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Waschbären als Plagegeister in Bennewitz

Waschbären als Plagegeister in Bennewitz

Bennewitz. Jeden Morgen das gleiche Bild: Nächtlicher Besuch macht sich seit Mitte Juni in der Altenbacher Straße über die Mülltonnen her, wirft aufgerissene Plastikbeutel aus den Behältern, schleppt sie meterweit.

. Inzwischen ist das Rätsel gelöst: Die Plagegeister sind Waschbären. Sie fühlen sich in Bennewitz so wohl, dass sie Nachwuchs in die Welt setzten und mit ihren fünf Jungen auf nächtlichen Beutezug gehen. Bis zum Abriss der Hülsmann-Villa sollen sie dort Unterschlupf gefunden haben.

„,Was ist denn das für eine Schweinerei‘ haben wir zuerst geschimpft. Wer macht denn sowas?", erinnert sich Annemarie Pötzsche. Durch Zufall entdeckte die Bennewitzer Familie kurz vor dem Schlafengehen, dass für das Chaos keineswegs unterbelichtete Zweibeiner verantwortlich waren. „Wir hörten Krabbeln und Poltern, sahen Schatten, die sich an den Mülltonnen zu schaffen machten", erzählt die Bennewitzerin. Die Umrisse waren zu groß, um als Ratten durchgehen zu können. Die Bennewitzer Tierfreunde schauten in ihre Bücher und waren sich schließlich sicher: „Braun-schwarzer Schwanz, niedliches Gesicht – das können nur Waschbären sein."

In der Tat, so räumt die Untere Jagdbehörde beim Landratsamt ein, breiten sich die putzigen Zuwanderer aus Nordamerika auch in unseren Siedlungsgebieten schnell aus. Seit sechs, sieben Jahren würden die nachtaktiven Raubtiere von Jägern zunehmend zur Strecke gebracht: in Burkartshain und Thammenhain, Thallwitz, Röcknitz, Böhlitz, Fremdiswalde und Rotha. Zunächst habe man vermutet, es handele sich um Tiere, die ihren Haltern ausgerückt seien. Aber die Population habe sich so vergrößert, dass diese Variante auszuschließen sei. Die Tiere fühlen sich hier wohl, zumal sie mancherorts bewusst gefüttert würden. Problematisch werde es freilich, wenn sie sich in Häusern auf Dachböden einquartieren.

Die Anwohner in der Altenbacher Straße freilich wären froh, wenn der nächtliche Spuk ein Ende hätte. Sinnvoll, so der Rat der Unteren Jagdbehörde, wäre es, mit Steinen auf den Tonnen dafür zu sorgen, dass die Tiere nicht ungehindert an Nahrung kommen. Wenn das nicht helfe, sei es ratsam, den zuständigen Jäger zu kontaktieren – im diesem Fall Bernd Franke aus Grubnitz.

In Siedlungsgebieten freilich dürfe nicht geschossen werden. Die Tiere müssten in tierschutzgerechten Lebendfallen gefangen werden. Werden die Waschbären aus dem Verkehr gezogen, sei allerdings auch mit der Gefahr von nachrückenden Artgenossen zu rechnen, die sich in zweiter Generation weiter an den Nahrungsresten laben.

Mit einem Gewicht zwischen 3,6 und neun Kilo ist der Waschbär größter Vertreter der Kleinbären. Er siedelte sich in den 1950er Jahren in Europa an, weil er hier aus Gehegen entkam oder ausgesetzt wurde. Hervorzuheben ist das gute Gedächtnis der Allesfresser. Im Experiment konnten sie sich nach drei Jahren noch an die Lösung einer früheren Aufgabe erinnern.

Ingrid Leps

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