhigte Blank dessen Frau. Der Krieg sei bald vorbei, soll sie ihr gesagt und hinzugefügt haben, dass man die Russen nicht fürchten müsse.

Diese zum Trost gedachten Worte wurden der Ärztin aus Panitzsch zum Verhängnis. Die Frau des Oberstabsarztes machte Meldung und lieferte Blank dadurch – bewusst oder unbewusst – ans Messer. Kurz vor Kriegsende wurde das „kleine Fräulein Doktor“ in Dresden per Fallbeil hingerichtet.

Erstmals zu sehen sein wird unter anderem eine Schautafel zum Margarete-Blank-Haus in Panitzsch, sagt Petra Lau, Leiterin der Gedenkstätte: „Das einstige Wohnhaus der Ärztin bleibt vorerst weiter geschlossen, die Gelder reichen noch nicht, um die Räume sanieren und neu gestalten zu können“, so Lau, die für 2018 auf Fördergelder des Freistaates und eine Kofinanzierung durch die Gemeinde Borsdorf hofft. Daher sei die Wanderausstellung eine willkommene Interimslösung. Der Verein „Dr. Margarete Blank“ dankt sowohl der Stadt Leipzig als auch der Gemeinde Borsdorf, die die Ausstellung finanziell unterstützten. Spenden gingen zudem vom AWO-Seniorenzentrum „Dr.-Margarete-Blank“ in Thekla und von der Familie des Schwagers von Margarete Blank ein. Josef Liedke leistete umfangreiche fachliche Hilfestellung, die Firma Werbedesign Lepschy in Brandis stellte in kurzer Zeit die Roll-Up-Displays her, Löhnert Druck in Markranstädt steuerte Flyer bei.

„Der Tod der Ärztin war doppelt tragisch“, sagt Petra Lau: „Zum einen war der Tatbestand der Wehrkraftzersetzung in keinem Punkt erfüllt, zum anderen gehörte Margarete Blank vor den kurz darauf einsetzenden schweren Bombenangriffen zu den letzten in Dresden Hingerichteten.“

Auf dem Leipziger Südfriedhof – im Ehrenhain der Widerstandskämpfer – fand sie ihre letzte Ruhe. Nach dem Krieg wurde die Urne mit den sterblichen Überresten der im Hof des Dresdener Landgerichtsgebäudes am Münchner Platz getöteten Frau exhumiert und am 17. März 1946 in Leipzig beigesetzt. Unvergessen ihre Worte: „Es gibt nur einen zuverlässigen Wegweiser im Leben: Unerschütterliche strenge Wahrheitsliebe. Es gibt nur einen Genuss: Das seelische Gleichgewicht; nur eine Freude: Die Schönheit der Natur.“

Es ist geplant, die Wanderausstellung auch in den alten Bundesländern zu zeigen – etwa in Ulm, wo der Todesrichter von Margarete Blank, Heinrich von Zeschau, 1962 mit vollen Pensionsbezügen in den Ruhestand versetzt wurde.

Von Haig Latchinian

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